Floß im Weissensee
Frühstück auf dem Floß im Weissensee. Foto: Franz Gerdl

Ferien mal anders

Zwischendurch braucht jeder mal einen Perspektivenwechsel. Selbst im Urlaub. Das Unterwegssein mit Pony, Esel, Paddelboot oder Schiff  gibt spannende Ein- und Ausblicke.

Die einen gehen in sich, die anderen bis zum Pool. Und das dritte Grüppchen hat am zweiten Tag genug vom auf der Stelle treten und immer der gleichen Kulisse. Das sind die unruhigen Geister, die im Urlaub unterwegs sein wollen und für ihr Leben gerne reisen. Jeden Tag etwas Neues entdecken. Sich selbst ausprobieren. Lachen, plaudern, nachdenken. Aber nicht im Schnelldurchgang, sondern möglichst in aller Ruhe genießen. Bewusst sehen, hören, riechen, fühlen. Draußen in der Natur, an der frischen Luft. Ganz nah am Wasser. Manchmal mit reiner Muskelkraft, manchmal mit tierischer Unterstützung. Ohne Leistungsdruck von dannen ziehen. Das ist zu Land und zu Wasser mit verschiedenen Fortbewegungsmitteln möglich. Egal, ob ein paar Stunden oder mehrere Tage, wer sich auf den Perspektivenwechsel einlässt, kommt vielleicht nicht so weit wie geplant, wird jedoch dafür reich beschenkt mit besonderen Erfahrungen und unvergesslichen Erinnerungen.

Unterwegs mit dem Frühstücksfloß

Magengrummeln am Morgen. Ausschlafen ist nicht drin. Vorhang auf, Vogelgezwitscher rein. Jetzt heißt es kapitulieren. Die Füße aus dem warmen Bett in die Schuhe schieben und sich schlaftrunken die Jacke schnappen. Es geht zum Frühstücken auf das Floß. Aber alles ohne Eile. Zaghaft sucht sich die Frühstücksgesellschaft einen Platz. Die Mutigen wählen den Sonnenstuhl fußfrei. In Zeitlupe löst sich das Gefährt vom Ufer und gleitet fast lautlos in den Anbruch des Tages. Früher wurde so ein Floß in den Alpen für den Transport von Heu, Tier und Mensch genützt. Heute ist eine Labstelle für Genießer, vollgespickt mit Köstlichkeiten aus der Region. Für sanftes Aufwachen mitten im See. Infos: Das Frühstücksfloß fährt von Juni bis September an ausgewählten Tagen am Weißensee. Vorab anmelden! Infos: www.weissensee.com/fruehstuecksfloss.

Unterwegs mit dem Pony

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Auf dem Rücken von Dartmoor-Ponies die Weiten der Landschaft genießen. Foto: visitbritain.com

Es gibt Mädchen, die sind keine Fans von Pferden. Erfolgreich schaffen sie es jede geplante Reitstunde mit einer neuen Ausrede ausfallen zu lassen. 30 Jahre lang geht das gut. Dann macht die Familie Urlaub in Schottland und die schlaflosen Nächte beginnen. Ponytrekking steht am Programm. Keine Möglichkeit zur Flucht. Jeder bekommt Reithelm und Pferd zugeteilt. Alles stattliche Tiere. Groß und muskulös. Panik bricht aus. Teddy wird geholt. Plötzlich grinst jeder. Das gut ernährte Pony hat in Sekundenschnelle das aufgeregte Herz erobert und dank Treppe klappt das auch mit dem Aufsitzen beim ersten Versuch. Durchatmen. „Walk on, Teddy!“ Langsam setzt sich das Pony in Bewegung und trottet seinen riesigen Artgenossen hinterher. Als absoluter Reitneuling braucht man nichts zu tun. Teddy kennt den Weg. Vorbei an der Steinmauer, der grünen Koppel und den Ruinen folgt er dem Fluss Tay. Die Landschaft lenkt ab und nach einer gewissen Zeit halten die Finger die Zügel nicht mehr so verkrampft fest. Teddy nimmt alles gelassen und seine Gemütlichkeit überträgt sich auf die Gruppe. Es muss ja nicht immer Trab oder Galopp sein. Infos: Pferde- und Ponytrekking in Schottland bzw. Großbritannien: www.taymouth.co.uk, www.visitscotland.com, www.visitbritain.com.

