Nächtlicher Blick auf die Stadt Steyr.
Christkindlstadt Steyr. Foto: Oberösterreich Tourismus GmbH / Andreas Röbl

Steyr - zu Besuch beim Christkindl

Christkindl ist ein kleiner, malerischer Stadtteil von Steyr. In den letzten Jahren entwickelte sich rund um Steyr eine ganze Christkindlregion, in der alte, regionale Weihnachtsbräuche wieder gepflegt werden. Ein Ausflugstipp für Weihnachtsromantiker.

Begonnen har alles vor mehr als 300 Jahren. Der schwerkranke Kapellmeister Ferdinand Sertl stellte ein kleines Jesukind aus Wachs in die Höhlung einer Fichte. Dass er danach von seiner Epilepsie geheilt wurde sprach sich schnell herum und es kamen so viele Wallfahrer, dass der Bau einer Kirche notwendig wurde. Im Mittelpunkt der barocken Wallfahrtskirche in Christkindl steht das zehn Zentimeter große Wachs-Jesukind in einem kleinen Schrein.

Weihnachtskrippen

Vom Wachs-Jesuskind zur Weihnachtskrippe ist es – zumindest in Steyr und Umgebung – nicht mehr weit. Die Krippentradition geht jedoch auf ein Ereignis zurück, das noch viel früher datiert. 1223 hielt Franz von Assisi zu Weihnachten im Dorf Greccio, 90 Kilometer nördlich von Rom, die erste Krippenfeier ab. In einer Höhle stellte er das Weihnachtsgeschehen mit Menschen und lebenden Tieren nach. Es handelte sich dabei eher um ein Krippenspiel als um eine figürliche Darstellung.

Die erste Krippe mit Figuren, die die Geburtsszene Jesu darstellte, stand vermutlich um 1560 in einem Kloster in Portugal. Damals wollten die Jesuiten den Menschen wichtige Glaubensinhalte veranschaulichen. So entstand dann ab dem 18. Jahrhundert der Brauch der Hauskrippe als Zentrum der christlichen Weihnachtsfeier. Der Christbaum kam erst später dazu.

Geschichten von einfachen Menschen

Im Zentrum der Darstellung steht der Geburtsstall mit der Heiligen Familie: Maria, die Mutter Jesu, sein Ziehvater Josef und das Jesuskind, das in einer Krippe liegt. Dazu eine Gruppe von Hirten mit ihren Tieren und die Heiligen Drei Könige, die sich am 6. Jänner zur Krippe hinzugesellen. Die versammelten Menschen und Tiere sind allesamt in der Bibel erwähnt. Mit der Zeit hat man aber noch viele andere Figuren hinzugefügt. Meist waren es arme, einfache Menschen: Handwerker, Bäcker, Musiker, Wasserkrüge tragende Frauen, spielende Kinder und vieles mehr. Einfach alles, was für die Lebendigkeit des Alltags stand.

Krippendarstellung.
Mechanische Krippe von Karl Klauda im Pfarrhof Christkindl. Foto: TVBSteyr / Kerstin

In vielen Familien ist das Aufstellen der Krippe ein liebgewordenes Ritual. Die eigene Krippe hat häufig eine besondere Geschichte und damit einen hohen ideellen Wert, etwa weil sie eigenhändig gebaut wurde, weil sie das Geschenk eines lieben Menschen war oder weil sie von Generation zu Generation weitergegeben wurde.

Krippenausstellungen

Zurück nach Steyr. Bereits im Mittelalter wurde hier Eisen verarbeitet. In den Wintermonaten verdienten sich die Nagelschmiede ein Zubrot mit dem Bau von Krippen. Kleine gebrannte Lehmfiguren („Loahmmandln“) wurden liebevoll bemalt, auf einem Krippenberg positioniert, in Holzkästen gesetzt und mit einer Glasscheibe verschlossen. So entstanden die für die Region typischen Kastenkrippen. In den letzten Jahrzehnten gründeten sich Vereine, die sich der alten Produktionstechniken erinnerten und Krippenbaukurse anbieten.

Die alten und neuen Krippen sollten natürlich für die Öffentlichkeit zugänglich sein. So etablierten sich mehrere Krippenausstellungen. Wie etwa im Steyrer Rathaus, wo die Ausstellung „Nagelschmiedkrippen & Krippen aller Art“ zu sehen ist. Oder die private Krippensammlung der Familie Pfaffenbichler mit ca. 700 Weihnachts- und Osterkrippen aus rund 70 Ländern. Eine exquisite Sammlung, die über 25 Jahren von dem bereits verstorbenen Krippenbaumeister Paul Pfaffenbichler zusammengetragen wurde.

