Jemand liegt unter einem Schirm am Steg und liest die LEBENSART.
Foto: Yannes Kiefer

Urlaub mit Corona. Urlaub nach Corona?

Corona hat unsere Urlaubsgewohnheiten verändert. Vielleicht werden wir in Zukunft sogar ein Stück weit nachhaltiger unterwegs sein.

Zuerst ist da die Unsicherheit, wohin man überhaupt reisen kann. Wie ist das mit dem Winterurlaub? Werden die Hotels und Schilifte offen sein? Und im Sommer? Darf ich ans Meer, nach Italien, Spanien, Griechenland oder Kroatien? Sind die Hotels offen? Brauche ich einen negativen Test? Muss ich in meinem Urlaubsland oder bei der Rückkehr in Quarantäne? Viele Fragen und keine langfritigen Antworten, weil sich das fast täglich ändert. Einen guten Überblick über die Reiseeinschränkungen bzw. Lockerungen bietet übrigens die Corona-Reiseinformation auf der Website des ÖAMTC. Wegen der großen Unsicherheit bucht kaum jemand langfristig einen Urlaub. Die Gäste entscheiden sehr spontan, die Hotels müssen sehr flexibel reagieren.

Urlaub am See, am Berg und am Bauernhof

Wir verbringen den Urlaub am Liebsten im eigenen Land, Natur Wandern, Radfahren und gutes Essen liegen im Trend. Laut einer Gallup-Umfrage für den Sommer 2020 zieht es und in die Berge und an die Seen. Bei der Auswahl des Urlaubsquartiers spielen die familiäre Atmosphäre, Angebote für einen aktiven Urlaub und Wellness eine große Rolle, Urlaub am Bauernhof liegt hoch im Kurs.

Frau im Dirndl blickt vom Balkon auf einen Naturteich. Am Steg davor sitzen ein paar Leute.
Bei den "Urlaub am Biobauernhof" - Betrieben von BIO AUSTRIA wird Bio nicht nur vorgelebt, sondern auch serviert. Foto: BIO AUSTRIA / David Faber

Dazu kommt vielfach die Lust, etwas Neues zu probieren, etwa ein Ferienhaus mit Selbstversorgung oder ein Campingurlaub im Freien. „Generell wünschen sich die Menschen für den Urlaub das, was sie in den Zeiten des Lock-downs vermisst haben: Zeit mit Familie, Freunden, Verwandten. Natur, Gesundheit und Regionalität treten in den Vordergrund. Shoppen, Party und Ausgehen haben an Bedeutung verloren“, berichtet Gallup-Geschäftsführerin Andrea Fronaschütz.

Kein Kurztrip übers Wochenende nach New York, keine billigen Besäufnisflüge zu irgendeiner Partymeile, kein Massentourismus – und das von heute auf morgen. Das haben sich alle, die sich seit Jahrzehnten für einen sanften und umweltschonenden Tourismus einsetzen, nicht träumen lassen. Aber was davon werden wir in die Zeit nach Corona mitnehmen? Wird unser Urlaubsverhalten jetzt nachhaltiger oder fallen wir gleich wieder zurück in die alten Muster? Naturfreunde International hat diese Frage mehreren Tourismusexpert*innen gestellt.

Chance für mehr Nachhaltigkeit?

Ländliche Urlaubsregionen, in denen das Verhältnis zwischen Einwohner*innen und Gästen ausgewogen ist, könnten sich tatsächlich früher erholen, so die Prognose von Christian Baumgartner, Professor für nachhaltigen Tourismus. „Wo vor 2020 sanfte Angebote wie einsame Wanderungen und Ruheorte hoch im Kurs standen, wird es diese auch weiterhin geben und die Regionen werden leichter aus der Krise rauskommen.“ Wir werden uns also, so gut es geht, aus dem Weg gehen. Nachhaltige Angebote bei Fernreisen sind jedoch immer begegnungsintensiv. „Werden die zukünftigen, virus-sensiblen Fernreisenden nun eher die hygienisch-sterilisierten All-in-Resorts mit Babyelefanten-Abstand zum nachbarlichen Liegetuch bevorzugen?“, fragt sich Baumgartner. Einig sind sich die Expert*innen, dass der Massentourismus an Wert verlieren wird, weil die Verbreitung des Virus mit Bildern von Menschenmassen gleichgesetzt wird und die Urlauber*innen diese meiden werden.

Ist das jetzt schon ein Systemwandel zu nachhaltigeren Formen des Reisens? Zumindest ist es eine große Chance. Es komme aber vor allem darauf an, welche Unternehmen die Krise überstehen und danach überhaupt touristische Erlebnisse anbieten werden. Das werden eher die großen als die kleinen sein, ungeachtet der Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells, befürchtet Antje Monshausen, Vorsitzende des Roundtable Human Rights in Tourism. „Es wird eher einen ruinösen Wettbewerb mit niedrigen Preisen als einen Wandel zu mehr Nachhaltigkeit geben.“ Das Ringen um jeden Gast ist in Europa längst eröffnet.

Generell werde sich die Reiselust in nächster Zeit in Grenzen halten, nicht nur wegen der Angst vor einer Ansteckung, sondern aufgrund der angespannten wirtschaftlichen Lage. Trotzdem gibt es positive Stimmen: „Wir werden wieder reisen, aber die Welt mit anderen Augen sehen“, ist Josef Peterleithner, Präsident des Österreichischen ReiseVerbandes, überzeugt. „Und wir werden in Zukunft nachhaltiger reisen. Qualität, Regionalität und auch Individualität werden an Bedeutung gewinnen.“ Auch Christian Hlade, Inhaber von WeltWeitWandern, ist sich sicher, dass die erzwungene Pause mehr Bewusstsein für den Wert des Reisens mit sich bringt: „Ob Klimakrise oder Corona-Krise: Es geht um ein neues ‚Weltbewusstsein’, wonach wir alle voneinander abhängen und aufeinander achten müssen – aber auch gemeinsam auf unseren Planeten.“

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zuletzt geändert am 08.11.2020

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