Biegengebirge im Vordergrund, Wolayerseegebiet
Biegengebirge im Vordergrund, Wolayerseegebiet. Foto: Ruedi Homberger

Karnische Alpen - wo Europa auf Afrika trifft

Die Karnische Region ist ein Anziehungspunkt für Erdwissenschaftler aus allen Teilen der Welt. Tatsächlich gibt es in den gesamten Alpen kein anderes Gebiet, in dem so reiche Zeugnisse aus dem Erdaltertum erhalten geblieben sind.

Im "GeoPark Karnische Alpen" können auch Sie sich auf die Spuren der Erdgeschichte begeben. In Kärntens Naturarena an der Grenze zu Italien bildet er den Ausgangspunkt für eine Reise in die Vergangenheit der Erde: Vor 500 Mio. Jahren lagen die ältesten Gesteine der heutigen Bergketten noch auf der anderen Seite der Weltkugel. Ihre Odyssee führte sie um den halben Globus durch kühle, gemäßigte und tropische Breiten. Und im Gailtal stießen Gesteinsamassen aus Afrika auf den europäischen Kontinent.

Schalenabdruck eines Brachiopoden (Armfüßers).
Schalenabdruck eines Brachiopoden (Armfüßers). Foto: H.P.Schönlaub

Erdgeschichte auf den Geotrails erleben

Die Zeugnisse aus den bewegenden Millionen von Jahren lassen sich beispielsweise bei Wanderungen auf den fünf Geotrails bestaunen, die auch als geführte Touren angeboten werden. Wer sie auf eigene Faust unternimmt, informiert sich an den Schautafeln über die geologischen Besonderheiten.

Tief in diese alte Welt dringen Gäste zum Beispiel auf der Tour „Die Schatzsuche im Versteinerten Urwald von Laas“ vor. Die gemütliche Tagestour, die sich ganz besonders für Familien eignet, startet jeden Freitag den ganzen Sommer über in Laas bei Kötschach-Mauthen. Durch die zu Stein gewordenen Wälder, übrigens die einzigen ihrer Art in Österreich, führt ein Naturparkranger. Beim Auffinden der fossilen Zeugnisse helfen – neben den fachkundigen Hinweisen des Guides – ein GPS-Gerät, eine Schatzkarte und ein Erdgeschichtebücherl. Für die informative und gleichzeitig aufregende Wanderung sind etwa dreieinhalb Stunden zu veranschlagen.

Der Pfad durch die malerische Garnitzenklamm bietet neben ihren tosenden Wasserfällen und türkisblauen Strudeltöpfen ein abwechslungsreiches Schauspiel von bunt gefärbten Gesteinsschichten, die das Wasser auf seinem Weg durch den Fels freilegte. Auf der sechs Kilometer langen Strecke findet sich Gestein, das noch in der Urerdzeit, dem Ordoviz, vor etwa 500 Mio. Jahren entstand. Für die Klammwanderung inklusive Retourweg sind rund vier Stunden zu veranschlagen.

Eine Expedition zum südlichsten Gletscher Österreichs unternehmen geübte und trittsichere Bergwanderer vom Plöckenpass aus. Das sogenannte „Eiskar“ liegt eingebettet in die 800 Meter steil aufragende Kellerwand. Bevor die Bergsteiger das Kar erreichen, passieren sie Felswände, die aus Myriaden von zu Stein gewordenen Korallen bestehen. Anhand der zahlreichen Spuren im Fels weist der Bergführer auf die zeitlichen Dimensionen der Erdgeschichte hin: von hunderte Millionen Jahren alten Fossilien bis zu den jüngsten Gletscherschrammen.

Schatzsuche im versteinerten Urwald bei Laas.
Schatzsuche im versteinerten Urwald bei Laas. Foto: Franz Gerdl

Touren zu fossilen Zeugen

Bei einer dreistündigen Tour rund um den idyllischen Wolayersee, die bei der gleichnamigen Hütte über dem Lesachtal auf knapp 2.000 Metern Seehöhe startet, begegnet der Wanderer völlig unterschiedlichen geologischen Welten: Kalkgesteine aus dem Erdaltertum, die ursprünglich im Flachmeer entstanden oder einst sogar ein Korallenriff mit reicher Tierwelt bildeten, liegen heute in enger Nachbarschaft mit roten Kalkschiefern und bunten Kalken, die dem Lebensraum vorsintflutlicher, riesiger Tintenfische entstammen. An den Hängen des Rauchkofels findet sich ebenso wie im Schutt der Hohen Warte und der Seewarte eine Fülle versteinerter  Korallen, Seelilien, Muscheln, Schnecken und Tintenfischarten.
Eine an Fossilien reiche Gesteinswelt offenbart sich auch am Geotrail am Nassfeld, der sich von der Bergstation der Gartnerkofel-Sesselbahn aus leicht erschließt. Auf dem Rundkurs (etwa fünf Kilometer) werfen die Wanderer zum Beispiel einen Blick auf Gesteinsschichten mit versteinerten Armfüßern, auf die fossilen Reste von Farnblättern und anderen Zeugen vergangenen Lebens.
 
Die Termine und Details zu den Touren sind über www.geopark-karnische-alpen.at abrufbar.

80 Geopunkte laden zum Schauen ein

Neben den Geotrails, die auch auf den Plöckenpass und an den Zollnersee führen, gibt es im GeoPark Karnische Alpen rund 80 Schaupunkte wie zum Beispiel den Mühlschuss-Wasserfall bei St. Lorenzen im Gitschtal, wo Fossilien von Fischen und Reptilien gefunden wurden, die Klondike-Höhle im Rosskofelmassiv oder die Weißenbachklamm mit ihrem Kalksinterbildungen. 
 
Das Besucherzentrum des Geoparks in Dellach/Gail präsentiert neben ausgewählten  Fossilien und Gesteinen über 500 Millionen Jahre Erdgeschichte in Form interaktiver Animationen und Videos. Nicht nur für kleine Besucher besonders spannend: der Erdbebensimulator.

Anreise

Von Wien mit den ÖBB über Salzburg bis Spittal - Millstättersee, weiter mit s-Bahn S1 Richtung Lienz bis Dellach/Drau.

zuletzt geändert am 22.05.2017

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