Flasche und Hammer vor einer Feuerstelle.
Schmiedfeuer, ein im Fass gereifter Edelbrand, mit eigens geschmiedetem Verschluss. Foto: Adelsberger

Im Bann von Most & Eisen

Jürgen Schmücking schwärmt aus und besucht die Eisenstraße.

Zugegeben, die Überschrift klingt ein wenig wie ein Kapitel von Game of Thrones. Aber irgendwie passt das auch. Als ich Augustin Frühwald und Adi Adelsberger zum ersten Mal traf, trugen sie schwarze Hüte mit einer großen weißen Feder drauf. Ihre ganze Erscheinung war schwarz und rot geprägt und hatte was historisch-Erhabenes an sich. Ich erfuhr, dass Sie Mostbarone bzw. Schmiedmostbauern sind. Geadelt durch ihre gemeinsame Leidenschaft für Äpfel und Birnen. Zwei stille Männer mit denen man auch problemlos minutenlang schweigen kann und sich trotzdem gut versteht. Ein paar Gläser Speckbirnenmost später und auf die Frage, was es in ihrer Heimat kulinarisch zu entdecken gibt, geht ein kurzer Ruck durch ihre Körper. Dann beginnen sie zu erzählen. Zuerst nur zögerlich, doch ist die Glut einmal angefacht, nimmt das Ganze Fahrt auf und es sprudelt nur so aus ihnen heraus. Schmiedfeuer & Schmiedperle, die Hochlandrinder vom Jeßnitzhof, die Chutneys vom Phyrabauern, der Heulos mit seinem Brot, Schaureith, der Fuchssteiner und und und... Sie wussten überhaupt nicht, wo sie anfangen sollten.

Hier also mein Versuch, dem Ganzen einen Rahmen zu geben. Ich beginne mit den Betrieben der beiden Barone selbst, erzähle dann, wo man entlang der Bioregion Eisenstraße schlafen kann.
 

Krug mit Most.
Die Hechals – Familie Frühwald in Reinsberg – pressen seit Generationen ausgezeichnete Moste. Foto: Hechal

Blutbirn und Schmiedperle

Starten wir am Berg. Genauer gesagt am Höhenberg bei Reinsberg. In Mostviertler Dialekt wird aus höher hecha und voilà aus den Bauern am Höhenberg werden die Hechal’s. Hier bewirtschaftet die Familie Frühwald den Hof und bereichert die Welt mit sensationellen Produkten rund um die kulinarische Kernkompetenz der Region: Birnen und Äpfel. Das Obst wird zu Most, Saft, Brand, Cider und Likör verarbeitet. In Bezug auf Qualität knüpfen die Frühwalds nahtlos an die Erfolge ihrer Ahnen an. Der erste Most vom Hof wurde bereits 1909 prämiert, die jüngsten Auszeichnungen bekamen Hechal-Produkte bei der Ab-Hof in Wieselburg, bei falstaff und A La Carte. Das Angebot ist vielfältig. Herausragend (und hochspannend, weil einzigartig) ist der Most von der Blutbirne. Er heisst Red-Mo, hat eine intensive, strahlend rote Farbe, Gerbstoff satt und ein eigenwillig-fruchtiges Aroma, das an Rote Grütze und Pfirsich Melba erinnert. Und dann sind da noch traumhafte Moste von der Winawitz- und der Knollbirne. Bei den Äpfeln von den Sorten Topaz und Arlet und für heiße Tage, feierliche Anlässe oder wenn beziehungsmäßig irgendwas zum Geradebügeln ist, die spritzige Schmiedperle, ein stimmungshebender Apfel-Birnen-Frizzante. Zum Biobauernhof>>
 

Familie Adelsberger vor Regalen mit Flaschen.
Seit einem Vierteljahrhundert bio-zertifiziert: Familie Adelsberger in Randegg. Foto: theo kust / www.imagefoto.at

