Chumbe Island. Flache Insel mit Hütten und Leuchtturm.
Chumbe Island. Foto: Manolo Yllera

Tanzania - das Chumbe Korallenriff vor Sansibar

Vor der kleinen Insel Chumbe bei Sansibar liegt ein Korallenriff, das als marines Schutzgebiet ausgewiesen ist. Auch die Insel selbst mit ihren Wäldern ist ein Naturparadies.

Weltweit sind heute vollständig erhaltene Flachriffe wegen der rapide zunehmenden Umweltzerstörung und Überfischung leider sehr selten geworden. Das Chumbe-Korallenriff ist einzigartig in Ost-Afrika. Seit 1992 wird im Unterwasserpark nicht mehr gefischt, die Meeresbewohner haben gegenüber Schnorchlern deshalb alle Scheu verloren. Fische werden auch nicht gefüttert. Deshalb ist die Artenvielfalt der Fische außergewöhnlich und ihr Verhalten sehr natürlich.

Krabbe am Strand.
Krabben tummeln sich bei Ebbe am Strand. Foto: Oskar Henriksson
Bei Ebbe führen Lehrpfade am Strand entlang um die Insel. In Wasserlöchern und Felsspalten warten dort Jungfische und Myriaden von Krebsen, Schalentieren, Seesternen, Austern und anderen Wirbellosen auf die Wiederkehr der Flut. Ein Lehrpfad auf der Insel führt auch in eine grosse, von Mangroven überwachsene und von riesigen Affenbrotbäumen überschattete offene Höhle, deren Wasserstand mit den Gezeiten steigt und fällt, ein ideales Biotop für Tiere und Pflanzen, die sich diesen besonderen Bedingungen angepasst haben.

Naturlehrpfade durchqueren auch den südlichen Urwald und führen über fossilen Korallenfels, aus dem die ganze Insel besteht. Auf Chumbe gedeihen Urwaldbäume auf fossilen Steinkorallen, die Vegetation erscheint üppig und grün wie im tropischen Regenwald. Doch bei genauerem Hinsehen stellt sich heraus, dass sich dort eine hochspezialisierte Pflanzengemeinschaft entwickelt hat, die nur wenig Wasser und Humus zum Überleben braucht. Das dichte Laubdach schützt vor der sengenden Sonne und Luftwurzeln nehmen die Feuchtigkeit aus der Luft auf. Mit vielfältigen Mechanismen schützen sich Pflanzen gegen Feuchtigkeitsverlust. Blätter sind fleischig oder wächsern oder klappen in der größten Tageshitze zusammen. Stachlige wasserspeichernde Euphorbien gedeihen, wo nichts anderes mehr wachsen kann.

Schutz historischer Gebäude

Auf der Insel wurde 1904 vom Sultan von Sansibar und den Briten ein weithin sichtbarer altertümlicher Leuchturm erbaut, der heute als Beobachtungsturm für die Park Ranger dient. Er wird vom Naturschutzprojekt Chumbe Island Coral Park (CHICOP) in Zusammenarbeit mit der Hafenbehörde weiterhin als Leuchtturm unterhalten, da die für die traditionelle Schifffahrt in Tansania typischen sogenannten Dhows über keinerlei moderne Navigationshilfen wie GPS, Kompasse etc. verfügen und deshalb in der Nacht auf diesen Wegweiser angewiesen sind. Im Jahre 1926 wurde die Petroleumfackel des Leuchtturms durch damals revolutionäres Gaslicht ersetzt, das bis vor wenigen Jahren noch in Betrieb war, aber dann von der Hafenbehörde durch ein Solarlicht ersetzt wurde." Am 20. September 1914 spielte der Chumbe-Leuchtturm übrigens eine wichtige Rolle im historischen Seegefecht der Kriegsschiffe "Königsberg" und "Pegasus", das den Ersten Weltkrieg in Ostafrika eröffnete. Das Wrack der Pegasus liegt noch heute im Hafen Sansibars, während die Königsberg im tansanischen Rufiji-Fluss ein Jahr später von den Engländern versenkt wurde und nach Jahrzehnten vollständig im Schlamm versank.

Eine kleine historische Moschee auf Chumbe, für die Leuchtturmwärter um die vorletzte Jahrhundertwende erbaut, ist wahrscheinlich die einzige Moschee indischer Architektur in Sansibar und wird bis heute von den einheimischen Mitarbeitern des Projektes als Gebetshaus genutzt.

Gelber Boxfisch
Gelber Boxfisch. Foto: Oskar Henriksson

Chumbe Island Coral Park

Das Naturschutzprojekt Chumbe Island Coral Park (CHICOP) ist eine private Initiative, die das Naturschutzgebiet für das Riff und den Inselwald aufgebaut und finanziert hat, das von der Regierung Sansibars und den Vereinten Nationen anerkannt wurde. CHICOP schuf damit den ersten privaten Marinepark der Welt, der sich zudem vollständig selbst finanziert. Das Projekt wurde von einer deutschen Staatsbürgerin initiiert, die eigene erhebliche Mittel investierte und für einige nichtkommerzielle Projektkomponenten auch Hilfe von der deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) erhielt. Das ökotouristische Angebot hat das private Naturschutzgebiet seit dem Jahre 2000 vollständig von Staats- und Fördergeldern unabhängig gemacht. Im Gegenteil, trotz der erheblichen Leistungen fuer Naturschutz und Umweltbildung muss CHICOP sogar Steuern zahlen, wie jedes andere Tourismusprojekt auch. Umwelt und Natur stehen bei CHICOP im Mittelpunkt, aber auch die Förderung und gute Bezahlung der MitarbeiterInnen. CHICOP investiert viel in die Aus- und Weiterbildung der Beschäftigten, die fast alle aus den umliegenden Dörfern kommen. Besonderes Augenmerk wird auf die Ausbildung und Beschäftigung von Frauen gelegt.

Begleitende Forschung & Monitoring im Naturschutzgebiet

Für die Einrichtung des Schutzgebietes und der Naturlehrpfade auf Chumbe wurden von CHICOP Artenlisten der Fische, Korallen, Amphibien, Reptilien, Vögel, Fledermäuse, Schmetterlinge und Pflanzen erstellt. Weitere Untersuchungen wurden vom Institut für Meereswissenschaften der Universität Dar es Salaam, der sansibarischen Umweltbehörde und der Forst- und Fischereibehörde durchgeführt. Wöchentlich notieren die Ranger alle besonderen Vorkommnisse im Unterwasserpark und im Waldreservat. Forschungsvorhaben befassten sich z.B. mit Makroalgen und der Wiederansiedlung von Steinkorallen, Bioerosion, dem Spill-Over-Effekt und Fischwanderungen im Schutzgebiet, der Dorfbeteiligung und Evaluierungen von Projektkomponenten. Neue Forschungsthemen umfassen ua. Seegraswiesenuntersuchungen, marine Biodiversitätsstudien und Korallenriffuntersuchungen im Zuge der globalen Erderwärmung.

Nicht nur internationale TouristInnen können die herrliche Natur von Chumbe genießen. Ein Schwerpunkt von CHICOP ist das Umweltbildungsprogramm, in dessen Rahmen Schulklassen aus Sansibar regelmäßig zu Besuchen und sogar zu Schnorchelkursen eingeladen werden. So haben die Kinder die seltene Möglichkeit, mehr über die Natur ihrer Heimat zu erfahren.

Information:

www.chumbeisland.com

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zuletzt geändert am 13.08.2018

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