Unterwegs mit Langohren

Zwei Esel in den Bergen.
Entschleunigend: Wie schnell man unterwegs ist, bestimmen die Langohren. Foto: Eselreich Eseltrekking

Gelassenheit und Geduld. Von beidem braucht es unheimlich viel, wenn man mit einem Esel wandern geht. Nicht weil die Tiere so stur sind, sondern weil sie jeden auf die Probe stellen, der sie führen will. Nur wer als Führungspersönlichkeit akzeptiert wird, kann sie zum Wandern motivieren. Klappt das gut, sind sogar Mehrtagestouren drin. „Aber die Wanderer müssen sich auf das Tempo des Esels einstellen. Mal ist die Karawane langsamer, mal schneller“, warnt Judita van den Berg vor. Die gebürtige Tschechin hat Physik studiert, ihren Job vor zehn Jahren an den Nagel gehängt und sich drei Eseln gekauft. Heute bietet sie Eselwanderungen im Mariazellerland an, hat einen weltweit einzigartigen Klettergarten für Esel errichtet und bildet die Langohren sogar zu Reittieren aus, was wesentlich schwieriger ist als bei Pferden. Doch wenn sich die Tiere einmal daran gewöhnt haben, machen sie es mit Freude. Genauso wie beim Wandern. Dabei geht es nicht darum, als Erster irgendwo anzukommen, sondern vielmehr um den Spaß am Weg und die entspannten Pausen in der Wiese. Infos zu den Terminen: www.eselreich.at.

Unterwegs mit Paddel und Segel

Frau in Paddelboot auf dem Fluss.
Paddeln auf der Drau Foto: Anita Arneitz

Am Wasser wandern? Klar geht das. Mit Kajak, Kanu und Stand-up-Paddle-Board. Zugegeben auf stehendem Gewässer und im wilden Wasser ist das ziemlich anstrengend. Aber es gibt einen recht gemütlichen Mittelweg – nämlich die obere Drau entlang. Hier fließt der drittwichtigste Fluss Österreichs mit rund zehn km/h zwischen den Bergen in Richtung Slowenien. Das Ufer ist naturbelassen, mit romantischen Sandbänken zum Anlegen und picknicken. Nur ab und zu gilt es einen Brückenpfeiler zu umschiffen. Spätestens nach der dritten Kollision mit einem in den Fluss hängenden Strauch haben Neulinge das Hantieren mit dem Paddel im Griff. Ausgerüstet mit Schwimmwesten können sogar Kinder mit ins Kanu. Ab heuer sind die ersten drei Etappen des neuen Draupaddelweges in Kärnten befahrbar. Im Endausbau sollen 320 Flusskilometer in 18 Etappen von Lienz bis nach Ptuj erschlossen sein. Infos: www.draupaddelweg.com.

Unterwegs mit dem Schiff

Blick vom Schiff auf die Stadt Esztergom in Ungarn.
Donaublick auf die Stadt Esztergom in Ungarn. Foto: A-Rosa

Auwälder, Seerosenteppiche, Pelikane. Die Donau ist ein wahres Naturparadies. Doch die meisten kennen nur ein Stück von ihr, obwohl sie allein in Österreich rund 250 Kilometer lang ist. Wer ihrem Lauf bis zum Schwarzen Meer mit dem Schiff folgt, wird überrascht sein von der Vielfalt. An einem Tag steht Kultur und quirliges Treiben in der Stadt am Programm, am nächsten lockt ein Radausflug ins Delta. Dazwischen wird an Deck entspannt, sich in meditativer Uferbeobachtung geübt und mit dem Wind in den Haaren geschlemmt.

Tipp: Wer eine Flusskreuzfahrt bucht sollte sich vorab informieren, wie umweltfreundlich das jeweilige Schiff ist. Marktführer A-Rosa setzt zum Beispiel unter anderem Rußpartikelfilter ein, nutzt die Abwärme, setzt Maßnahmen für Wasser und Energie sparen an Bord, Abfallvermeidung und Wiederverwertung. Die MS Nestroy wurde bei der Sanierung mit LED-Lampen und umweltschonenden Materialen wie Teppiche aus alten Fischernetzen ausgestattet. Auch Hybrid- und E-Solar-Schiffe für kürzere Strecken sind bereits im Einsatz. Infos: www.a-rosa.de, www.gta-sky-ways.at/schiff/ms-nestroy, www.linztourismus.at

Unterwegs mit dem Amphibienbus

Amphibienbus fährt aus der Salzach.
Per Amphibienbus durch die Salzach. Foto: Berer/Salzburghighlights

Halb Bus, halb Schiff. Vier lange Jahre wurde geplant und gebaut, bis der Amphibienbus für Salzburg fertig war. Jetzt schippert das Ausflugsgefährt seit einem Jahr über die Salzach, fährt dann an Land und setzt rollend die Sightseeingtour durch die Stadt fort. Für die 26 Mitfahrer ist das ein besonderes Erlebnis. Am Wasser kann maximal eine Geschwindigkeit von sieben Knoten erreicht werden, an Land sind maximal 90 km/h drin. Allerdings geht es bei der Tour nicht um das Tempo, sondern mehr um den fließenden Übergang zwischen Fluss und Land. Infos: www.salzburghighlights.com.

Autorin: Anita Arneitz

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zuletzt geändert am 02.07.2018

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