Paar schlendert durch eine enge Gasse, die zum Meer hinunter führt
Foto: Viewingmalta

Valetta – Europas Kulturhauptstadt 2018

Die kleinste Hauptstadt Europas ist ein Jahr lang dessen kulturelles Zentrum — die Weltkulturerbe-Stadt Valletta auf Malta.

Das wird ein „Festa“: 2018 ist Valletta Europäische Kulturhauptstadt und zelebriert das mit ganz Malta. Und mit allen, die von den historischen Schätzen Vallettas und vom Kulturprogramm angelockt werden. Malteser lieben es, ausgelassen zu feiern, in prächtig geschmückten Straßen, wo sich Familien und Freunde treffen, lachen, plaudern. Wie solch ein traditionelles maltesisches Festa, das inspiriert und lange nachwirkt, soll das Kulturhauptstadt-Jahr für Valletta werden, das wünschen sich die Bewohner Maltas. „Wir möchten unterhalten, herausfordern und provozieren“, sagt Jason Micallef, Vorsitzender der „Valetta 2018 Foundation“, die das Kulturhauptstadt-Programm organisiert. Punkten kann Valletta dabei mit einem reichen kulturellen Erbe, seiner einzigartigen Lage zwischen Europa und Afrika und damit verbunden einem bunt gemischten kulturellen Angebot.

Dazu hat auch die wechselvolle Geschichte Maltas beigetragen. Diese hat ihren Ursprung im Jahr 1530: Kaiser Karl V. übergab damals Malta den Rittern des Johanniterordens, der später als Malteserorden bekannt wurde. Auf die abgelegene Insel kamen nun reiche Würdenträger und ließen die Kultur erblühen. 1565 gründete der damalige Großmeister des Malteserordens, Jean de la Valette, die nach ihm benannte Festungsstadt Valletta. Im Gegensatz zu anderen europäischen Hauptstädten, die sich aus kleinen Dörfern hin zu Großstädten entwickelten, wurde ganz Valletta nach einem Plan erbaut. Die Entwürfe stammen vom Architekten Francesco Laparelli, einem Schüler Michelangelos. Der Italiener dachte damals nicht nur an massive Befestigungsanlagen, sondern auch an Abwasserkanäle und Müllentsorgung.

Valetta kann mit zahlreichen Superlativen aufwarten: Die Hauptstadt Maltas ist die südlichste und die kleinste Hauptstadt der EU. Nur knapp 6.000 Einwohner wohnen hier auf einer Fläche von nicht einmal einem Quadratkilometer, das sind rund 140 Fußballfelder. Es ist also nicht schwierig, die Stadt zu Fuß zu erkunden.

Valetta ist auch die am meisten befestigte Stadt Europas. Auf drei Seiten ist sie von Wasser umgeben, der Rest ist durch mächtige Bastionen geschützt. Diese und die prunkvollen Barockgebäude verhalfen Valletta zum Ruf, „Superbissima“, die prunkvollste aller europäischen Hauptstädte zu sein. Seit 1980 ist das amtlich: Ganz Valletta gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe, jedes einzelne Haus in der Altstadt steht unter Denkmalschutz.

Golden glänzende Prunkhalle.valletta__credit-mta_chen-weizhong
St. Johns Co Cathedral. Foto: MTA, Chen Weizhong

Reich an Kulturschätzen

Die Kulturhauptstadt Valletta kann sich also auf unzählige alte Schätze verlassen. Etwa auf den Großmeisterpalast mit seiner Waffenkammer, die bedeutendste Sehenswürdigkeit der Stadt. Selbstverständlich sind auch die weiteren „Auberge“ des Malteser Ritterordens und die zahlreichen Paläste sehenswert, etwa die Casa Rocca Piccola, das mehr als 400 Jahre alte private Wohnhaus der maltesischen Familie de Piro. Der Besucher spaziert durch prunkvolle Zimmer: Archiv, Bibliothek, Kabinett, Familien-Kapelle, Großer Saal, Sommer- und Winter-Speisesaal, chinesischer und grüner Raum. Unter dem Haus befindet sich ein alter Luftschutzbunker. Pflicht bei einer Besichtigungstour sind die Kathedrale St. John’s und die öffentlichen Gärten, die einen fantastischen Blick über den Grand Harbour gewähren. Das Manoel Theatre in der Old Theatre Street wird seit 1732 bespielt und gehört zu Europas ältesten Theatern.

