Der Fishermen’s Trail
Der Küstenwanderweg in Portugals Südwesten ist insgesamt rund 225 Kilometer lang und führt durch den Naturpark Südwest-Alentejo und Costa Vicentina, eine der unberührtesten Küstenlandschaften Europas. Er folgt alten Fischerwegen, die einst zu abgelegenen Stränden und traditionellen Fangplätzen führten. Wolfgang Dall hat einen Teil der Route getestet.
Wir wandern vier Tagesetappen von Porto Covo nach Odeceixe südlich von Lissabon Richtung Algarve. Das ist die klassische, rund 75 Kilometer lange Hauptroute des Pfades. Offizieller Start des Trails ist etwa zehn Kilometer nördlich in São Torpes. Wer Zeit und Lust hat kann den gesamten Trail bis Lagos an der Südküste Portugals weitermarschieren.
Wir reisen im Frühling, zur vielleicht besten Zeit, wo alles blüht und es noch nicht zu heiß ist – haben wir uns gedacht. Die Vegetation war tatsächlich umwerfend schön. Mit vielen bunten Farben im Aufbruch in einen neuen Sommer. Der allerdings noch auf sich warten ließ – wir hatten Temperaturen zwischen 15-25 Grad, Sonne, Wolken, Wind, Regen, Sturm und starken Regen. Schön durchzogen, nie beständig. Wenn dann auf starken Regen nach einer Stunde wieder die Sonne kommt, ist es auszuhalten. Ob das hier im April so üblich ist, wissen wir nicht.
Unsere Reise beginnt in Lissabon mit dem Fernverkehrsbus über Sines nach Porto Covo (Rede Express Linie 72). Die Tickets hatten wir bereits Wochen vorher gebucht. Überhaupt war für die Wanderung jede Etappe geplant, dadurch jeder Ort für die Nächtigung schon klar und wir haben auch die Quartiere schon mehrere Wochen vorher gebucht. Während der Hauptreisezeit ist das sehr zu empfehlen. Es macht keinen Spaß nach einer Tageswanderung am Abend im Zielort ein Quartier suchen zu müssen, wenn womöglich vieles schon ausgebucht ist.
Unsere Tagesetappen waren zwischen 16 und 22 Kilometer lang und endeten jeweils in den Orten Vila Nova de Milfontes, Almograve, Zambujeira do mar und Odeceixe. Dazwischen gibt es kaum Orte und somit sind die Tageziele ohnehin definiert. Eine Navigation braucht es nicht. Wenn du der grün/blauen Markierung folgst, ist der Weg nicht zu verfehlen.
Start in Porto Covo
Die Wanderung beginnt also mittags in Porto Covo, ein kleiner Ort etwas südlich von Sines, den wir nach zwei Stunden Busfahrt erreichen. Wir nehmen nur einen kurzen Eindruck von dem sauber wirkenden Ort mit, erledigen den Einkauf der Lebensmittel für den Tag und ziehen los. Auf dem Weg gibt es zwischen den Orten, wo wir übernachten, wenig Gelegenheiten für einen Kaffee oder Snacks. Dafür gibt es viel Natur.
Am zweiten Tag starten wir in Milfonte und entscheiden uns, nicht den markierten Weg über die scheinbar langweilige Autobrücke zu nehmen. Stattdessen steigen wir im kleinen Hafen in ein Boot und setzen mit dem Luckiest Ferry Man ever über zum breiten Standstrand gegenüber. Ein guter Morgen beginnt also barfuß am Sandstrand, den wir einige hundert Meter entlangwandern, bis wir einen Weg durch die Felsen nach oben finden, der uns wieder auf die markierte Route bringt.
Der Weg führt entlang der Steilküste meist an der Oberkante der Felsen, oft direkt an der Küste und manchmal auch ein wenig in das Landesinnere durch kleine Pinienwälder oder entlang von Gemüseplantagen. Die Küste ist unterbrochen von sandigen Buchten und unglaublich schönen Sandstränden. Kurze Streckenabschnitte führen tatsächlich über Sandstrände. Im weichen Sand zu gehen ist allerdings ziemlich anstrengend.
Unterwegs gibt es aber auch immer wieder die Möglichkeit, zu einem Strand abzusteigen. Wer früh genug startet, hat ausreichend Zeit für Pausen am Strand, um den warmen Sand unter den Füßen zu genießen. Hin und wieder stapfen wir auch in den Wellen des rauen, frischen Atlantiks.
An der Steilküste von oben sehen wir den Atlantik, der vom Wind an die Küste getrieben wird und an den Untiefen davor endlos lange Wellenbänder entstehen lässt. Stundenlang kann man – und beim Gehen muss man – auf diese Kulisse sehen. Rund um uns blüht alles.
Am späten Nachmittag der letzten Etappe ist Odeceixe unser Ziel. Das gebuchte Quartier befindet sich in Praia de Odeceixe – ein Ortsteil am Strand, fast drei Kilometer vom Hauptort entfernt. Wir stehen am Trail, sehen hinüber zu unserem Quartier und uns trennt ein Fluss ohne Brücke. Drei Kilometer auf der einen Seite des Flusses nach Odeceixe und wieder 3 km retour auf der anderen Seite. Der Fluss scheint aber nicht allzu tief zu sein und wir wagen das Abenteuer: Hüfttief im Wasser, halten wir das Gepäck hoch und kommen so durch den Fluss. Später erkennen wir, wie sehr der Wasserstand von den Gezeiten abhängt und dass wir gerade noch einen Zeitpunkt erwischt haben, wo eine Querung möglich war.
Ein paar Tipps noch zum Schluss
- Schau, dass der Rucksack nicht zu schwer ist: Fünf bis sieben Kilo sollten reichen
- Am Start der Tagesetappen Lebensmittel für den Tag einkaufen
- Die Unterkünfte schon Wochen vor dem Reiseantritt buchen
- Tagesetappen nicht mehr als 25 Kilometer, dann kannst du die Wanderung genießen und Pausen machen
- Im weichen Sand gehen ist anstrengend
Wolfgang Dall
Anreise
Eine Anreise mit dem Zug ist grundsätzlich möglich, dauert allerdings zwei Tage. Von Wien mit dem Nightjet bis Zürich, dann tagsüber über Genf und Lyon bis Barcelona und mit dem nächtlichen Zug nach Madrid. Dort kommst du gegen Mitternacht an und brauchst ein Hotel. Am nächsten Tag geht es um 8:51 weiter über Badajoz und Entroncamento bis Lissabon. Wenn du alle Anschlüsse schaffst bist du um 18:00 Uhr in Lissabon und brauchst ein weiteres Hotel, bevor du mit dem Bus zum Trail fährst. Ein Flug von Wien nach Lissabon dauert 3 Stunden 40 Minuten.
Die Rückreise von Lagos führt entweder per Bus nach Sevilla und dann per Bahn weiter nach Barcelona, Lyon, Genf, Zürich bis Wien, oder mit der Bahn nach Lissabon und dann per Bahn oder Flug zurück. Von Odeceixe geht ein Bus zurück nach Lissabon.
Hier kannst du den CO2 Ausstoß deines Flugreise kompensieren:
Folge lebensart-reisen auf instagram>>>
zuletzt geändert am 23.03.2026