Frau mit Hund bei der Trüffelsuche
Foto: Wolfgang Windisch

Graz - Schätze im Waldboden

Unsichtbar liegen aromatische Trüffel unter der Erde, auch in den Grazer Stadtwäldern. Bei geführten Wanderungen geht es mit tierischer Hilfe direkt zu den Edelpilzen.

Eine Pflanze, hervorgebracht von Blitz und Donner, die nur nachts bei Mondlicht wächst und aufgrund ihrer aphrodisierenden Kräfte der Liebesgöttin Venus geweiht ist. Süßer Duft und herbes Aroma. Himmlische Gaumenfreude oder Zeug des Teufels? Schon seit jeher ranken sich Legenden und Mythen rund um den Trüffel. Der Edelpilz wurde bereits in der Antike geschätzt. Doch wenige wussten um seine Herkunft. Und das ist zum Teil noch bis heute so geblieben.

Mehrere Trüffel
Foto: Sarah Hackl

Trüffel im Wald

Selbst in den österreichischen Wäldern gibt es mehr Trüffel als angenommen. Voraussetzung dafür sind eine nachhaltige Bewirtschaftung, eine entsprechende Bodenqualität und ein funktionierendes Ökosystem. Unter dieser Prämisse werden seit 20 Jahren rund 640 Hektar Wald im Grazer Stadtgebiet bewirtschaftet – rund 2,25 Millionen Bäume, die für ein gesundes Klima sorgen. Gerüchte über Trüffelvorkommen gab es in diesen Gebieten immer wieder. „Mehrere Baumstürze nach Unwettern, bei denen die Wurzelballen freigelegt worden sind, haben uns gezeigt, dass tatsächlich Trüffel vorkommen“, bestätigt der Grazer Stadtförster Peter Bedenk.

Da die Trüffel in der Erde liegen, können ihre Sporen nicht vom Wind verbreitet werden. Die Natur hat sich für den Pilz eine andere Lösung einfallen lassen: Der reife Trüffel lockt mit seinem Geruch Tiere an, die ihn ausgraben und fressen. Hirsche und Wildschweine schätzen den Leckerbissen genauso wie Greifvögel. Die unverdaulichen Sporen werden wieder ausgeschieden. Treffen diese auf eine geeignete Pflanze, entstehen im Boden wieder Mykorrhiza und in Folge der knollenförmige Pilzkörper.

Helfer beim Suchen

Einst wurden Trüffel mithilfe von Schweinen aufgestöbert. Heute setzen die Trüffelsucher lieber Hunde ein, da sie leichter zu trainieren sind und ihren Fund nicht gleich auffressen. Mit genügend Zeit kann grundsätzlich jeder Hund zur Trüffelspürnase ausgebildet werden. „Hunde sind sehr ausdauernd in der Suche und in fast jedem Terrain ganzjährig einsetzbar“, weiß Bedenk.

Foto: Maria Zöhrer

Das Mensch-Hund-Team sollte sich allerdings umsichtig in der Natur bewegen, bei der Entnahme der Trüffel möglichst wenig Spuren im Wald hinterlassen und sich an die erlaubten Zeiten und Gebiete halten. Mancherorts sind auch elektronische Trüffeldetektoren im Einsatz. Andere hingegen schwören auf ein geschultes Auge. Sie halten im Wald Ausschau nach den Fliegen, die sich oberhalb der Trüffel zusammenrotten, oder auch nach „Hexenkreisen“. Der Pilz breitet sich nämlich kreisförmig aus und bildet kleine Erhebungen. Dadurch können sich Boden und Grasart über den Trüffeln etwas verändern. Um so etwas zu erkennen, braucht es viel Erfahrung.

Trüffelwanderungen

Auch diesen Herbst geht es mit „Waldschule Graz“ und eigens ausgebildeten Trüffelhunden auf Schatzsuche in den Leechwald. Dabei erfahren die Teilnehmer*innen Wissenswertes rund um die steirischen Trüffel und den nachhaltigen Umgang mit dem Wald. Die gefundenen Trüffel werden nach dem Wandern gemeinsam verkostet. Der Trüffel gilt zwar als Delikatesse, doch nicht alle Trüffelsorten eignen sich für den Verzehr. In den Grazer Wäldern sind sechs Trüffelarten zu finden: Sommertrüffel, Burgundertrüffel, Wintertrüffel, Hohltrüffel, rot-braune Trüffel und Stinktrüffel. Nur die ersten beiden sind für Feinschmecker ideal, letztere hat keinen Gourmetwert, weil sie, wie schon der Name sagt, recht unappetitlich riecht.

Achtung: Auf eigene Faust nach Trüffeln zu graben, ist verboten. Nicht nur im Wald der Stadt Graz, auch in anderen Wäldern, insbesondere Schutzgebieten und Nationalparks.

Autorin: Anita Arneitz

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zuletzt geändert am 21.10.2020

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