Gästerunde bei einer Weinverkostung.
Foto: Al Vecchio Convento

Emilia-Romagna und der Trend zur Entschleunigung

„Slow Tourism“ nennt sich der Trend zu einer stressfreien Freizeitgestaltung. Wer will schon die Hektik des Alltags in den Urlaub mitnehmen?

Egal ob beim Trekking auf dem Rücken eines Esels im Appenin, bei ausgedehnten Wanderungen und Fahrradtouren durch die Naturparks oder beim Trüffelsuchen – die Natur der Emilia Romagna selbst ist schon das perfekte Angebot für Entspannung und Erholung.

Doch nicht nur in der Natur, sondern auch in den historischen Städten ist der Trend hin zum „Slow Tourism“ zu spüren: Wie etwa in Brisighella in der Provinz Ravenna. Während in der Hochsaison an den Stränden das bunte Leben tobt, begegnet man in Brisighella nur selten Touristen. Der kleine Ort fasziniert mit seinem weltweit einzigartigen Bogengang, der die bunten Palazzi im ersten Stock miteinander verbindet. Das steile Gassengewirr führt hinauf zu drei imposanten Kreidefelsen, die Brisighella einrahmen. Auf ihnen thronen die Wallfahrtskirche Monticino (18.Jh.), die 600 Jahre alte Festung Manfrediana e Veneziana und der Uhrenturm „Torre dell’Orologio“ – obwohl: die Uhr ist hier Nebensache. Viel mehr lohnt es sich in einem gemütlichen Ristorante das berühmte pfeffrige Olivenöl „Brisighello“ zu genießen. Brisighella ist eine von acht „Città Slow“ in der Region.

Blick auf die Stadt Brisighella
Brisighella ist eine von acht „Città Slow“ in der Emilia-Romagna. Foto: Comune di Brisighella

Weltbekannte Spezialitäten entspannt genießen

Auch in kulinarischer Hinsicht spielen Ruhe und Entspannung eine große Rolle: Beim Konzept des „Slow Food“ nimmt man sich bewusst Zeit, um die Speisen liebevoll zuzubereiten und ihre Qualität zu genießen. Und weil man hier das gute Essen ganz besonders schätzt, gibt es in der Emilia-Romagna gleich 25 „Museums of Taste“. Hier kann man sich über die Herstellung und Tradition verschiedener Lebensmittel und Weine informieren und vom Geschmack überzeugen - von Obst und Gemüse, Brot und Wein bis hin zu Wurst und Käse. Wer sich für Wein interessiert, sollte unbedingt das Museum der Familie Medici in Gaida di Reggio Emilia besuchen. Die Familie bietet auch kleine Führungen an.

2 Männer in Robe, der eine hat Balsamico aus dem Fass gezogen und schenkt diesen in eine Karaffe, die der andere hält.
25 „Museums of Taste“ gibt es in der Emilia-Romagna. In Modena geht es um den Balsamico. Foto: MBTS - Museo del Balsamico Tradizionale di Spilamberto Modena

Im Herbst finden in der gesamten Region kulinarische Feste zu Ehren einheimischer Spezialitäten statt. Von September bis November werden in Parma der Schinken, in Comacchio der Aal, in Reggio Emilia und Ferrara der Kürbis, in Brisighella der Trüffel und das Olivenöl gefeiert.

Frühstück ohne Zeitlimit

Ein neuer Trend sind auch die so genannten „Alberghi diffusi“. Hotels, die sich über ganze historische Dörfer erstrecken. Das „Al Vecchio Convento“ ist das erste Hotel in der Emilia-Romagna, das sich dem innovativen Unterbringungs-Konzept „Alberghi Diffusi“ anschließt. In dem mittelalterlichen Dorf Portico di Romagna bei Forlì wohnen die Besucher im historischen Palazzo-Hotel oder in charakteristischen und komfortablen Apartments - über den ganzen Ort verteilt und in die traditionelle Architektur integriert. So können sie schon mit der ersten Übernachtung in das ursprüngliche Dorfleben eintauchen.

Blick auf den Ort Portico di Romagna.
Portico di Romagna bei Forlì. Foto: Al Vecchio Convento
Zimmer mit rustikalen Betten.
Die Hotelzimmer sind im Ort verteilt. Foto: Al Vecchio Convento

Alles ganz bedächtig und bloß keine Hektik ist hier die Philosophie. So gibt es beispielsweise für den Frühstücksservice keine zeitliche Einschränkung. Angeboten werden zusätzlich Aktivitäten wie Koch- Wein- und Malkurse, Italienischunterricht oder auch Knitting (von Dorfbewohnerinnen angebotene Strickkurse).

Anreise

Die Emilia-Romagna liegt am südlichen Rand Norditaliens. Sie grenzt im Norden an den Po, im Osten an die Adria und im Süden an den Apennin mit der Toskana sowie an die Republik San Marino. Die bekanntesten Orte sind Piacenza, Parma, Reggio Emilia, Modena, Bologna, Ferrara, Ravenna, Forlì-Cesena und Rimini.

Zum Konzept des „Slow Tourism“ gehört natürlich auch die Anreise mit der Bahn, und das geht am Besten mit den direkten Eurocity-Zügen der DB oder ÖBB die von Innsbruck ohne Umsteigen über Bologna und Cesena nach Rimini führen. Ein besonderes Zuckerl: Wenn eine Familie zwei Wochen lang Urlaub macht, übernehmen einige Hoteliers der Emilia-Romagna die Reisekosten, bei einer Woche Aufenthalt wird die Hinfahrt erstattet.

Mit solchen Aktionen will die Region einen nachhaltigen Tourismus fördern und klare Anreize schaffen, den eigenen CO2-Footprint möglichst gering zu halten. Die gute Verbindung soll Urlauber außerdem dazu anregen, einmal ganz stressfrei mit dem Zug nach Italien zu fahren und dabei die wunderschönen Landschaften zu genießen, die draußen am Fenster vorbeiziehen.

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zuletzt geändert am 16.04.2019

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