Christian Hlade mit Freund in Marokko
Foto: WeltWeitWandern.com

WeltWeitWandern - Interview mit Christian Hlade

Weltweitwandern ist ein Reiseveranstalter, der mehr tut als Reisen für fernwehgeplagte Österreicher zusammenzustellen. Christian Hlade, Gründer und Geschäftsführer, fördert den kulturellen Austausch in beide Richtungen.

lebensart-reisen.at: Wie ist es dazu gekommen, dass Sie als Architekt Reiseveranstalter geworden sind?

Christian Hlade: Der Auslöser für die Gründung von Weltweitwandern war ein soziales Projekt. Ich wollte für ein Jahr nach Ladakh gehen und eine Solarschule in Lingshed bauen. Um dieses Jahr zu finanzieren, habe ich Wandergruppenreisen organisiert. Schließlich war beides erfolgreich: Die Nachfrage nach den Reisen war so groß, dass Weltweitwandern als kommerzieller Reiseveranstalter daraus entstanden ist, und die Solarschule ermöglicht heute hunderten Kindern und Erwachsenen eine Ausbildung. Mittlerweile wird die Solarschule von einem eigenen Verein mit österreichischen und indischen Mitarbeitern geführt

lebensart-reisen.at: Wodurch unterscheiden sich eure Reisen von anderen Reiseangeboten?

Hlade: Durch unsere langjährigen Freundschaften in Ladakh haben wir besondere Zugänge. Zum Beispiel besuchen wir das SOS-Kinderdorf und tauschen uns über die Lage tibetischer Flüchtlinge aus. Aufenthalte bei Bauernfamilien bedeuten für die Familien zusätzliches Einkommen und für die Gäste einen Einblick in das alltägliche Leben der Ladakhis. Wir laden Mitarbeiter und Freunde aus Ladakh zu uns nach Graz ein: Sie arbeiten und wohnen ein paar Monate in Graz und lernen so die „andere Seite“ kennen. Wir selbst lernen auch viel von dem, wie sie die Dinge hier wahrnehmen. Dieser Zwei-Wege-Tourismus macht uns allen viel Freude.

Generell liegt unser Fokus auf fairem reisen, achtsam reisen. Es ist eine Haltung, wie man der Welt mit Wertschätzung begegnet. Unsere Stärke liegt in Begegnungen, die bewegen. Wir arbeiten fast überall mit lokal verwurzelten Guides. Ursprünglich war das eine Notlösung, weil es viel zu teuer gewesen wäre, ÖsterreicherInnen hinzuschicken. Heute hat sich das zu unserer absoluten Stärke entwickelt. Andere Kulturen lernt man einfach besser kennen, wenn der heimische Guide durch das Tal und die Dörfer führt.

lebensart-reisen.at: Ihr bietet ja Reisen in viele Regionen und Länder an. Wie funktioniert das mit den Kontakten?

Hlade: Wir suchen uns neue Ziele nach den Kontakten aus, die sich ergeben – bei Gesprächen, oft auch im Austausch mit anderen Reiseveranstaltern im Forum anders reisen. Durch unsere Firmengeschichte besteht eine ständige persönliche Auseinandersetzung mit den Reiseländern und deren Umwelt. Wir sind dafür mit verantwortlich und bemühen uns um einen positiven Beitrag. Das gelingt nicht immer sofort, aber die Auseinandersetzung ist wichtig.

lebensart-reisen.at: Was bewirken Weltweitwandern Reisen vor Ort?

Hlade: Viele Menschen in entlegenen Regionen können sich so ein dringend benötigtes Zusatzeinkommen erwirtschaften um dort weiterhin leben zu können. Und die Menschen entwickeln einen Stolz auf die eigene Kultur, weil Gäste kommen und sie erleben wollen.

lebensart-reisen.at: Was sind die eindrücklichsten Erlebnisse eurer KundInnen?

Hlade: Wandern bedeutet nicht nur miteinander reden oder eine andere Kultur und Natur erleben. Beim Wandern begegnet man vor allem auch sich selbst, man muss die eigenen Gewohnheiten hinterfragen. Die Erlebnisse relativieren oft den eigenen Standpunkt, die eigenen Vorurteile z.B. in Richtung muslimischer Welt. Dort erlebt man eine unglaubliche Gastfreundschaft, oder die Frauen im Iran, die sehr selbstbewusst auftreten. Über die Medien erhält man plakative Realität. Sie stimmt ja zum Teil, aber es gibt auch eine ganz andere dazu. Durch die Reisen entstehen Freundschaften, Reisegruppen treffen sich auch nach der Reise, Menschen übernehmen Patenschaften für ein Kind, oder sie engagieren sich für ein Projekt.

lebensart-reisen.at: Reisen von Weltweitwandern sind nicht gerade günstig. Warum ist das so?

Hlade: Im Vergleich mit Trekkinganbietern haben wir ein ähnliches Preisniveau. Aber unsere Reisen sind bitte nicht vergleichbar mit einem Pauschalaufenthalt in einer Hotelanlage oder einer Busrundreise mit 50 Leuten. Wir haben  sehr kleine Gruppen (im Schnitt 8 TeilnehmerInnen), unsere Touren sind sehr arbeitsintensiv vor Ort. Es braucht Träger, einen Koch, ganz viele helfende Hände – und diese wollen wir alle auch fair bezahlen.

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zuletzt geändert am 02.08.2018

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