Paddeln auf der Donau in Wien
Paddeln auf der Donau in Wien. Foto: Mathias Bölli

Auf Wiens Wassern

Wenn warme Frühlingstage den letzten Schnee im Gebirge schmelzen, dann ist es Zeit, um auf Wiens Wassern die Paddelsaison zu eröffnen.

Nach langer Winterpause sitzen wir erstmals mit Herzklopfen in unseren Faltbooten im Kuchelauer Hafen. Dann, nach wenigen Minuten Fahrt im stehenden Gewässer ist es so weit: Vor uns der Strom. Mächtig schieben sich die Wassermassen an uns vorbei und ziehen uns in ihren Sog. Endlich! Mitten am Fluss! Auszeit von Wiens großstädtischem Gehabe! Statt auf asphaltierten Straßenengen trägt eine Wasserstraße, so breit wie ein Fußballfeld, unsere Boote an Wiens Skyline vorbei. Statt U-Bahn- und Ampelintervalle nur der Rhythmus des eigenen Paddelschlages. Statt Benzingeruch eine Ahnung von Meer in der Nase. Nicht mehr Getriebener sein, sondern sich treiben lassen. Dann und wann wirft ein vorüberziehendes Containerschiff schäumende Wellen ans Verdeck und gemahnt uns beim Dahintrödeln zur Vorsicht: Wir befinden uns auf einer der größten Wasserstraßen Europas.

Fotos: Lothar

Einkehr in Neubrasilien

Kurz nach der Tangentenbrücke nützen wir eine kleine Bucht, um unsere Kajaks aus der Strömung zu nehmen und an Land zu gehen. Ein viertelstündiger Fußmarsch - die Boote auf kleine Wägelchen gepackt – bringt uns zu Wiens ältestem Freizeitparadies, die Alte Donau. Wie in einer großen Badewanne scheint hier im Gegensatz zum Strom alles wohlig und warm. Das Wasser um Grade angenehmer. Kein Lüftchen stört die langersehnte Wärme. Wir gleiten auf blanken Wasserflächen dahin, wo sich blühende Bäume am vorbeiziehenden Ufer wiederspiegeln.

In „Neubrasilien“ angekommen, knüpfen wir unsere Bootsleinen an den Holzsteg und lassen uns im schwimmenden Gastgarten des Wiener Wirtshauses mit dem exotischen Namen Deftiges aus heimischer Küche servieren. Badeanstalten, Segelschulen und Badehäuschen wie aus längst vergangenen Zeiten bilden die Kulisse auf unserer Weiterfahrt, bis der Wasserarm plötzlich zu Ende ist. Erneut heben wir die Faltboote auf unsere Bootswagen, um zu Wiens jüngstem Gewässer zu schlendern.

Copa Cagrana

Schon aus der Ferne sind Rapp- und Discoklänge aus Ghettoblastern zu hören: Wiens größte multikulturelle Sommerpartie an der Neuen Donau hat ihre Saison bereits eröffnet. – Schnell entfernen uns kräftige Paddelschläge vom lärmenden Ufer der Copa Cagrana. Am Wasser sind wir wieder allein. Den Leopoldsberg vor uns, spüren wir die leichte Strömung von Wiens Entlastungsgerinne, gegen die wir nun anpaddeln.
Kurz vor der Staumauer setzen wir noch einmal in die Donau über. Und während wir im Glanz der untergehenden Sonne wieder unseren Ausgangspunkt erreichen, fällt mir der griechische Philosoph Pindar ein: Das Beste aber ist das Wasser!

Information

Naturfreunde Ortsgruppe Döbling, Wasserwandern mit Boot und Zelt

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zuletzt geändert am 18.07.2016

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