Mostvielfalt am Biohof Vorderau

Nur ein paar Kilometer weiter liegt der Hof von Poldi und Adi Adelsberger vulgo Biohof Vorderau. Seit einem viertel Jahrhundert ist der Hof bio-zertifiziert und kann mit Fug und Recht als Bionierbetrieb bezeichnet werden. Nicht nur im Mostviertel. Überhaupt. Auch, wenn es die Streuobstwiesen und die dazugehörige Obstverarbeitung sind, für die die Adelsbergers berühmt sind, zur Landwirtschaft gehören auch Bienenvölker, Wald und Rinder. Wir sind in der Eisenstraße im Mostviertel unterwegs, also schauen wir uns die Moste des Betriebs etwas genauer an. Und einen Schnaps. Dazu aber später mehr. Wenn wir die Moste an einer Skala von fruchtig/leicht bis kräftig/markant messen, markiert das leicht-elegante Ende der Most von der Schweizer Wasserbirne. Das ist ein kristallklarer, brillant schimmernder hellgelber Birnenmost, eine Spur leichter – sprich weniger Alkohol – als seine Brüder, allerdings auch mit weniger Restzucker und weniger Säure, was ihn – alles in allem – zu einem Durstlöscher ersten Ranges macht. #gutbeihitze sozuagen. Zum Biohof Adelsberger>>

Am anderen Ende steht die Rote Pichlbirne. In der Nase natürlich ebenfalls dominanter Birnenduft, aber eine – deutliche – Spur intensiver und reifer. Fast riecht er wie dieses herrliche Kletzenbrot aus getrockneten und kandierten Früchten, das im Spätherbst und dann im Advent den Körper auf die hedonistischen Ausschweifungen der Feiertage vorbereitet. Ein Glühmost von der Roten Pichlbirn, eine Scheibe (oder zwei) vom frischen Kletzenbrot, eventuell noch ein Glas Schmiedfeuer und ich würde sagen, der Abend ist gelaufen. Kann eigentlich überhaupt nichts schiefgehen.

Das feuer der Schmiedmostbauern

Schmiedfeuer ist übrigens ein Gemeinschaftsprojekt der Schmiedmostbauern, einer verschworenen Gruppe von Bio-Landwirten, die sich als Botschafter der Mostkultur in der Eisenstraße sehen. Das SchmiedFeuer ist ein gebrannte Perle, ein Kondensat der Eisenstraße, konkret ein fassgereiftes Destillat aus Äpfeln und Birnen, präsentiert in einer wunderschönen Flasche und einem eigens dafür geschmiedeten Verschluss, der das Feuer symbolisiert. In der Hierarchie der Bio-Destillate rangiert das SchmiedFeuer ziemlich weit oben. Der Brand ist sauber, klar, überzeugt mit sortentypischen Apfelnoten und präsentiert sich selbst auf einer stabilen Bühne aus Röst-, Malz- und Vanilletönen. Ein Destillat, bei dem sich Calvados und Cognac warm anziehen können.

Urlaub an der Eisenstraße

Oder einfach nur ein oder zwei Nächte, um möglichst viel entdecken zu können? Kein Problem. Hervorragend dafür geeignet ist der Biohof Kurzeck in Göstling an der Ybbs. Es ist eine kleine Bio-Landwirtschaft mit Mutterkühen, ein paar Schweinen und Hühnern. Der Biohof ist einzigartig, weil er der höchstgelegene Hof im Mostviertel ist. 1.025 Meter Seehöhe – das sind schon fast alpine Verhältnisse. Die Höhe hat auch zur Folge, dass der Blick vom Zimmer auf die Ybbstaler Alpen ein fantastischer ist. Zum Frühstück und zur Jause gibt es Bio-Produkte vom Hof, und nachdem auch Pferde im Stall stehen, steht einem Ausritt über Wald und Wiesen nichts im Weg. Zum Biohof Kurzeck>>

Die Eisenstraße ist eine ganz besondere Region. Die Landschaft ist so vielfältig wie die Dinge, die sie hervorbringt. Es wundert mich überhaupt nicht, dass die Mostbarone so ins Schwärmen kommen, wenn sie von ihrer Heimat erzählen. Und es gibt noch so unendlich viel mehr zu entdecken dort.

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zuletzt geändert am 01.11.2017

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