Sonnentau
Sonnentau. Foto: Naturfreunde

Sagenhaftes Moor

Hochmoore gehören zu den eigenartigsten Lebensräumen. Torf war aber auch begehrter Brennstoff und landet heute noch in unseren Gärten. Daher sind Moore auch die am stärksten bedrohten Lebensräume in unseren Breiten.

Seit Menschengedenken ist das Moor ein verwunschener Platz

Der Grund für den guten Zustand der Leiche liegt in der Natur der Moore. Im nassen Boden bleibt organische Substanz unter Luftabschluss weitgehend erhalten. Torf ist der unvollständig abgebaute Rest jener Moose, die im Hochmoor wachsen. Eine dünne lebende Schicht an Torfmoosen hebt sich auf den Resten der toten Pflanzen langsam in die Höhe. Die charakteristische gewölbte Form eines Hochmoores ist auch der Grund, warum Moore den Kontakt zum Grundwasser verlieren und nur durch den Niederschlag überleben, der auf sie trifft. Nährstoffe sind somit im Moor sehr rar. Dazu kommen unwirtliche Verhältnisse durch den hohen Säuregehalt des Wassers. Huminsäuren senken den pH-Wert in Bereiche, die auch bei Apfelessig zu messen sind. Die Vegetation beschränkt sich neben den erwähnten Torfmoosen auf eine Handvoll Arten. Fleisch fressende Pflanzen wie der Sonnentau oder anspruchslose Binsen sind Spezialisten, die an diese extremen Bedingungen angepasst sind. Und auch unter den tierischen Bewohnern finden nur die wenigsten sauer lustig. Fische fehlen in den dunklen Moortümpeln völlig. Wohl fühlen sich hingegen manche Libellenlarven und Käfer.

Egelseer Moorsee
Egelseer Moorsee. Foto: BMLFUW

die extremen Bedingungen Sind Nur etwas für Spezialisten

Hochmoore sind vielfach bedroht. Viele Lebensräume verschwanden durch Trockenlegungen im Zuge landwirtschaftlicher Nutzung oder fielen neuen Straßen zum Opfer. Aber auch andere Eingriffe machen den Mooren den Garaus. Mag. Klaus Kugi vom Naturschutzbund Österreich zum Moorsterben in Österreich: „Früher wurde Torf als billiger Brennstoff verheizt. Beim Bau der Südbahn wurden Mitte des 19. Jahrhunderts in Kärnten zahlreiche Moore geplündert, um billige Energie für die Herstellung von Schwellen und Schienen zu gewinnen. Torf ist aber auch ein begehrter Bodenverbesserer im Garten und in der Landwirtschaft, der viele Moore für immer verschwinden ließ.“

Heute ist der Torfabbau in den meisten Bundesländern zwar verboten. Dennoch wird in Österreich mancherorts immer noch legal mit uralten Bewilligungen Torf abgebaut. Den Torfhunger der Kleingärtner stillen inzwischen vorwiegend Importe aus Russland und dem Baltikum, wo ganze Landstriche dem Raubbau zum Opfer fallen. Die letzten Hochmoore in Österreich bedürfen eines besonderen Schutzes. Klaus Kugi: „Vor rund 40 Jahren wurde in Kärnten die Aktion Wiedehopf ins Leben gerufen, bei der Hochmoore und andere schützenswerte Flächen angekauft wurden, um sie aus der landwirtschaftlichen Nutzung zu nehmen. Durch das Aufstauen können die letzten Reste von Hochmooren revitalisiert werden. Es stellen sich nach einigen Jahren die ursprünglichen Pflanzengesellschaften wieder ein. Ist ein Moor zur Gänze verschwunden, ist ein Tausende Jahre alter Lebensraum unwiederbringlich verloren.“

Hochmoore gehören zu den faszinierendsten und merkwürdigsten Lebensräumen in Europa

Auch ohne haarsträubende Geschichten entwickeln Moore eine eigene Faszination. Moor-Lehrpfade und geführte Wanderungen erschließen diese Welt ohne durch unkontrollierte Besucherströme weiter Schaden anzurichten. Maria Wimmer, Naturführerin im Ibmer Moos im Innviertel, über den Reiz des Moores: „Im Moor gibt es Gräben und schwarze Löcher, dazwischen wieder Pfade mit festem Grund. Pflanzen wie der Sonnentau oder der Wasserschlauch fangen Insekten und kleine Krebse und verdauen sie. Die Landschaft ist bestimmt vom Wasser. Völlige Ruhe und Kraft sind hier im Moor zu spüren. Da hörst du nur den Brachvogel und sonst gar nichts. Das Schönste ist der Nebel an einem Morgen im Moor.“

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zuletzt geändert am 15.07.2016

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