Frau hockt auf einem Stein, dahinter ein Wasserfall.
Ein Spaziergang über satte Wiesen, eine Rast an einem ruhigen Teich bringen selbst einen unstetten Geist zur Ruhe. Foto: salzburgerland.com

Landschaft spüren

Ist Landschaft draußen vor der Tür, also außerhalb von uns oder auch in unserem Inneren? Immerhin ist doch ein Grund, warum wir die Natur so lieben, der, dass sie uns gut tut. Dieser positive Effekt ist sogar messbar.

Sanft bewegen sich die Wellen des Wassers. Das Schilf wiegt sich im Takt. Libellen tänzeln über der Wasseroberfläche, wechseln plötzlich mitten im Flug die Richtung und spielen miteinander. Enten ziehen schnatternd ihre Runden und watscheln langsam aus dem See. Rundherum Grün, soweit das Auge reicht, verfeinert durch ein paar Farbtupfer hier und da. Alles fühlt sich perfekt an. Nicht einmal der leise Straßenlärm von der Ferne oder die Geräusche der Baustelle in der Nähe können mich ablenken. Ich atme ruhig und bin verzaubert von der Anmut der Landschaft. Mir fällt das Zitat von Antoine des Saint-Exupéry aus „Der kleine Prinz“ein: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar“. Denn die sanfte Energie und Ruhe, die diese Landschaft ausstrahlt – kann man sie nicht ebenso spüren wie sehen? 

Landschaft wirkt

Innere und äußere Welten lassen sich nicht trennen – das wird zunehmend auch der Wissenschaft immer klarer. „Der Landschafts-Raum zeigt sich über seine äußere Gestalt und wird dann vom Menschen über seine innere Wirkung wahrgenommen“, erläutert Ao.Univ.Prof. Dr. Erwin Frohmann vom Institut für Landschaftsarchitektur (Universität für Bodenkultur Wien) anlässlich eines öffentlichen Vortrags zum Thema „Wie wirkt Landschaft auf den Menschen?“ Der Experte beschäftigt sich seit einigen Jahren mit der Frage, ob sich die positiven Effekte der Natur auf den Menschen  wissenschaftlich belegen lassen. Wir Menschen gehen auch eine seelisch-emotionale Beziehung mit dem Raum ein. „Der Mensch gestaltet über sein Denken, Fühlen und Handeln den Raum Landschaft.“ Dabei wirkt nicht nur der Mensch auf die Landschaft ein: „Wir können davon ausgehen, dass dieser Prozess ein Kreislauf ist und die Landschaft wiederum den Menschen in ihrer Wirkung gestalterisch beeinflusst“, so Prof. Frohmann. Wer sich bewusst in der Natur bewegt und alle Sinne schärft, kann die Wirkung der Natur ganz klar spüren.

Der Rhythmus unseres Herzens schlägt im Einklang mit der Natur

Prof. Frohmann hat sich die Aufgabe gestellt, die Wirkung von Landschaft auf den Menschen messbar zu machen. Doch wie messe ich eine Erfahrung, die ich hauptsächlich spüren kann? Gewisse Parameter lassen sich messen. Der Herzschlag und Aufregung bzw. Entspannung stehen zum Beispiel in Zusammenhang miteinander. Aber auch die Aktivierung des Entspannungsnervs ist nachweisbar.

In einem Forschungsprojekt wurden Herzvariabilitätsmessungen an den Krimmler Wasserfällen in Salzburg durchgeführt. Gemessen wurde an drei unterschiedlichen Orten: am Wasserfall, bei einem Hain (Wäldchen) am Fuße des Wasserfalls und an einem steinigen Fels-Platz. Zum Einsatz kam der „Heartman“, ein EKG-ähnliches Gerät aus der Weltraumforschung. 14 Personen schlossen pro Testphase für jeweils zehn Minuten ihre Augen, entspannten sich und ließen dabei ihren Herzschlag messen. Auch ihr subjektives Empfinden wurde erhoben.

Das Ergebnis: „Bis zu 6 Herzschlägen pro Minute hat der Wiesenplatz stärker beruhigend gewirkt als der Wasserfall“, sagt Prof. Frohmann. Der Wasserfall wirkte am stärksten aktivierend, der Hainplatz am entspannendsten und der Felsplatz war dazwischen angesiedelt. Dass lautere Umgebungen nicht unbedingt Unruhe auslösen müssen, war eine neue Erkenntnis: „Es ist interessant, dass der Hainplatz, der lauter ist als der Felsplatz, trotzdem stärker beruhigend gewirkt hat.

Auch die subjektive Befindlichkeit deckte sich im Wesentlichen mit den physiologischen Messungen. Am Hain fühlten sich die Versuchspersonen geborgen, am Wasserfall eher extrovertiert. Landschaft wirkt. Das spürt man einfach.

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zuletzt geändert am 14.07.2016

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