Christian Brandstätter

Darf man heute noch fliegen?
Kommentar von Christian Brandstätter

„Unter dem Titel ‚Urlaub mit gutem Gewissen‘ eine Reise in den Sudan vorzustellen ist irreführend“ schreibt mir ein Leser zum Reisenewsletter vom 15. Jänner 2020. Darf man in einem nachhaltigen Reisemagazin, Urlaubsdestinationen vorstellen, die nur mit dem Flugzeug erreichbar sind? Ich finde schon.

Seit Greta aus Schweden das Wort „Flygskam“ (Flugscham) in unsere Reisetagebücher geschrieben hat, laufen viele Gespräche ganz anders. Kaum jemand erzählt noch stolz, wohin es das nächste Mal geht. Und wenn gar eine Fernreise geplant ist, dann entschuldigen sich sogar die besten Freunde. Sie wüssten ja eh, dass Fliegen das Klima kaputt macht, aber es ist halt ein so großer Traum, irgendwann einmal dorthin zu fahren.

Ich finde das schade. Urlaube - und da meine ich auch Fernreisen - gehören zur Essenz des Lebens. Es ist für mich eine Frage des „wie“.

Die 1.000 Kilometer Marke

Liegt das Reiseziel innerhalb dieses Radius ist eine Anreise mit dem Zug oder Bus oft möglich. Und auch am Reiseziel selbst gibt es immer häufiger Busse, Leihräder, Leihautos,…um vor Ort mobil sein zu können. Perfekt geht das zum Beispiel in Meran, wie ich letztes Jahr selbst erleben konnte. Viele europäische Städte (Rom, Berlin, Hamburg, Brüssel, Paris, usw.) sind heute bereits sehr bequem mit Nachtzügen zu erreichen.

Leider gibt es innerhalb dieser 1.000 Kilometer-Grenze viele Reiseziele, wo das nicht so ist. Dann wird man wohl entweder mit dem Auto fahren oder fliegen.

Die Fernreise

Reisen in ferne Länder können den persönlichen Horizont wesentlich erweitern. Ich war in früheren Jahren mehrmals in Ostafrika (Uganda, Ruanda) – zum Teil in Zusammenhang mit einem privaten Hilfsprojekt. Ich möchte diese Eindrücke, das Kennenlernen einer ganz anderen Welt und die vielen Freunde, die ich dort gefunden habe, nicht missen. Diese Reisen waren für mich eine enorme Bereicherung und sie haben den Blick auf  die eigene, gewohnte Welt verändert.

Bei Fernreisen achte ich auf einige Parameter, die erfüllt sein müssen: Habe ich die Möglichkeit, den Menschen des Landes zu begegnen und ihre Kultur zu erleben? Profitiert die lokale Bevölkerung auch wirtschaftlich davon dass ich dort Urlaub mache? Für so eine Reise nehme ich mir auch mindestens zwei Wochen Zeit und das ist auch nicht jedes Jahr möglich.

Das Gegenteil davon ist, eine Woche in einer All-inclusive-Ferienanlage, abgeschottet von der Welt, an einem x-beliebigen Pool in der Sonne zu liegen. Der Horizont reicht da bis zur Mauer der Anlage, es ist völlig egal, ob man in der Dominikanischen Republik oder in Ägypten im Chlorwasser planscht. Es bringt auch den Einheimischen relativ wenig, weil der Großteil der Einnahmen in die Kassa des Veranstalters geht. Völlig absurd finde ich einen Einkaufstrip über’s Wochenende nach New York oder Dubai um in den gleichen Geschäften shoppen zu gehen, wie in der Kärntnerstraße in Wien.

Fairer Preis statt Gewissensberuhigung

Abschließend noch ein Wort zu Kompensationszahlungen. Wenn der CO2-Ausstoß über Umweltprojekte ausgeglichen wird, ist das absolut sinnvoll. Die entsprechende Summe sollte meiner Ansicht nach im Sinne eines fairen Preises verpflichtend in den Ticketpreis aufgenommen werden. Einige nachhaltige Reiseveranstalter rechnen die Ausgleichszahlung gleich automatisch in den Pauschalpreis hinein.

Zur freiwilligen Beruhigung des Gewissens gefallen mir die Kompensationszahlungen nicht. Denn dann zahlen auch hier wieder nur diejenigen die Zeche, die ohnehin schon in vielen anderen Bereichen umweltbewusst leben. Und das ist aus meiner Sicht nicht fair.

Was meinst du dazu? Schreib mir! christian.brandstaetter@lebensart.at

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zuletzt geändert am 20.01.2020

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