Jemand liegt unter einem Schirm am Steg und liest die LEBENSART.
Foto: Yannes Kiefer

2020 – ein Sommer wie damals?

Das erste Mal wieder an Urlaub denken! Der Süden ist so nah und es geht wieder bergauf oder in die Sommerfrische. Auf jeden Fall wartet ein guter Sommer auf uns und Marcel Hirscher höchstpersönlich macht Werbung für Urlaub in Rot-Weiß-Rot.

Corona hat unsere Urlaubspläne über den Haufen geworfen. Alle, die es im Sommer regelmäßig ans Meer zieht, nach Italien, Spanien, Griechenland oder Kroatien, wissen kurz vor Sommerbeginn noch immer nicht, ob sie ihren Urlaub antreten können. Ob die Grenzen offen sind, welche Flüge es geben wird und ob man den Urlaub in Quarantäne ausklingen lassen muss. Das ändert sich aktuell fast täglich. Einen guten Überblick über die Reiseeinschränkungen bzw. Lockerungen bietet die Corona-Reiseinformation auf der Website des ÖAMTC. Infos für Hotels, Restaurants und deren Gäste haben das Tourismusministerium und die Wirtschaftskammer zusammengestellt.

Bevor ich mir das antue, mache ich heuer lieber Urlaub in Österreich. Das gilt laut einer Gallup-Umfrage von Mitte Mai 2020 für knapp zwei Drittel der Österreicher*innen. Darauf hat die Tourismuswerbung sofort reagiert. War man bislang eher um den ausländischen Gast bemüht, wirbt man in Österreich heuer verstärkt mit herrlichen Bildern aus der Heimat – Natur, Berge, Seen, Wandern, Radfahren, gutes Essen. Damit trifft man punktgenau unsere Urlaubswünsche.

Urlaub am See, am Berg und am Bauernhof

Laut Gallup-Umfrage wollen wir heuer vor allem an die Seen und in die Berge, wenn wir in Österreich bleiben. Bei der Auswahl des Urlaubsquartiers spielen die familiäre Atmosphäre, Angebote für einen aktiven Urlaub und Wellness eine große Rolle, Urlaub am Bauernhof liegt hoch im Kurs.

Frau im Dirndl blickt vom Balkon auf einen Naturteich. Am Steg davor sitzen ein paar Leute.
Bei den "Urlaub am Biobauernhof" - Betrieben von BIO AUSTRIA wird Bio nicht nur vorgelebt, sondern auch serviert. Foto: BIO AUSTRIA / David Faber

Dazu kommt vielfach die Lust, etwas Neues zu probieren, etwa ein Ferienhaus mit Selbstversorgung oder ein Campingurlaub im Freien. „Generell wünschen sich die Menschen für den Sommerurlaub, was sie in den vergangenen Wochen vermisst haben: Zeit mit Familie, Freunden, Verwandten. Natur, Gesundheit und Regionalität treten in den Vordergrund. Shoppen, Party und Ausgehen haben an Bedeutung verloren“, berichtet Gallup-Geschäftsführerin Andrea Fronaschütz.

Kein Kurztrip übers Wochenende nach New York, keine billigen Besäufnisflüge zu irgendeiner Partymeile, kein Massentourismus – und das von heute auf morgen. Das haben sich alle, die sich seit Jahrzehnten für einen sanften und umweltschonenden Tourismus einsetzen, nicht träumen lassen. Aber was davon werden wir in die Zeit nach Corona mitnehmen? Wird unser Urlaubsverhalten jetzt nachhaltiger oder fallen wir gleich wieder zurück in die alten Muster? Naturfreunde International hat diese Frage mehreren Tourismusexpert*innen gestellt.

Chance für mehr Nachhaltigkeit?

Ländliche Urlaubsregionen, in denen das Verhältnis zwischen Einwohner*innen und Gästen ausgewogen ist, könnten sich tatsächlich früher erholen, so die Prognose von Christian Baumgartner, Professor für nachhaltigen Tourismus. „Wo vor 2020 sanfte Angebote wie einsame Wanderungen und Ruheorte hoch im Kurs standen, wird es diese auch weiterhin geben und die Regionen werden leichter aus der Krise rauskommen.“ Wir werden uns also, so gut es geht, aus dem Weg gehen. Nachhaltige Angebote bei Fernreisen sind jedoch immer begegnungsintensiv. „Werden die zukünftigen, virus-sensiblen Fernreisenden nun eher die hygienisch-sterilisierten All-in-Resorts mit Babyelefanten-Abstand zum nachbarlichen Liegetuch bevorzugen?“, fragt sich Baumgartner. Einig sind sich die Expert*innen, dass der Massentourismus an Wert verlieren wird, weil die Verbreitung des Virus mit Bildern von Menschenmassen gleichgesetzt wird und die Urlauber*innen diese meiden werden.

Ist das jetzt schon ein Systemwandel zu nachhaltigeren Formen des Reisens? Zumindest ist es eine große Chance. Es komme aber vor allem darauf an, welche Unternehmen die Krise überstehen und danach überhaupt touristische Erlebnisse anbieten werden. Das werden eher die großen als die kleinen sein, ungeachtet der Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells, befürchtet Antje Monshausen, Vorsitzende des Roundtable Human Rights in Tourism. „Es wird eher einen ruinösen Wettbewerb mit niedrigen Preisen als einen Wandel zu mehr Nachhaltigkeit geben.“ Das Ringen um jeden Gast ist in Europa längst eröffnet.

Generell werde sich die Reiselust in nächster Zeit in Grenzen halten, nicht nur wegen der Angst vor einer Ansteckung, sondern aufgrund der angespannten wirtschaftlichen Lage. Trotzdem gibt es positive Stimmen: „Wir werden wieder reisen, aber die Welt mit anderen Augen sehen“, ist Josef Peterleithner, Präsident des Österreichischen ReiseVerbandes, überzeugt. „Und wir werden in Zukunft nachhaltiger reisen. Qualität, Regionalität und auch Individualität werden an Bedeutung gewinnen.“ Auch Christian Hlade, Inhaber von WeltWeitWandern, ist sich sicher, dass die erzwungene Pause mehr Bewusstsein für den Wert des Reisens mit sich bringt: „Ob Klimakrise oder Corona-Krise: Es geht um ein neues ‚Weltbewusstsein’, wonach wir alle voneinander abhängen und aufeinander achten müssen – aber auch gemeinsam auf unseren Planeten.“

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zuletzt geändert am 15.06.2020

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