Drei Pferde mit Reitern schreiten leicht bergauf über eine Wiese am Waldrand.
Foto: Oberösterreich Tourismus/Hausruckwald/Tom Son

Vom Frieden am Hausruck

Zwischen Inn und Traun erhebt sich mit dem Hausruck ein sanfter Höhenzug. Als bewaldetes Rückgrat des Hausruckviertels prägt er mit seinen Hügeln, Tälern und Ausblicken das Landschaftsbild im westlichen Oberösterreich.

Zeitreisen gibt’s zwar noch nicht, aber eine Reise zu unseren Wurzeln ist eine nachhaltige Alternative. Meine Familie stammt zum Beispiel aus dem schönen Hausruckviertel, genauer gesagt aus Geboltskirchen. Schon als Kind habe ich da viel Zeit verbracht: Fast jeden Tag ging es mit meinen Großeltern in den Wald, eine Besonderheit dieses Viertels in Oberösterreich: Der Hausruckwald bildet mit dem Kobernaußerwald eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete Mitteleuropas.

Der Wald hat für alle Altersklassen einiges zu bieten: Viele Wildtiere wie Hasen und Rehe zeigen sich schon bei kurzen Spaziergängen, Themenwege mit liebevoll gestalteten Stationen wie der Naturerlebnisweg Trattnach-Ursprung sorgen für Abwechslung und bei einer Fotosafari können Kinder ihren Blick auf die Natur festhalten. Für größere Kinder sind Bogenschießen zwischen Bäumen oder das Herumkraxeln in einem Kletterpark eine tolle Konzentrationsübung.

Ein Elternpaar mit Sohn im Schulalter gehen auf runden Holzinseln über die Wasserfläche am Erlebnisweg im Wald beim Ursprung des Flusses Trattnach.
Trattnach-Ursprung: Erlebniswege mitten im Wald sorgen für Abwechslung. Foto: Oberösterreich Tourismus/Urlaubsregion Vitalwelt/Tom Son

Ganz nebenbei verbringt man so einige Stunden mitten im Wald. Da wir Menschen biophil sind, brauchen wir den direkten Kontakt zur Natur, am besten täglich – und der Hausruck bietet dafür das ganze Jahr über viele Gelegenheiten.

Waldbaden und Pilze sammeln

Die Geräusche des Waldes, der Duft der Bäume und die vielen Grünschattierungen prägen meine Kindheitserinnerungen. Dass ich damals ein Waldbad genommen habe, ist mir erst heute bewusst. Waldbaden ist ein Begriff aus Japan und meint das „Eintauchen in die Waldatmosphäre“. Das stärkt unser Immunsystem, baut Stress ab, fördert die Konzentration und senkt Bluthochdruck.

Andererseits kann man sich im Wald auch einfach dem inneren Sammeltrieb hingeben: Wer auf Schwammerlsuche gehen möchte, ist im Hausruck- und Kobernaußerwald gut aufgehoben. „Wenn das Wetter passt, findet man unter Birken den guten Birkenpilz. Am Waldrand finde ich oft große Parasolpilze – paniert schmecken sie herrlich – und dort, wo auch der Fliegenpilz steht, Steinpilze. Wichtig ist, mit offenen Augen zu wandern“, rät Heubastlerin Annamaria Raab, die zur Heuernte viel im Wald unterwegs ist.

Als echte Schwammerlsucherin verrät sie ihre Fundplätze natürlich nicht – wohl aber, was man alles mit dem Heu basteln kann. Annamarias Produktpalette reicht von Heutieren über Brotkörberl bis zu sehr bequemen Schuhen. Wenn man nicht unter Heuschnupfen leidet, ist das Arbeiten mit Heu bei Annamaria himmlisch. Es duftet und raschelt, die Hände schaffen etwas Schönes, nebenbei wird geplaudert. Nicht nur Kinder lieben es, mit dem Naturmaterial zu basteln. Und die kreativen Werkstücke tragen den würzigen Duft aus dem Hausruckviertel mit nach Hause.

