Dem Wandel auf der Spur
Ein neues Forschungsprojekt schafft die Grundlage für ein langfristiges Umweltmonitoring im Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal. Klimamessungen, Boden- und Pilzanalysen, Drohneneinsätze sowie Untersuchungen an alten Bäumen sollen künftig helfen, Veränderungen in Wald, Klima und Biodiversität besser zu verstehen.
Das Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal ist ein einzigartiger Ort für die Forschung. Wo natürliche Prozesse weitgehend ungestört ablaufen können, lassen sich Veränderungen in der Umwelt besonders gut beobachten und über lange Zeiträume verfolgen. Ein aktuelles Forschungsprojekt legt nun wichtige Grundlagen, um die Entwicklung von Klima, Wald und Biodiversität systematisch zu dokumentieren und besser zu verstehen.
An ausgewählten Standorten werden Datenlogger installiert, Pilzproben entnommen und weitere Untersuchungen vorbereitet. Auch eine multispektrale Drohne wird erstmals im Wildnisgebiet zum Einsatz kommen. So entsteht Schritt für Schritt eine Datengrundlage, die nicht nur für die aktuellen Untersuchungen wertvoll ist, sondern auch zukünftige Forschungs- und Monitoringprojekte unterstützen soll.
Klima entlang der Höhenstufen beobachten
Ein Schwerpunkt des Projekts ist der Aufbau eines langfristigen Klimamonitorings. Dafür werden Datenlogger in unterschiedlichen Höhenlagen installiert, die die verschiedenen klimatischen Bedingungen im Wildnisgebiet abbilden. Insgesamt werden 50 Messgeräte an 25 Standorten kontinuierlich Luft- und Bodentemperaturen erfassen. So entsteht ein Messnetz, das sichtbar macht, wie sich die Temperaturverhältnisse entlang der Höhenstufen unterscheiden und über die Jahre verändern.
Was uns die Pilze erzählen
Gleichzeitig mit der Installation der Datenlogger werden im Herbst Boden- und Pilzproben genommen. Denn der Boden ist weit mehr als Untergrund: Er speichert Wasser und Kohlenstoff, versorgt Pflanzen mit Nährstoffen und beherbergt eine große Vielfalt an Mikroorganismen. Im Fokus stehen dabei die Pilzgemeinschaften und ihre Funktionen im Ökosystem, darunter auch Mykorrhizapilze, die eng mit den Bäumen verbunden sind. Gemeinsam mit den Klimadaten soll untersucht werden, wie Umweltbedingungen, Bodenprozesse und Biodiversität zusammenwirken und ob sich die Zusammensetzung der Pilzgemeinschaften mit den jeweiligen Umweltbedingungen verändert.
Aus der Vogelperspektive
Auch aus der Luft wird das Wildnisgebiet genauer beobachtet. Eine multispektrale Drohne bietet hochauflösende Aufnahmen und erfasst Wellenlängenbereiche, die für das menschliche Auge unsichtbar sind. So können unter anderem Waldentwicklung und Vegetationszustand dokumentiert, Veränderungen an Gewässern beobachtet sowie digitale Gelände- und Oberflächenmodelle erstellt werden.
Bäume als lebende Archive
Ein weiterer Schwerpunkt des Projekts sind dendrologische Untersuchungen an rund 25 Bäumen, insbesondere an Rotbuchen. Bäume sind wertvolle Zeitzeugen, denn ihr Wachstum spiegelt die Umweltbedingungen wider, denen sie über Jahrzehnte ausgesetzt waren. Die Analysen liefern wichtige Hinweise darauf, wie Klima, Bodenverhältnisse und ökologische Prozesse die Entwicklung des Waldes beeinflussen.
Die Dynamik der Natur verstehen
Die gewonnenen Daten dokumentieren nicht nur den aktuellen Zustand des Ökosystems, sondern schaffen vor allem die Grundlage, Veränderungen über Jahre und Jahrzehnte hinweg nachvollziehen zu können. So entsteht ein langfristiger Blick auf die Dynamik der Natur und ein tieferes Verständnis der komplexen Zusammenhänge zwischen Klima, Boden, Artenvielfalt und Waldentwicklung.
Das Projekt „Weltnaturerbe Buchenwälder im Fokus“ wird durch den Waldfonds des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Regionen und Wasserwirtschaft gefördert.
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zuletzt geändert am 04.09.2026