Heubademeister Martin Steger deckt eine Frau mit Heu zu.
Foto: Blaslahof

Detox auf der Alm

Heubad statt Sauna: Mit der geballten Kraft der Bergkräuter bringt der Südtiroler Heubademeister Martin Steger nach einer jahrhundertealten Tradition die Körper seiner Gäste zum Schwitzen und Entgiften.

Bischt miad, brummt da Schädl oder tuat da eppa des Knie weh, dann hupf eini ins Heu und gib a Ruah. Während woanders heißes Wasser als Jungbrunnen gilt, wird in Südtirol auf über 1700 Meter Seehöhe auf die geballte Kraft der Bergkräuter gesetzt. Und das nicht erst seit Detox auf der Alm bei den Großstädtern im Trend liegt. Schon vor über 120 Jahren schworen Knechte und einfache Landleute auf die Heilwirkung der Gräser. Nach der anstrengenden Mahd auf den steilen Hängen gruben sie einfach ein Loch in den Heuhaufen, legten sich hinein, bedeckten den Körper vollständig mit Heu und warteten bis sie zu Schwitzen begannen.

Auch den Ärzten entging dieses Treiben nicht. Als einer der Ersten schrieb Arzt B. M. Lersch 1871 über die Heubäder in Südtirol. Die Bergbauern sollten damit ihre rheumatischen Beschwerden lindern und er lobte die Qualität des Heus. 1922 wurden die Heubäder dann im Badehaus angeboten. Allerdings wurde dort das Heu nur alle acht bis zehn Tage gewechselt. Heute unvorstellbar.

Altes Wissen

Seit damals hat sich vieles geändert, aber der Grundcharakter des Heubadens ist gleich geblieben, bestätigt Martin Steger vom Blaslahof in Gries. Um seinen Gästen noch mehr Entspannung bieten zu können, hat er die Ausbildung zum Heubademeister absolviert. „Früher hat man im frischen Heu gebadet. Das ist nach zwei Tagen fermentiert und von alleine heiß geworden“, erzählt der Südtiroler. Mit der modernen Technik ist es jetzt möglich, das ganze Jahr über im Heu zu baden. Zwei Stunden vor dem Badetermin beginnt er im kleinen Spabereich mit den Vorbereitungen. Er holt das Heu vom Nachbarbauern, weil es zum Baden eine ausgezeichnete Qualität haben muss. Sein Nachbar mäht die Kräuter auf 2000 Meter Seehöhe, fernab von öffentlichen Straßen und verzichtet komplett auf das Düngen.

„Das Heu soll von einem sonnigen Hang sein, der Boden darf nicht sumpfig, sondern muss eher trocken sein“, erklärt Steger. Nur wenn es wenig hohe Gräser und dafür viele Kräuter gibt, ist die Wiese perfekt für ein Heubad. Dabei gilt: Je höher die Alm, desto artenreicher ist die Wiese. Einmal hat Steger einen Kilogramm Heu analysieren lassen. Erika, Edelweiß, Mädesüß, Salbei, Arnika, Kampfer, Frauenmantel, Thymian, Enzian, Fingerkraut oder Schafgarbe – über 140 verschiedene Kräuter konnten darin nachgewiesen werden. Allein in einer Handvoll mit Heublumen finden sich über 1000 Wirkstoffe. Und genau diese Vielfalt macht die Heilkraft eines Heubades aus.

Frau sitzt im Bademantel auf einer Holzterrasse und trinkt eine Tasse Tee.
Eine Tasse Tee stärkt nach dem Bad im frischen Heu. Foto: Blaslahof

Belebende Wirkung

Ein Heubad bringt Kreislauf und Stoffwechsel in Schwung, fördert die Durchblutung, hilft bei Stress, Verspannungen, rheumatischen Beschwerden, Hautunreinheiten, Müdigkeit und Erschöpfung. Die Wirkstoffe werden zum einen direkt über die Haut aufgenommen, zum anderen aber auch durch die Dämpfe eingeatmet. Damit das funktioniert, weicht der Heubademeister das Heu für das Bad bereits Stunden vorher ein. Dadurch wird der fermentative Prozess in Gang gesetzt und Wärme gebildet. Der Gast legt sich in die Wanne mit dem Heu und wird fest mit Wolldecken zugedeckt. Am Anfang ist es angenehm warm, aber durch die Dämpfe wird es immer heißer. Der Körper kommt ordentlich ins Schwitzen. „Es wird eine Art künstliches Fieber erzeugt, die Körpertemperatur steigt um bis zu zwei Grad“, erklärt Steger. Deshalb ist das Bad nach 20 bis 30 Minuten zu Ende.

Der Heubademeister hat dabei immer ein wachendes Auge auf seine Gäste und verfrachtet jeden nach dem Bad in den Ruheraum, wo teetrinkend eine halbe Stunde nachgerastet wird. Denn obwohl man beim Heubaden eigentlich nichts tut, ist es schon ein wenig ermüdend. „Beim Heubaden wird man eine halbe Stunde zum Abschalten gezwungen. Man muss nichts tun, außer Dazuliegen. Das entschleunigt und entspannt“, weiß der Heubademeister.

Der angenehme Duft der ätherischen Öle steigt in die Nase. Die Heublumen kitzeln auf der Haut und man hat das Gefühl mitten auf einer Wiese zu liegen. Wer sich nach dem Bad noch ein wenig schont, spürt bald die frische Energie. „Ein Heubad baut einem wieder richtig auf, auch nach körperlicher Anstrengung oder einer gewissen Erschöpfung“, sagt Steger. Er selbst ist ein absoluter Naturmensch und legt großen Wert darauf, regionale biologische Produkte zu verwenden. Nicht nur beim Heubaden. Auch bei seinen Ferienwohnungen und dem Spa-Bereich.

Dachgeschoß innen mit 2 Betten und einem Heubett, in dem ein Kind herumtobt.
Natur pur im Blaslahof im Südtiroler Gsiesertal. Foto: Blaslahof

Volksmedizin im Spa

Für eine schönere Haut reichen ein bis zwei Heubäder aus. Wer rheumatische Beschwerden lindern oder nachhaltig etwas für seine Gesundheit machen will, sollte fünf- bis sieben Mal zum Heubaden kommen. Das wussten die Bergbauern schon vor hundert Jahren. Damals wurde immer eine ungerade Zahl an Heubädern verschrieben – sieben, neun oder elf. Die Heubäder sollten einmal täglich gemacht werden, wobei nach drei Tagen ein Tag Pause eingelegt werden sollte. Heute sind die warmen Heubäder speziell in der kalten Jahreszeit beliebt. „Aber gerade im Sommer wirkt es noch besser, wenn das Heu frisch von der Alm kommt“, empfiehlt der Heubademeister. Nur Menschen mit einer Heuallergie, hohem Blutdruck oder starken Krampfadern sollten auf das Bad in den Kräutern verzichten. Ansonsten ist es für jeden geeignet, der seinen Körper auf natürliche Weise zum Schwitzen und Entgiften bringen will. Übrigens, es muss nicht immer ein Vollbad sein. Um Entzündungen und Schmerzen zu lindern, legten die Kräuterkundigen warme Heublumensäcke. Die Wirkung sollte ähnlich jener von Morphium sein.

Nicht nur Hausgäste vom Blaslahof kommen in den Genuss eines Heubades, sondern jeder der sich rechtzeitig vorher anmeldet. Zur Anmeldung>>>


Autorin: Anita Arneitz

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zuletzt geändert am 12.02.2019

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