Foto: Ehnsperg&Zhang

Yunnan, das andere, unberührte China

Wer gerne abseits des Massentourismus unterwegs ist, Naturschönheiten und kulturelle Unberührtheit genießen möchte, sollte sich auf den Weg in jene, südwestlichen Provinz Chinas machen.

Yunnan ist das gemächliche, farbenfrohe und freundliche China mit 26 verschiedenen Nationalitäten bzw. Minderheiten. In den Bergdörfern leben meist Bauern. Den Xi, Naxi, Bai, Dai und anderen. Sie sprechen ihre eigenen Sprachen und unterscheiden sich durch, farbenfrohe traditionelle Gewänder. Zu Zeiten der Ming–Kaiser war Yunnan vor allem ein Ort der Verbannung. Für unliebsame Beamte und kritische Schriftsteller. Allen Dynastien galt Yunnan zwar nicht als exterritorial, aber als exkultural. In den Augen von Pekings Machthaber lebten dort lediglich Barbaren, am Rande der Welt. Dorthin Verbannte waren meist für immer vergessen.

Yunnan ist ein Bundesland, etwa in der Größe von Deutschland und Holland zusammen. Klimatisch bietet es alles. Vom kalten Schneeberg mit etwa 5000m Höhe im Norden an der Grenze zu Tibet, bis hin zum subtropischen Dschungelklima mit Burma an der westlichen und Laos an der südlichen Grenze.

Foto: Ehnsperg&Zhang

Die Hauptstadt Kunming, ist eine lebendige, ewig frühlingshafte Metropole mit einer durchschnittlichen Jahrestemperatur von 19 Grad. Mit vier Millionen Einwohnern liegt sie auf einem 2000m hohen Plateau. Im Zentrum sind die originalen Reste einer vormals großen Altstadt zu finden, umgeben von traditionellen Märkten und umzingelt von der Skyline des neuen Kunming mit ihren Shoppingmalls, Banken, Gourmettempel. Am südlichen Ende der Stadt liegt der unendliche, 40km lange Dian-See, Chinas sechstgrößter Binnensee. Weitläufige Parkanlagen, ein Disneyland und eine Gondelbahn über den See, hinauf zu den Westbergen, mit in Stein gehauenen Tempelanlagen laden zum Verweilen ein.

Bei Reisen mit dem öffentlichen Bus sind interessante Kontakte vorprogrammiert. Man sollte sich jedoch vor Reisebeginn in einem englischsprachigen Hotel das notwendigste dazu übersetzen und auf einen Zettel schreiben lassen. Denn - Englischkenntnisse sollte man von Busfahrern oder Mitreisenden hier nicht erwarten.

Von Kunming ausgehend können mehrere Ausflüge gestartet werden.

Eine Zweitagesreise zum Dorf Yuanmou sollte jedenfalls nicht verabsäumt werden. Zum gigantischen „Großen Sandwald“. Ein unendliches Tal versteinerter Monumente aus längst vergangener Zeit. Ein Märchenwald! Die noch wenig vorhandenen Übernachtungsmöglichkeiten bieten naturbelassenes, dörfliches Leben. Zeit spielt hier, ganz im Gegensatz zu den Großstädten im Osten, keine wirkliche Rolle.

Mit einem der zahlreichen Anbieter für Tagesreisen können Busreisen nach Dali am riesigen Erhaisee und den Canshanberg oder in die Altstadt von Lijang gebucht werden. Beide Städte bieten gute Möglichkeiten in den engen Straßen die Vielfalt der verschiedenen Nationalitäten Yunnan`s zu beobachten. Besonderen Reiz bietet das Wohnen in einem der stilvoll renovierten Herrschaftshäuser in der romantischen Altstadt Dali`s, mit abendlichen Spaziergängen entlang duftender, sich an der würzig kantonesischen Küche orientierenden Lokalen.

Von Lijang ausgehend bieten sich weitergehende Ausflüge in Richtung Norden, Tibets Südgrenze an. Bereits in der Gebirgsstadt Shangrila stößt man auf die ersten tibetanisch- buddhistischen Tempelanlagen, welche im morgendlichen Rauch der eindrucksvollen und mystischen, Zeremonien zu versinken scheinen. Die steile Passstraße führt vorbei an steinernen, rundbögigen Brücken und entlang tiefer Abgründe, vorbei an der abenteuerlich, berühmten Tigersprungschlucht, einem wildromantischen, reißenden Canyon.Oder zu den Mönchen eines hochgelegenen, steil am Hang erbauten Klosterdorfes.

Von Kunming aus kann per Zwei,- oder Dreitagesreise auch der Westen, ein Gebiet der Vulkane und Geysire nahe der Burmesischen Grenze erforscht werden. Erloschene Gipfel und Bäder in heißen Quellen, staunen und fotografieren in entlegenen Dörfern unter Bauern und Handwerkern, Töpfern und Ölpressern, auf farbenfrohen Märken, wenigen Orten, etwa in Dali oder Lijang, trifft man auf westliche Touristen. Der kommunistische Polizeistaat, als dessen China in westlichen Medien gerne dargestellt wird, erscheint jedenfalls hier äußerst fiktiv. Man kann viel fragen und bekommt offene Antworten. Was Europäer am meisten beeindruckt, ist der überall herrschende Optimismus. Ein Optimismus, die Zukunft des Landes und das eigene Schicksal betreffend. Es geht bergauf….

Mobilität

Am besten organisiert man Fahrten mit Kleinbussen samt Chauffeur. Sie bieten die Möglichkeit, auf Wunsch bei unzähligen, sich bietenden Fotomotiven anzuhalten oder in den kleinen Dörfer von Minderheiten Halt zu machen. Chinesisch wird da oft kaum gesprochen, (Wer jemals im steirischen Freilichtmuseum Stübing gewesen ist, dem werden die Ähnlichkeiten mit längst vergangener, österreichisch – ländlicher Baukunst gegenwärtig).

Zur Anreise ist ein Direktflug nach Peking oder Hongkong und per Inlandsflug nach Kunming empfehlenswert. Die Möglichkeit nachhaltigen Reisens bieten Bahnfahrten von allen größeren Städten in die Hauptstadt Kunming. Die Züge bieten komfortable und moderne Liegewagen. (Tickets sollte man wegen der sprachlichen Umstände vom Hotelpersonal besorgen lassen).

Leserbericht von Patrik Ehnsperg.

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zuletzt geändert am 31.10.2016

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