Sophie Karmasin, Leonore Gewessler und Ingmar Höbarth halten die Studien in Händen.
Sophie Karmasin, Leonore Gewessler und Ingmar Höbarth präsentierten am 19. Juli 2021 neue Studien zum Klimaschutz im Tourismus. Foto: APA/Bargad

Aktuelle Studien zum Klimaschutz im Tourismus

Der Klimaschutz wird für den Tourismus immer bedeutender. Für die überwiegende Mehrheit der Urlauber*innen ist das ein wichtiges Thema. Doch nur wenige geben an, schon einmal eine Urlaubsentscheidung unter Bedacht auf den Klimaschutz getroffen zu haben.

Will Österreich bis 2040 klimaneutral werden kommt dem Tourismus eine besondere Bedeutung zu. Einerseits sind Tourismusdestinationen und -angebote stark von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen, andererseits verfügt der Sektor über großes Potential in Sachen Klimaschutz. Zu diesem Schluss kommt der aktuelle Special Report „Klimaschutz und Tourismus“, der von 39 Wissenschaftler*innen disziplinenübergreifend im Auftrag des Klima- und Energiefonds erstellt wurde.

Neben den zu erwartenden regionalen Auswirkungen im Sommer und im Winter streicht der Bericht besonders die Potentiale im Bereich Mobilität hervor. Um die Klimabelastung des Tourismus zu reduzieren, bedarf es einer Verbesserung des öffentlichen Verkehrsangebots - sowohl für die An- und Abreise, als auch für die Mobilität vor Ort.

„Klimaschonender Tourismus wird in Zukunft Wettbewerbsvorteile bringen“, ist Klima- und Energiefonds-Geschäftsführer Ingmar Höbarth überzeugt. „Um es mit den Worten der Expert*innen des Special Reports zu sagen: Machen wir gemeinsam aus dem ‚Paris-Lifestyle‘, also einem Lebensstil, der dazu beiträgt, die in Paris vereinbarten Klimaziele einzuhalten, den ‚Austrian-Lifestyle‘. Einen Lebensstil, der genau das transportiert, was unser Land ausmacht: höchste Lebensqualität bei größtmöglichem Respekt für Natur, Umwelt und zukünftige Generationen.“

Und was sagen die Betroffenen

Für mindestens 70% der österreichischen und deutschen Tourist*innen der Klimaschutz ein (sehr) wichtiges Thema, bei Unternehmen (89%) und Verbänden (100%) fällt die Zustimmung noch höher aus. So das Ergebnis einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitut Karmasin Research & Identity, ebenfalls im Auftrag des Klima- und Energiefonds. Auch bewerten alle genannten Gruppen klimafreundlichen Tourismus überwiegend als große Chance für das Urlaubsland Österreich: 71% der österreichischen und 65% der deutschen Tourist*innen, sowie 53% der Unternehmen und 96% der Verbände stimmen dieser Aussage zu.

In der Praxis schaut die Sache anders aus. Nur 15% (Österreich) bis 20% (Deutschland) geben an, schon einmal eine Urlaubsentscheidung unter Bedacht auf den Klimaschutz getroffen zu haben. Als Begründung werden fehlende Auswahlkriterien zur Klimafreundlichkeit in Online-Suchmaschinen sowie zu wenig Kommunikation zu diesem Thema und zu wenig Angebot genannt.

„Die Umfrage zeigt vor allem, dass es einen Informationsmangel bei Tourist*innen in Bezug auf Klimaschutz gibt“, so Meinungsforscherin Sophie Karmasin. „Die Gäste wünschen sich neben einem erhöhten Angebot mehr Aufklärung, transparente Kommunikation und Auszeichnungen für besonders umweltgerechte Tourismusregionen und Betriebe. Auf der anderen Seite meinen Unternehmen und Verbände, klimafreundliche Angebote müssten stärker von Gästen nachgefragt werden.“ Es lebe das Henne-Ei-Prinzip!

Modellregionen

In einigen Regionen ist man bei Maßnahmen zum Klimaschutz schon sehr gut unterwegs. So hat die Klima- und Energiemodellregionen Nassfeld-Pressegger See / Weissensee / Lesachtal als erste Region Österreichs einen internationalen Zertifizierungsprozess nach den Kriterien des Global Sustainable Tourism Council erfolgreich abgeschlossen und wird in Kürze das entsprechende Nachhaltigkeitssiegel tragen dürfen, die Modellregion Zell am See – Kaprun befindet sich durch umfassende Maßnahmen im Bereich der Mobilität am Weg zum internationalen Best-Practice. Beide Regionen dienen als nationale und internationale Vorbilder für andere Akteure.

Klimaschutzministerin Leonore Gewessler: „Der Österreichische Tourismus steht im Kampf gegen die Klimakrise vor einer großen Herausforderung. Durch die zunehmende Hitze verändern sich die Rahmenbedingungen – egal ob beim Schi-Fahren oder im Städte-Tourismus. Viele Betriebe und Unternehmen reagieren genau jetzt auf diese Herausforderung und nützen damit eine große Chance."

Ausführliche Informationen zum Bericht sowie das Gesamtwerk, eine Zusammenfassung für Entscheidungsträger*innen und eine technische Zusammenfassung stehen unter https://sr19.ccca.ac.at/ bzw. https://sr19.ccca.ac.at/downloads/ zur Verfügung.

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zuletzt geändert am 26.07.2021

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