Doch im Laufe der Jahrhunderte bekam der Prunk der Malteserritter Risse. Putz bröckelte von den alten Palästen. Jetzt weicht der morbide Charme frischem Glanz. Denn mit dem Zuschlag als Kulturhauptstadt wurde ein Anti-Aging-Plan gestartet. Festungsanlagen, Markthalle und die bunten Balkone aus der arabischen Epoche wurden restauriert. Harmonisch verschmelzen Orient und Okzident, Vergangenheit und Moderne. Stararchitekt Renzo Piano hat das alte City Gate durch zwei moderne Betonquader ersetzt, die im Zweiten Weltkrieg zerstörte Oper hat er in ein Freilichttheater verwandelt, Plätze wurden verkehrsberuhigt und Sitzbänke aufgestellt. Mitte des Jahres soll das Kunstmuseum Muza erstmals aufgesperrt werden.

SchauspielerInnen in Barockkostümen.
Ein Spektakel der besonderen Art: das jahrlich stattfindende „International Baroque Festival“. Foto: Manoel Theatre

Kulturleben mit 140 Projekten und 400 Events

Das Kulturhauptstadtjahr soll das geschäftige Valletta noch weiter beleben. Mehr als 140 Kulturprojekte und 400 Events sind geplant - von klassischer Oper über Performance Art und Design bis zu Literatur, Musik und Film. Alles zusammen soll eine einzige große "Festa" ergeben. Die Historie der Stadt, das große kulturelle Erbe, soll lebendig werden. Integriert in das Programm werden die ganze Insel Malta und die Nachbarinsel Gozo — die sonnenbeschiene Landschaft und malerische Städtchen wie Mdina, die Kirche Maria Himmelfahrt in Mosta und das Hypogäum von Hal-Saflieni sollen zum Erfolg des Kulturjahres beitragen.

Auch ein kleiner Beitrag zur Nachhaltigkeit ist zu erkennen: Es gibt ein Festival rund ums Grün, ein Solarkino und Ausstellungen, die den Fischfang oder die menschliche Beziehung zum Meer thematisieren. Fünf kleinere Orte auf der Insel wurden von der Europäischen Union für nachhaltigen Tourismus als Eden-Destination ausgezeichnet.

Wer also achtsam bucht, kann selbst auf einer klassischen Urlaubsinsel wie Malta seinen ökologischen Fußabdruck um ein paar Größen verkleinern. Die besten Reisemonate sind dafür Mai und Juni oder September und Oktober, verrät die Wienerin Hermine Sammut. Seit 23 Jahren lebt sie auf Gozo und fängt die Besonderheiten der Inselwelt auf Leinwand oder Keramik ein. „Das Licht und die Natur sind immer anders. Obwohl die Insel so klein ist, ist sie so unglaublich vielseitig“, erzählt die Künstlerin und Pädagogin.

Und zum Meer ist es sowieso niemals weit, egal ob auf der beschaulichen Insel Gozo oder in der farbenfrohen Kulturhauptstadt Valletta.

Hier können Sie den CO2 Ausstoß Ihrer Flugreise kompensieren:

Climate Austria

Atmosfair

Mobil vor Ort:

Gutes Netz an öffentlichen sowie preisgünstigen Bussen und Tour-Bussen, Elektro-Minitaxen, Fahrräder oder kleine Elektroautos (Rolling Geeks) können direkt in Valletta ausgeliehen werden.

Weitere Informationen: www.visitvalletta.de, www.valletta2018.org

Autorinnen: Beate Steiner, Anita Arneitz

Folge lebensart-reisen auf instagram>>>

zuletzt geändert am 01.02.2018

teilen twittern Instagram
Wir verwenden Cookies um Ihnen bestmöglichen Service zu bieten. Indem Sie diese Seite nutzen, erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden.