Collage aus 4 Bildern: Eine Person in Jacke und Haube an einem Bahnhof, zwei Kraniche im Flug, ein anderer vogel mit weiß-blauem Gefieder, Sonnenuntergang über einem schilfumwachsenem Gewässer.
Fotos: Zdenek Machacek; Polina Kuzovkova; Parc Ornithologique Pont de Gau (2)

Aussteigen, bitte! Endstation Naturparadies

Wo die Gleise enden, beginnt das Abenteuer: Diese Endbahnhöfe Europas liegen an atemberaubenden Landschaften – von Nordseeinseln über Fjorde bis ins Hochgebirge.

Der letzte Halt kann manchmal auch der schönste sein: Einige Endbahnhöfe in Europa markieren nicht nur das Ende der Bahnstrecke, sondern auch den Startpunkt für besondere Entdeckungen. Von der Nordseeküste bis zu den Alpen führt unsere Reise zu Bahnstationen, an denen der Weg vom Gleis direkt ins Abenteuer übergeht.

Endbahnhof Krimml in Österreich: Wasserfälle und Wanderwege

Der Bahnhof Krimml im Bundesland Salzburg ist der Endbahnhof der Pinzgauer Lokalbahn. Gleichzeitig ist die rund 800 Einwohner*innen zählende Gemeinde das Tor zu den Krimmler Wasserfällen. Mit 380 Metern über drei Stufen gehören sie zu den höchsten Wasserfällen Mitteleuropas. Vom Krimmler Bahnhof fährt die Buslinie 670 regelmäßig in etwa 20 Minuten zu den Wasserfällen. Alternativ können Reisende auch am Tourismusbüro Krimml aussteigen und von dort dem etwa vier Kilometer langen Wasserfallweg folgen.

Weiter von den Wasserfällen geht es ins Krimmler Achental, wenn man der eindrucksvollen zweitägigen Wanderung durch das alpine Hochtal im Nationalpark Hohe Tauern folgen will. Die erste Etappe führt rund 18 Kilometer vorbei an den Wasserfällen, entlang der türkis schimmernden Krimmler Ache bis zum traditionsreichen Krimmler Tauernhaus. Dort wird auf 1.631 Metern Höhe zwischen Gletschern und Berggipfeln übernachtet – am nächsten Tag geht es auf gleichem Weg wieder zurück zum Bahnhof Krimml.

Auch für Radfans bietet sich der Ausstieg in Krimml an. Hier startet der Tauernradweg, einer der beliebtesten Fernradwege Österreichs. Rund 310 Kilometer lang, verläuft er entlang der Salzach über Mittersill, Zell am See, Bischofshofen und Salzburg bis nach Passau. Die Strecke kann in sieben bis zehn Etappen zurückgelegt werden. Da der Weg überwiegend flussabwärts verläuft und die Steigungen gering sind, gilt der Radweg als familienfreundlich. Wer zwischendurch eine Pause braucht, steigt mitsamt Fahrrad in die Pinzgauer Lokalbahn. Die rund 53 Kilometer lange Schmalspurbahn verbindet Krimml mit Zell am See.

ANFAHRT: Von Salzburg dauert die Anfahrt mit der Bahn nach Krimml etwa 3 Stunden mit einem Umstieg in Zell am See.

Endbahnhof Zermatt in der Schweiz: Matterhorn und Gornerschlucht

Wer an der Endstation der Matterhorn-Gotthard-Bahn aus dem Zug steigt, befindet sich rund 1.600 Meter über dem Meeresspiegel, direkt im Mattertal unterhalb des Matterhorns. Um das charmante Bergdorf zu erreichen, müssen Reisende spätestens im Nachbarort Täsch das Auto parken, denn das Zentrum von Zermatt ist autofrei. Nach einem Bummel durch das Dorf wartet bereits das nächste Bahnerlebnis: die Gornergratbahn. Sie erreicht die 3.089 Meter hoch gelegene Station Gornergrat in etwa 30 Minuten – mit Blick auf Gletscher und 29 Viertausender, darunter auch das Matterhorn. Der Ausblick zählt zu den berühmtesten Panoramen der Schweiz.

Noch höher hinaus geht es mit dem Matterhorn Glacier Ride. Die Seilbahn bringt Gäste von Zermatt auf das Kleine Matterhorn. Mit 3.883 Metern ist das Matterhorn Glacier Paradise die höchstgelegene Bergstation Europas. Von hier aus erwartet Reisende ein eindrucksvolles Hochgebirgspanorama mit Blick auf 38 Viertausender und 14 Gletscher in der Schweiz, Italien und Frankreich.

Doch auch ohne gleich in die nächste Bahn zu steigen, bietet Zermatt zahlreiche Erlebnisse. Nur etwa eine halbe Stunde zu Fuß vom Zentrum befindet sich die Gornerschlucht. Über Jahrtausende hinweg vom Schmelzwasser des Gorner Gletschers gegraben, führt ein Rundweg über Holzstege und Brücken durch die enge Schlucht und eröffnet Ausblicke auf die steil aufragenden Felswände und das türkisfarbene Gletscherwasser.

ANFAHRT: Von Salzburg geht es über München, Zürich, Bern und Visp in etwa 9 Stunden nach Zermatt.