Am Rücken der Pferde über den Rücken eines Hühnen

Am Südhang des Hausruckwaldes liegt das Reiterdorf Ampflwang, ein Ort, in dem fast mehr Pferde als Menschen wohnen. Hier liegt auch das Reitzentrum Hausruckhof, das größte Islandpferdegestüt Österreichs. Pferde trifft man im Hausruckviertel oft, es gibt viele Ställe und Reitbetriebe – zum Beispiel den Familienbetrieb Pichler in Geboltskirchen, gleich neben dem Haus meiner Großeltern, in dem ich mit meiner Familie immer wieder schöne Aktivurlaube erlebe.

Noch haben wir aber weder etwas von einem Haus noch vom rätselhafteren „ruck“ gehört. Der Name Hausruck leitet sich vom Wort „Hunesrucke“ her, der Rücken eines Riesen ist also, namensgebend. Die weniger märchenhafte Geschichte des Hausruckviertels ist von Bauernkriegen und Kohlevorkommen geprägt. Zwar wird heute keine Kohle mehr abgebaut, in Bergwerksmuseen wie im Bahnhof Scheiben kann man sich in diese vergangene Zeit aber hineinfühlen. Auch der Wunsch nach Frieden hat im Hausruckviertel Geschichte, denn hier war ein ehemals heiß umkämpftes Grenzgebiet zwischen Österreich und Bayern.

Wo beginnt aber der Friede?

Vermutlich im Gehen, schließlich ist unser Körper für diese Bewegung gemacht. Miteinander gehen schafft die Basis für gute Gespräche, Schritt für Schritt. Das zeigt auch der Friedensweg nach Wolfsegg, einem Luftkurort auf 700 Meter Höhe. Dort angekommen hat man dann nicht nur im übertragenen, sondern auch im wortwörtlichen Sinne Weitblick: Bei gutem Wetter sieht man bis ins Alpenvorland, vom Ötscher bis in die Salzburger Berge, wie es auch schon Schriftsteller Thomas Bernhard beschrieb. Das Schloss Wolfsegg spielt auch in seiner Literatur eine Rolle und eines seiner Häuser in der Gemeinde Ottnang kannst du nach Voranmeldung besuchen.

Die eigenen Wurzeln bereisen

Eine Reise zu den eigenen Wurzeln kann ich nur empfehlen. Besuchen wir jene Orte, wo unsere Großeltern gelebt haben, entdecken wir nicht nur schöne Landschaften. Wir können dabei auch den Einflüssen unserer Vorfahren nachspüren. Mein Großvater hätte sich bestimmt sehr über mein Interesse am Hausruck gefreut.

Autorin: Sandra Obermair

Sonnenaufgang im Spätsommer über dem Wald. Der Himmel ist leicht bewölkt.
Spätsommer im Kobernausserwald. Foto: Oberösterreich Tourismus GmbH/Robert Maybach

Die Tourismusregion Hausruckwald besteht aus den Orten Bad Schallerbach, Gallspach, Geboltskirchen, Grieskirchen, Haag am Hausruck, Wallern und Zell am Moos. Die Vermittlung des Hausruckviertels und seiner Geschichte lag auch meinem Großvater am Herzen, er war Mitbegründer des Haager Heimatmuseums in Schloss Starhemberg – übrigens ein toller Ausflugstipp.

Anreisen & Herumkommen

Mit dem Zug bis Wels, Vöcklabruck, Attnang-Puchheim oder Lambach, dann weiter mit dem Bus, dem Shuttle-Service der Gasthöfe und Hotels oder per Carsharing (z. B. Rail & Drive ab dem Bahnhof Attnang-Puchheim). Im Urlaub braucht man im Hausruckviertel also nicht unbedingt ein eigenes Auto – wählt man das Quartier gut aus, kann man auch mit Kind und Kegel die Gegend gut zu Fuß oder per Fahrrad erkunden – das entschleunigt!

TIPP: Mit der Mobilitäts-App wegfinder findest du alle Angebote für deine An- und Rückreise und kannst diese auch gleich buchen. Neben Zügen und Bussen zeigt dir die App auch das vorhandene Leih-Angebot an Autos, Fahrrädern und E-Scootern sowie regionale Taxiunternehmen für die Fahrt vom Bahnhof / von der Bushaltestelle zum gebuchten Quartier.

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zuletzt geändert am 28.05.2026

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