Zwei ganz besondere Krippenraritäten sind im Pfarrhof Christkindl zu sehen. Bei der mechanischen Krippe von Karl Klauda bewegen sich beinahe 300 aus Lindenholz geschnitzte Figuren durch eine detailreiche biblische Landschaft. Mit 58 Quadratmetern und über 778 geschnitzten und bekleideten Figuren zählt die Pöttmesser Krippe zu den größten Krippen der Welt.

Nachbildung der Stadt Steyr in Form eines Theaters.
Das Steyrer Kripperl ist eines der letzten noch bespielten Stabpuppentheater und zählt zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO. Foto: Wolfgang Hack

Das „Steyrer Kripperl“ ist keine Krippe im klassischen Sinn, sondern eines der letzten noch bespielten Stabpuppentheater. In Zeiten ohne TV und Internet fungierte das Kripperl als regionale Nachrichtenbörse, verbreitete Tratsch und Klatsch und nahm die biedermeierliche Gesellschaft mit Wortwitz und Gesang aufs Korn. Die Spielart des Theaters wurde 2018 mit dem UNESCO Gütesiegel „Immaterielles Kulturerbe“ ausgezeichnet. Das "Steyrer Kripperl" ist im neu renovierten Innerberger Stadel zu sehen. Im Palmenhaus im Schlosspark sind die Lamberg’schen Krippenfiguren – über 200 Barockfiguren aus der Sammlung des Grafen Lamberg – und die „Steyrer Krippe“, eine Großkrippe mit einer Nachbildung der Christkindlstadt Steyr mit traditionellen „Loahm Mandln“, zu besichtigen.

Mit der Museumsbahn ins Adventkalenderdorf

Die Steyrtal Museumsbahn, Österreichs älteste Schmalspurbahn, dampft nach Steinbach an der Steyr, wo der Dorfplatz als Adventkalender erstrahlt. Täglich wird mit einer kleinen Zeremonie ein Fenster geöffnet. In Steinbach befindet sich auch das Krippenhaus. Über 600 Krippen aus mehr als 100 Ländern umfasst die Ausstellung der Sammlung von Willi Pils. Mehr als 35 Jahre lang hat der inzwischen verstorbene Krippensammler prunkvolle und schlichte Krippen aus aller Welt zusammengetragen, darunter eine ganz besondere aus Japan, die weltweit außer in Steinbach nur in der vatikanischen Botschaft in Tokio zu sehen ist.

Krippendarstellung mit japanisch gekleideten Figuren.
Japanische Krippe aus dem Krippenhaus in Steinbach bei Steyr. Foto: Regina Teichmann

Eine weitere große Krippensammlung ist in Großraming zu bewundern. Das Krippenmuseum von Rosina Gruber zeigt Krippen, die aus unterschiedlichen Materialien und in unterschiedlichen Stilen gefertigt wurden. 400 Exponate sind in einer einmaligen Schau des privaten Krippenmuseums ausgestellt.

Das Postamt Christkindl

Neben dem reichen Schatz an Krippen darf in der Vorweihnachtszeit eines nicht fehlen: Das Postamt Christkindl mit der Postleitzahl 4411. Seit 1950 öffnet es alljährlich seine Pforten. Von hier werden jedes Jahr rund 1,5 Millionen Briefsendungen mit Weihnachtsmarke und Sonderstempel versehen und in alle Welt versendet. Die zahlreichen Kinderwünsche ans Christkind werden natürlich gerne beantwortet.

Eingang zum Postamt Christkindl, das im Hotel CHristkindlwirt untergebracht ist. Davor zwei Christbäume.
Das Postamt Christkindl. Foto: Der Botagraph

Wenn auch Sie ihre Weihnachtspost über Christkindl versenden möchten, kleben Sie auf jede Sendung die eine Briefmarke und die Zusatzmarke "Über Christkindl", die um einen Euro in jedem Postamt in Österreich erhältlich ist. Dann wird Ihr Berief zuerst nach Christkindl geschickt, mit dem Weihnachtsstempel abgestempelt und dann an den Adressaten weitergeleitet.

Für alle, die jetzt das Christkindl in Steyr besuchen möchten gibt es das Steyrer Adventspauschalangebot ab € 129,- pro Person mit 2 Übernachtungen und vielen Attraktionen. Tägliche Anreise möglich.

Anreise:

Mit dem Zug über Linz bzw. St. Valentin und über Selzthal/Ennstal.

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zuletzt geändert am 24.11.2022

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