Was macht Wien zu einer lebenswerten Stadt
Wien zählt laut dem „Global Liveability Index“ des Economist konstant zu den lebenswertesten Städten der Welt. Solche internationalen Ranglisten bewerten üblicherweise Faktoren wie Stabilität, Gesundheitsversorgung, Bildung und Infrastruktur. Was aber macht in den Augen der Österreicher*innen die Wiener Lebensqualität aus?
Diese Frage stellten sich Angela Samuel, Katharina Dinhof und Prof. Jurgen Willems von der Wirtschaftsuniversität Wien. Ihre Studie kombiniert Interviews und eine Quotenstichproben-Befragung von 1.787 Menschen in Österreich mit einer Medienanalyse zu 39 städtischen Konfliktpunkten sowie fünf Conjoint-Experimenten mit 1.354 Teilnehmer*innen.
Museen und Universitäten stehen an erster Stelle
Die Umfrageergebnisse zeigen, dass für die befragten Personen Museen, Universitäten, lokale Unternehmen und Krankenhäuser ganz oben stehen. Die Rolle von politischen Akteuren, etwa von Regierungen, Parlamenten und politischen Parteien, wurde hingegen deutlich niedriger bewertet.
„Unsere Forschung zeigt, dass die Menschen Lebensqualität stark mit Zugang zu Kultur, Bildungsangeboten und Räumen für kreatives Schaffen verbinden. Sie sehen Lebensqualität in erster Linie aus dem Blickwinkel des städtischen Alltagslebens heraus und legen weniger Augenmerk auf formale politische Strukturen“, erklärt Angela Samuel, Hauptautorin der Studie. Erklären lasse sich das durch das europaweit sinkende Vertrauen in politische Institutionen.
Mitgestaltung ist wichtiger Faktor einer lebenswerten Stadt
Die Lebensqualität wird allerdings nicht nur von den Angeboten der Stadt definiert, sondern ganz wesentlich auch von der Möglichkeit, an der Gestaltung der Stadt mitwirken zu können. In fünf Experimenten stellten die Forscher*innen fest, dass jenen Menschen mehr Einfluss zuschreiben wird, die über mehr Stimmrechte und höhere Sprachkenntnisse verfügen und größere wirtschaftliche Beiträge leisten.
„Städte, die lebenswert bleiben wollen, sollten über formale Indikatoren für Partizipation hinausblicken und sicherstellen, dass ihre Entscheidungsprozesse die Vielfalt aller Bevölkerungsgruppen widerspiegeln, die in der Stadt leben und sie einzigartig machen“, betont Co-Autorin Katharina Dinhof. Angela Samuel ergänzt konkrete Beispiele: „Dazu gehört, Menschen ohne Staatsbürgerschaft eine stärkere Stimme zu geben, öffentliche Dienstleistungen in mehreren Sprachen zugänglich zu machen und ein breiteres Bevölkerungsspektrum miteinzubeziehen, etwa durch Bürger*innenversammlungen, Nachbarschaftsräte und andere partizipative Formate.“
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zuletzt geändert am 20.09.2026