„Wo geht’s heuer in Urlaub hin?“

Kommentar Dr. Margit Leuthold, Tourismusexpertin bei respect - Institut für Integrativen Tourismus und Entwicklung und Krankenhauspfarrerin im Allgemeinen und im Evangelischen Krankenhaus in Wien.

Lange Zeit war es mir peinlich, nach meiner ganz persönlichen Urlaubsplanung gefragt zu werden. Ich wusste, ich werde mit meiner Antwort nicht nur den erwartungsvollen Blicken eine herbe Enttäuschung versetzen. Manchmal zog mich das Fernweh in der Frage schon förmlich in die Nebelwälder der Anden, in die Dünen der weiten Wüsten oder in die unendlich farbintensiven Sonnenuntergänge am Meer hinein. Mein Urlaub überbot den Retrocharakter einer Fototapete aus den 1970ern.

Ich ertappte mich, dass ich gegenüber meinen Kolleginnen und Kollegen ins Hintertreffen geriet. Ihre aktuelle Urlaubsplanung zu einem anderen Kontinent oder auf die andere Seite der Erdkugel galt ja nahezu als Weltbürgerpflicht, als ehrenamtliche Weiterbildung und fast als Arbeitszeit. Gegenüber meinen Freundinnen und Bekannten, die mit ihren schulpflichtigen Kindern ihre schönste Zeit im Jahr zwanghaft in Schulferienzeiten quetschten, wurde ich ganz still. Ich wollte ihren wutentbrannten Klagen über überfüllte Ferienanlagen, schrille Kindercamps und saftige Preise zur Hauptsaison nicht Öl ins Feuer gießen. Ich wusste, sie hatten genug geleistet, wenn ihre überdrehten Lieblinge am Abend endlich im Bett lagen.

Ich fühlte mich richtig mies: Wie kann ich, zumal als familien-unabhängige DINK-Version (double income no kids) der Moderne regelmäßig wie ein Schweizer Uhrwerk aus dem 19. Jahrhundert, Jahr für Jahr für zwei Wochen im Sommer (sic!) Urlaub in Österreich am Bauernhof machen? Wieso will ich mir, mit so vielen Einladungen und wunderbaren Ländererfahrungen ausgestattet, einfach nichts Erholsameres vorstellen, als die schon längst bekannten Wege und Bergtouren zu wiederholen, Beeren und Schwammerl zu suchen und am Morgen vom Bett aus zu schauen, wie das Wetter am Berg heute wird? Und wie kann gegenüber der allgemeinen Adventurepflicht im Urlaub mein größtes Abenteuer darin bestehen, schneller als jemand anderes unsere Ferienwohnung wieder fürs nächste Jahr zu reservieren?

Ich gebe zu, bis vergangenen Herbst lag ich zeitweise nächtens wach und überlegte beunruhigt: War mein Urlaubsverhalten am Ende sogar tourismusschädigend? Seit der allgemeinen Wirtschaftskrise geht es mir aber wieder besser. Ich blicke aufrecht und mit klarem Blick die Fragenden an und verkünde, ganz im Sinne der neuen Wirtschaftslage: Nichts ist so zukunftsträchtig und die heimische Wirtschaft fördernd wie ein nachhaltiger Urlaub in Österreich! Und ich verrate Ihnen hier ein Geheimnis: Ganz besonders dort, wo es lange Zeit zu ruhig war, finden sich Orte und Unterkünfte, wo das Preis-Leistungsverhältnis auch für einen eng geschnallten Gürtel stimmt. Mit den ‚Einfach Raus’ Angeboten der Bahn brauchen Sie noch nicht einmal die Benzinpreise im Auge zu behalten und machen Urlaub vom Auto noch dazu. Manche ‚Nature Trails’ und ‚Wild Beauty’-Gebiete sind schon im anderen Bundesland so exotisch und ganz anders als man sich das jemals vorstellen konnte, von der Sprachenvielfalt in Österreich ganz abgesehen. Und selbst im naturbelassensten Tal leben Menschen, die aus verschiedenen Ländern und Kulturen eingewandert sind oder auf Besuch da sind, so dass interkulturelle Begegnungen und die Welt ganz nah da sind. Und wenn dann nach einem schönen Tag miteinander der Abendhimmel in allen Farben leuchtet, ist es doch einfach gut.

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zuletzt geändert am 15.09.2016

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