Zwei Männergesichter mit bunter Bemalung
Foto: Elisabath Kneissl-Neumayer

Äthiopien – Eine Reise zur Wiege der Menschheit

Höhlenkirchen, das Hochland von Abessinien mit seinen berühmten Stelen, der Vulkan Erta Ale, der heute noch Feuer spuckt – das sind Schönheiten, die Äthiopien zu einem besonderen Reiseziel machen.

Äthiopien ist ein Land mit einer langen und wechselhaften Kultur. Zahlreiche Bauwerke zeugen noch heute von vergangenen Dynastien. Die teilweise guten klimatischen Bedingungen und die Höhenlage haben eine Flora und Fauna hervorgebracht, wie sie auf dem afrikanischen Kontinent einzigartig ist.

Eine der schönsten Touren, bei der man den Zauber dieses Landes und seiner geheimnisvollen Natur unverfälscht erleben kann, führt von Addis in den Süden, durch das Rift Valley in die Stammesgebiete im Binnendelta des Omo-Flusses. Sattgrünes Hochland und üppige Terrassenfelder säumen den Weg zum steil abfallenden ostafrikanischen Grabenbruch. Das Rift Valley gilt als eine der Wiegen der Menschheit. In den Wüsten und Tälern zwischen Äthiopien und Tansania fanden Wissenschaftler unzählige Fossilien früher Menschen. Heute leben hier viele Menschen noch in Stammesgemeinschaften. Ihnen zu begegnen gleicht einer Reise in die afrikanische Vergangenheit.

Die Bauern bearbeiten ihre Felder noch mit Ochsen vor dem Pflug, die Menschen leben in Hütten, die teilweise ganz außergewöhnlich gestaltet sind. So bemalen die Silte ihre Rundhütten innen und außen in kräftigen Farben. Die Dorze wiederum leben in bis zu 12 Meter hohen Bambushütten - ihr Lebensraum liegt oberhalb von Arba Minch in den Guge Mountains, den Kopf in den Wolken sozusagen. Sie bauen falsche Bananen (Enset) an, die fein geschnitten und fermentiert die Grundlage für Fladen bilden. Die fertige Flade wird mit Honig oder Chili-Sauce angeboten. Auch wir dürfen davon kosten.

Von Arba Minch führt uns eine Bootsfahrt am Chamo See in den Nech Sar Nationalpark. Hier leben ganze Kolonien von Pelikanen, Goliathreihern, Marabus und Schreiseeadlern. Selbst Krokodile können beobachtet werden. Manche von ihnen sind vier bis fünf Meter lang und flößen ganz schön Respekt ein.

Pelikane und Krokodile im Chamo See im Nech Sar Nationalpark.
Pelikane und Krokodile im Chamo See im Nech Sar Nationalpark. Foto: Mag. Peter Brugger

Die nächste Etappe führt uns nach Turmi. Wir folgen dem Weyto Fluss zum ausgetrockneten Stephanie See. Die blühenden Schirmakazien zeichnen Farbtupfer in die trockene Savanne, Ziegen- und Schafherden begleiten uns. Noch bunter wird es an der Grenze zwischen dem Erbore- und dem Hamar Stamm: hier stehen die Wüstenrosen in voller Blüte.

Die Hamar leben noch immer in ihren Jahrhunderte alten Riten, auch wenn sie teilweise westliche T-Shirts tragen. In einem der Dörfer bereitet man gerade einen Rindersprung, den Initiationsritus der jungen Männer vor. Dabei werden sieben Kühe ausgewählt. Der junge Mann muss auf die erste Kuh springen und dann über den Rücken der anderen laufen. Wenn er das mehrfach schafft, gehört er zur Gruppe der Erwachsenen. Die Hamar haben uns als Zuschauer geduldet, für Touristen war diese Zeremonie definitiv nicht gemacht.

Das, was sie zum Leben brauchen, kaufen sie auf dem großen, ursprünglichen Wochenmarkt von Dimeka. Hier wird auch Butter verkauft, die das Haar glänzend macht, Kaffeebohnenschalen für Tee und verschiedene Sorten Tabak finden ihre Abnehmer. Dazu Hirse jeder Art, aber nur wenig Gemüse. Weniger beschaulich geht es in Kangaten, am Omo Fluss zu. Entlang des Flusses liegen gewaltige Baumwollplantagen, es entstehen Zuckerrohrplantagen und -fabriken. Chinesische Investoren bauen Straßen in den Norden, die durch den ganzen Omo Park führen.

Ein besonderer Höhepunkt im Süden ist der Besuch eines Konso-Dorfes, das zum UNESCO-Welterbe zählt: Von gewaltigen Mauern und fruchtbaren Terrassen umgeben zieht es sich auf die Hügelspitze hinauf. Die Mauern sind aus massivem Basalt aufgebaut und von Basaltsäulen gestützt. Einzelne Gehöfte können besucht werden und vermitteln einen Eindruck vom Lebensrhythmus der Menschen.

2 Männer beim Getreide-Dreschen.
Teff, das älteste Getreide der Welt. Foto: Elisabath Kneissl-Neumayer

Durch eines der besten Kaffeeanbaugebiete bei Yirgacheffe reisen wir weiter nordwärts und erreichen wieder das Rift Valley. Hier wächst auch Teff, das älteste Getreide der Welt. Inmitten des Kaffeegebiets von Yirgalem liegt eine der schönsten Lodges, die Aregash Lodge. Auf dem großen Gelände leben Geier, Meerkatzen und schwarz weiße Kolobus-Affen. Mehr als 2000 Kaffeebäume und ein biologisch geführter Gemüsegarten machen die Lodge in diesen Punkten autark.

Etwas nördlich zweigt die gute asphaltierte Straße in die Bale Berge ab - durch fruchtbarstes Gebiet geht es auf mehr als 3000 m hohe Pässe, wo noch Gerste gedeiht. Ein Höhepunkt im wahrsten Sinne des Wortes ist die Auffahrt zum 3800 m hohen Sanetti Plateau. Durch Blumenwiesen voller Fackellilien - unvorstellbar schön - und riesige Wacholderwälder erreichen wir die Baumgrenze und fahren über steinige Flächen voller Heidekraut und gewaltigen Riesenlobelien in eine afro-alpine Berglandschaft. Die Straße windet sich zum zweithöchsten Berg Äthiopiens – dem Tullu Dimtu mit 4377 m - empor!

Auf dem Rückweg nach Addis Abeba lohnt ein Abstecher in die katholische Kirche von Meki: Die Caritas Feldkirch unterstützt hier die Bevölkerung mit mehreren Projekten. Der Sekretär Solomon Bogale erzählt vom „grünen Hunger“: 2015 fiel die Ernte großteils aus, die Speicher sind seit langem leer. Erst im Oktober 2016 war der Mais wieder bereit zum Ernten, im November das Getreide. Obwohl die Felder so gute Frucht tragen, sind bis dahin alleine hier 270.000 Menschen auf Hilfe angewiesen.

Es ist eine Reise, die unzählige Bilder im Kopf hinterlässt - und in der Kamera, und eine Begeisterung für die Vielfalt, sowohl an Landschaften als auch an unterschiedlichsten Völkern mit ihren Sprachen und Traditionen.

Autorin: Elisabeth Kneissl-Neumayer

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zuletzt geändert am 12.09.2017

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