2 Leite reisen im Panoramawagen der Mariazellerbahn.
Foto: Daniel Reisinger

Tourismus heißt unterwegs sein

Österreich soll die nachhaltigste Urlaubsdestination der Welt werden. Wow! Das Ziel der Tourismusstrategie des Bundes ist wichtig und ambitioniert. Der Weg dahin ist jedoch noch ziemlich weit, vor allem bei der Mobilität.

Am 21. März 2019 präsentierte die damalige Tourismusministerin Elisabeth Köstinger den sogenannten „Plan T“. Darin wird erstmals die Nachhaltigkeit als Grundprinzip für den Tourismus in Österreich verankert. „Dazu braucht es einen Paradigmenwechsel in der Branche“, betont Ulrike Rauch-Keschmann vom Ministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus bei der 12. Mostviertler Nachhaltigkeitskonferenz am 18. November in Wieselburg. „Fakt ist, dass der Tourismus einen maßgeblichen Einfluss auf den Klimawandel hat. Wir müssen uns entscheiden, was wir wollen – Qualität oder Masse? Vor 20 Jahren noch waren die zwei Erfolgsparameter die Zahl der Ankünfte und der Nächtigungen. Heute wird man sich auch an ökologischen Kriterien messen müssen.“

„In Niederösterreich gibt es zwar mehr Fahrräder als Autos“, berichtet Bernd Hildebrandt von der Energie und Umweltagentur Niederösterreich. „Trotzdem werden 63% der Wege mit dem Auto zurückgelegt, 15% zu Fuß, 14% mit öffentlichen Verkehrsmitteln und nur 7% mit dem Fahrrad.“ Diese Werte sind über die letzten Jahre relativ konstant, obwohl in Bereich der e-Bikes ein regelrechter Boom festzustellen ist.

Im Tourismus schaut die Mobilitätssituation noch einmal ganz anders aus. „80% kommen mit dem PKW oder Motorrad zu uns, 11% mit dem Wohnmobil oder Wohnwagen, das sind zusammen 91% der Gäste“, erzählt Georg Overs, Geschäftsführer der Region Villach GmbH. „Nur 7% nutzen den öffentlichen Verkehr, 2% kommen mit dem Flugzeug.“

Ohne Auto in den Urlaub

Wie bringt man also die Gäste dazu, ihre Autos daheim zu lassen? „Indem man die Mobilität einfach, flexibel und günstig und die Anreise zum Erlebnis macht“, sagt Overs. Mit Fördermitteln aus dem Klima- und Energiefonds haben die Kärntner hier schon einiges auf die Beine gestellt, zum Beispiel den Bahnhofsshuttle, der die Gäste von 13 Kärntner Bahnhöfen günstig zum Hotel bringt. Den Hoteliers empfiehlt Overs, die Kosten für den Shuttle zu übernehmen, wenn die Gäste direkt buchen. Das gehe sich leicht aus, wenn keine Provision an eine Buchungsplattform zu zahlen ist. Am Urlaubsort selbst sei der Winter ohne Auto kein Problem, im Sommer müssten neben dem öffentlichen Linienverkehr zusätzliche Angebote für die Gäste geschaffen werden wie Fahrradleihstationen oder Wander- und Radbusse.

In Niederösterreich - dem „weiten Land“ - in dem der Ausflugstourismus mit 60% im Vordergrund steht, stellt sich die Situation ganz anders dar. Trotzdem ist auch hier das Ziel klar: „Wir brauchen sanft-mobile Lösungen“, betont Barbara Markl von der Niederösterreich-Werbung. „Die Ausflügler aus Wien sind eine wichtige Zielgruppe und 40% der Wiener besitzen kein Auto. Auch junge Leute nutzen immer häufiger Services anstatt sich ein Auto zu kaufen. Wir müssen die Mobilität individuell denken und ganz konkrete Angebote vom Kunden bis zum Ausflugsziel oder zum Nächtigungsbetrieb schaffen.“ So gibt es eine eigene Angebotsschiene für öffentlich gut erreichbare Ziele und bei vielen Events wird die Anreiseinfo gleich mitgeliefert. Zu vielen Weihnachtsmärkten im Land kommt das Christkindl eben heute schon zeitgemäß mit den Öffis.

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zuletzt geändert am 19.11.2019

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