Kühe und Wanderer: Sichere Begegnungen auf der Alm
Letzten Sonntag wurde ein Ehepaar auf einem Wanderweg entlang der Isel in Osttirol von einer Kuhherde attackiert, eine 67-jährige Frau wurde getötet, ihr 65-jähriger Mann schwer verletzt. Der Alpenverein gibt Empfehlungen für den Umgang mit Weidetieren.
Die Wandersaison ist angelaufen und mit den steigenden Temperaturen geht es nun auch für das Weidevieh auf „Sommerfrische“ in die Berge. Viele Wanderwege führen somit wieder über bewirtschaftete Almweiden – mit Potenzial für heikle Situationen. „Zwischenfälle mit Kühen gibt es leider jedes Jahr, meistens zum Glück mit glimpflichem Ausgang. Der tragische Unfall in Osttirol hat leider sehr früh in der Saison vor Augen geführt, dass dennoch eine gewisse Gefahr besteht”, sagt Georg Unterberger, Leiter der Abteilung Hütten & Wege im Österreichischen Alpenverein und fügt hinzu: „Es gibt einige Verhaltensempfehlungen, anhand derer Bergsportler*innen kritische Situationen weitgehend vermeiden können. Angst vor den Tieren müssen Wandernde keine haben, aber Respekt ist durchaus angebracht – besonders, wenn Hunde mit dabei sind.“
10 Empfehlungen für sichere Begegnungen mit Weidetieren
Erarbeitet von BMLUK, Landwirtschaftskammer, Wirtschaftskammer und Österreichischem Alpenverein.
1. Kontakt zum Weidevieh vermeiden, Tiere nicht füttern, sicheren Abstand halten
2. Ruhig verhalten, Weidevieh nicht erschrecken
3. Mutterkühe beschützen ihre Kälber. Begegnung von Mutterkühen und Hunden vermeiden
„Besonders die Kälber verleiten oftmals zum Streicheln. Mutterkühe sehen die Annäherung aber möglicherweise als Bedrohung für ihren Nachwuchs und möchten ihn verteidigen. Deshalb besser von den Jungtieren Abstand nehmen“, betont der Alpenvereinsexperte, denn eine Kuhherde sei generell nicht mit einem Streichelzoo zu verwechseln.
4. Hunde immer unter Kontrolle halten und an der kurzen Leine führen. Ist ein Angriff durch ein Weidetier abzusehen: Sofort ableinen!
Hunde können von den Rindern als Bedrohung wahrgenommen werden. Deshalb zur Sicherheit an die Leine nehmen und nicht auf den Weiden auf Erkundungstour schicken. Frei lassen sollte man den Hund jedoch, wenn bereits Gefahr droht. Hunde können schneller fliehen – wenn sie beim Mensch bleiben, rückt dieser unfreiwillig auch in den Fokus.
5. Wanderwege auf Almen und Weiden nach Möglichkeit nicht verlassen
6. Wenn Weidevieh den Weg versperrt, mit möglichst großem Abstand umgehen
7. Bei Herannahen von Weidevieh: Ruhig bleiben, nicht den Rücken zukehren, den Tieren ausweichen
8. Schon bei ersten Anzeichen von Unruhe der Tiere Weidefläche zügig verlassen
Alarmsignale sind ein Senken des Kopfes sowie Scharren oder Brüllen. In einem solchen Fall Ruhe bewahren und die Weide mit Blick auf die Tiere verlassen.
9. Zäune sind zu beachten! Falls es ein Tor gibt, dieses nutzen, danach wieder gut schließen und Weide zügig queren
10. Begegnen Sie den hier arbeitenden Menschen, der Natur und den Tieren mit Respekt
Herdenarten verhalten sich unterschiedlich
Bei der Einschätzung des Risikos hilft es, auf die Herdenarten zu achten, die sich aufgrund ihrer Zusammensetzung unterschiedlich verhalten. Eine Mutterkuhherde besteht aus Muttertieren und ihren Kälbern. Die Mutterkühe haben einen ausgeprägten Schutzinstinkt und verteidigen impulsiv ihre Kälber. Sind auch Stiere dabei, ist besondere Vorsicht geboten. Die Jungtierherde wiederum ist vor allem übermütig, sehr bewegungsfreudig und neugierig. Die Tiere sind nicht aggressiv, aber durch ihren Übermut kann es rasch zu unkontrollierten Bewegungen kommen. Die klassische Milchkuh-Herde ist intensiven Kontakt zum Menschen gewöhnt, schließlich werden die Tiere täglich gemolken. Trotzdem wollen sie ungestört grasen und ihren Auslauf auf der Alm genießen.
Friedliches Miteinander ermöglichen
Wolfgang Schnabl, ehrenamtlicher Präsident des Österreichischen Alpenvereins, ist überzeugt, dass Almen und Wandergebiete einander bereichern und ein Miteinander durchaus zu bewältigen ist: „Die Alm ist fester Bestandteil unserer alpinen Kulturlandschaft und es liegt in der Natur der Sache, dass die Wanderwege auch durch Weidegebiete führen – viele Wegekilometer sind schließlich aus alten Alm- und Viehtriebwegen entstanden. Wege zu verlegen oder durch Zäune abzutrennen wäre weder realistisch noch zielführend. Wir sind überzeugt, dass ein umsichtiges Verhalten auf den Wanderwegen dazu beitragen kann, Konflikte zu vermeiden, die traditionelle Almwirtschaft zu erhalten und zugleich unbeschwerte Naturerlebnisse in den Bergen zu sichern.”
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VIDEO “Achtung Weidevieh - 10 Verhaltensregeln über den sicheren Umgang mit Weidetieren auf der Alm” des Landes Tirol
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zuletzt geändert am 18.05.2026