2 x 2 Hände grefen nach einer Teetasse auf einem weißen Tischtuch, ein Tee ist rot, der andere Gelb - von oben fotografiert.
Foto: Fastenzentrum «in Sich»

Fastenurlaub - Freiheit für Körper und Seele

Weg vom Zuviel und von der Komplexität unserer Welt, hin zum Einfachen und Reduzierten - bei einem Fastenurlaub werden Körper und Seele erneuert und gute Gewohnheiten eingeübt.

Fasten und Urlaub, wie passt das zusammen? Im Urlaub will man es sich doch gut gehen lassen, Fasten hingegen hat doch hauptsächlich mit Verzicht zu tun, mit Entsagung und, nennen wir es beim Namen, mit Hunger? „Nein“, sagt die Fastenexpertin Ulrike Borovnyak von der österreichischen Gesellschaft für Gesundheitsförderung, „beim Fasten hat man keinen Hunger. Denn nach 24 Stunden stellt sich der Körper um und holt sich aus seinen inneren Depots alles, was er braucht.“

Mit einem Fastenurlaub tue man sowohl seinem Körper als auch seiner Seele etwas Gutes, ist Borovnyak überzeugt. „Beim Fasten kommt man weg von dem Zuviel, das unsere Zeit ausmacht.“ Zu viel Essen, zu viel Stress, zu viele Wahlmöglichkeiten. In unserer komplexen Welt sei Reduktion nötig, um sich auf das Wesentliche zu besinnen und auch die einfachen Dinge wieder genießen zu können. Teilnehmer einer Fastenwoche machen die Erfahrung, wie herrlich ein bewusst verzehrter Apfel nach einigen Tagen ohne feste Nahrung schmecken kann. Sicherlich habe Fasten auch mit Verzicht zu tun, gleichzeitig sei es aber der pure Luxus unserer Gesellschaft. „Ich darf entscheiden, ob ich esse oder nicht esse. Das ist ein Geschenk“, sagt Borovnyak.

Reinigungsprogramm der Zellen

Das Weglassen von fester Nahrung beim Heilfasten hat für den Körper viele positive Effekte: Giftstoffe werden ausgeschieden, die Darmflora kann sich regenerieren, das Immunsystem wird gestärkt. Sogar der biologische Altersprozess kann verzögert werden. Dazu kommt der Verlust überschüssigen Gewichts. Frauen können in einer Fastenwoche bis zu fünf, Männer bis zu sechs Kilos abnehmen.

„Regelmäßig durchgeführtes Heilfasten verbessert unsere Stoffwechselfunktionen, senkt die Blutfette, den Blutdruck und unser Entzündungspotential“, ergänzt die Fastenärztin Dr. Renate Zach. Sie erklärt, was im Körper beim Fasten geschieht: „Fasten ist die Motivation für unsere Zellen, auf das Reinigungsprogramm umzuschalten. Spezielle Enzymsysteme in unseren Zellen schützen und reparieren unser Erbgut, wirken Alterungsprozessen entgegen oder leiten den programmierten Zelltod zur Vermeidung von Krebsentstehung ein.“ Entrümpelung passiert dabei nicht nur körperlich, sondern auch seelisch. Der Fastende kann seinen Gedankenmüll entsorgen und hört auf zu grübeln. Auch Ulrike Borovnyak hat das bei Fastenden schon oft erlebt: „Viele berichten, dass sie durch die Fastenwoche wieder den roten Faden in ihrem Leben gefunden haben. Innerlich ordnet sich wieder alles.“

Drei Personen wandern über eine grüne Wiese.
Zu einer Fastenwoche gehört auch viel Bewegung. Foto: Hotel Klosterberg / Daniel Zangerl

Energieschub beim Fasten

Ein Fastenurlaub mit dem damit verbundenen Ortswechsel, einem schönen Ambiente in einem Fastenhotel und unter Begleitung eines diplomierten Fastentrainers kann Fastenwilligen den nötigen Motivationsschub geben. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an Fastenmethoden und die passenden Urlaubsangebote dazu. Im Prinzip lassen sich alle Methoden auf das Heilfasten mit Tee und Säften und das Basenfasten mit dem Verzicht auf säurebildende Nahrungsmittel zurückführen.

Dass ein Fastenurlaub meistens eine Woche dauert, sei sinnvoll, meint Ulrike Borovnyak. „Damit die Seele mitkommt und es in uns ‚Klick‘ macht, braucht es seine Zeit.“ Begonnen wird mit einem so genannten Entlastungstag, der mit leicht verdaulichen Speisen und viel Trinken die Zäsur zum Alltag markiert. Idealerweise reduziert der Fastende in den kommenden Tagen auch alle störenden Einflüsse von außen, wie Fernsehen, Handy und Internet. Es folgen fünf Fastentage, an denen sich Phasen der Entspannung und Bewegung abwechseln. Dreimal am Tag gibt es Suppe, Tee oder Säfte. Wenige Kalorien bedeuten aber nicht wenig Energie. „Subjektiv verspüren wir im Fastenmodus einen ‚Energieschub‘. Nicht nur weil unser Körper fast ein Drittel an Verdauungsenergie einspart, sondern auch weil harmonisierende Hormone ausgeschüttet werden und dadurch Kreativität und Konzentrationsfähigkeit steigen“, sagt die Fastenärztin Renate Zach.

Nach den Fastentagen folgen drei Aufbautage, in denen sich der Organismus wieder an das Essen gewöhnt. „In der Kostaufbauwoche müssen die Verdauungssäfte langsam angeregt werden“, erklärt die Ärztin. „Um den Jojo-Effekt zu vermeiden, werden die Kalorienmengen reduziert. Ausreichende Trinkmengen und Pausen zwischen den Mahlzeiten sind nötig.“

2 Frauen in der Küche kochen Gemüse
Ein Fastenurlaub ist auch eine gute Gelegenheit, die Ernährungsgewohnheiten zu überdenken und diese auf eine gesunde Basis zu stellen. Foto: Hotel Klosterberg / Daniel Zangerl

Ernährungsumstellung: jetzt!

Das Ziel eines Fastenurlaubes ist es, die Gesundheit langfristig zu fördern und gute Gewohnheiten in den Alltag mitzunehmen. Für Renate Zach wirkt Fasten wie ein Selbsterfahrungsprozess. „Wir erkennen, was wir brauchen und wie wenig das ist.“ Sie rät, nach einer Zeit des Fastens die Gunst der Stunde zu nutzen: „Jetzt fällt eine Ernährungsumstellung hin zu einer vollwertigen und basischen, sowie ökologisch nachhaltigen Ernährung wesentlich leichter.“ Das heißt: Hauptsächlich Vollkornprodukte, viel Gemüse und Obst, weniger Fleisch und Milchprodukte und kaum Genussmittel wie Kaffee, Alkohol, Nikotin und Süßigkeiten.

Wer gesund ist und Neugierde mitbringt, kann sich also ins Fastenabenteuer stürzen. „Jeder kann fasten, der sich gesund fühlt“, ist Ulrike Borovnyak überzeugt. Und denen, die sich sorgen, dass sie es nicht schaffen, stellt die Fastenexpertin die Gegenfrage: „Wer schafft es eigentlich, in der Überfülle zu leben?“

Autorin: Sandra Lobnig

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zuletzt geändert am 15.04.2019

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