Endbahnhof Åndalsnes in Norwegen: Fjorde und Täler

Der Bahnhof Åndalsnes ist die letzte Haltestelle der Raumabahn, die sich vom ostnorwegischen Dombås bis in den Westen Norwegens erstreckt und als eine der schönsten Bahnstrecken Europas gilt. Über 114 Kilometer geht es durch das wilde Tal Romsdalen, über die berühmte Kylling Bridge an den Vermafossen-Wasserfällen und zu Ausblicken auf die bis zu 1.000 Meter hohe Felswand Trollveggen – schon die Anreise zu diesem Endbahnhof ist spektakulär. Doch auch der kleine Ort selbst versetzt Besuchende in Staunen. Er liegt direkt am Romsdalsfjord, dem neuntlängsten Fjord Norwegens. Dank der zahlreichen Wanderwege, umliegenden Gipfel und Aussichtspunkte gilt er als die Bergsteiger-Metropole Norwegens. Beliebt ist zum Beispiel die rund achtstündige Wanderung auf den Berggrat Romsdalseggen. Vom Gipfel des Grats schweift der Blick über Åndalsnes, die Trollveggen-Klippe und die Trolltinder-Berge.

Nur 15 Kilometer südlich von Åndalsnes befindet sich außerdem der weltberühmte Aussichtspunkt Trollstigen. Oben angekommen eröffnet sich der Ausblick über die elf Serpentinen der gleichnamigen Passstraße, das Tal, die Gipfel der umliegenden Berge und den tosenden Stigfossen. Der Wasserfall stürzt rund 180 Meter in die Tiefe und wird von der kurvenreichen Straße überquert.

Wer möchte, kann von der Raumabahn in die Romsdalsgondel, die längste Seilbahn Norwegens, umsteigen. Sie bringt Reisende auf den Gipfel des Berges Nesaksla und überwindet eine Strecke von 1.670 Metern und 692 Metern Höhenunterschied. Wem das zu schwindelerregend ist, kann den Berg auch bei einer zweistündigen Wanderung über den gut ausgeschilderten Romsdalstrappa von Åndalsnes aus erklimmen. Eine Pause bietet sich nach etwa 1,5 Stunden am Aussichtspunkt Rampestreken an. Die Stahlplattform ragt 537 Meter über dem Romsdalsfjord und bietet Weitblick über die tief eingeschnittene Meeresbucht. Von dort sind es noch etwa 30 Minuten bis zum Gipfel.

ANFAHRT: Von Oslo aus geht es zunächst mit der Dovrebahn in etwa 5 Stunden nach Dombås. Dort startet die Raumabahn in Richtung Åndalsnes.

Endbahnhof Norddeich Mole in Deutschland: Insel, Watt und Meer

Kaum ein Endbahnhof liegt näher am Meer als Norddeich Mole – der kleine Bahnhof im 1.500-Seelen-Stadtteil Norddeich gilt als das Tor zu den Ostfriesischen Inseln: Direkt an den Anlegestellen der Fähren können Reisende vom Zug direkt umsteigen und über das Wattenmeer schippern. Seit 1889 bringen die Fähren Gäste in 55 Minuten zur Insel Norderney und in etwa 1,5 Stunden nach Juist. Feste Abfahrtszeiten gibt es allerdings nicht immer. Da die Fähren nur bei ausreichend Wasserstand verkehren können, richten sich die Fahrpläne nach den Gezeiten und verschieben sich von Tag zu Tag.

Norderney ist nach Borkum die zweitgrößte Insel Ostfrieslands. Kilometerlange Sandstrände säumen ihre Küste, sanfte Dünen ragen fast bis an die Nordsee heran, üppige Wälder sorgen für Schatten und saftiges Grün. Wenn sich das Meer zurückzieht, liegt das Watt für geführte Wanderungen frei. Im Anschluss können Groß und Klein im Naturkundemuseum „Watt Welten“ interessante Fakten über das Wattenmeer und seine tierischen Bewohner lernen.

Noch ruhiger geht es auf Juist zu. Die Insel ist komplett autofrei und damit ideal für alle, die zwischen Dünen und Wellenrauschen abschalten wollen. 17 Kilometer lang und nur maximal 900 Meter breit, hat Juist die perfekte Größe für Touren mit dem Fahrrad oder lange Spaziergänge. Fun Fact: Genauso lang wie die Insel ist auch der Strand. Deshalb wird Juist auch gerne als die längste Sandbank der Welt bezeichnet.

Abgesehen von den Inseln ist auch Norddeich selbst eine Erkundungstour wert. Es gibt einen 400 Meter langen Strand, eine Seehundstation und ein Waloseum mit einem riesigen Walskelett.

ANFAHRT: Den Bahnhof Norddeich Mole erreicht man von Wien aus über München, Hannover und Bremen in etwa 14 Stunden.

Autorin: Kathrin Brahner

TIPP: Mit der Mobilitäts-App wegfinder findest du alle Angebote für deine An- und Rückreise und kannst diese auch gleich buchen. Neben Zügen und Bussen zeigt dir die App auch das vorhandene Leih-Angebot an Autos, Fahrrädern und E-Scootern sowie regionale Taxiunternehmen für die Fahrt vom Bahnhof / von der Bushaltestelle zum gebuchten Quartier.

Bitte unterstütze unsere nachhaltige Bildungsarbeit mit einem Abo:

Abo bestellen

Folge lebensart-reisen auf instagram>>>

zuletzt geändert am 22.09.2026

Finde uns auf Facebook teilen Instagram