Nicolette Nsabimana mit einer Geburtenkontrollkette.
Nicolette Nsabimana mit einer Geburtenkontrollkette. Foto: R. Reisinger

Ruanda: Familienplanung mit bunten Ketten

Im Centre Marembo in Kigali erhalten Jugendliche, die auf der Straße gelandet sind, neben der allgemeinen und beruflichen Bildung Wissen über Sexualität und Familienplanung.

Die schmale Straße schlängelt sich einen der vielen Hügel entlang, auf denen sich Kigali ausbreitet. Motorradtaxis schwirren herum, ein junger Mann schiebt sein Fahrrad, das mit einem riesigen Sack Kohle beladen ist. Am Grünstreifen entlang der Straße sitzen zwei Frauen unter einem Strauch im Schatten. Dahinter eine hohe Mauer mit einem schweren, rostigen Eisentor. „Welcome in Centre Marembo!“ umarmt uns Nicolette Nsabimana, die Leiterin des Zentrums herzlich.

Unter einer Gartenlaube sitzt eine Gruppe Jugendlicher um eine Tafel, auf die ein Lehrer gerade eine Zeichnung kritzelt. „Das sind unsere Mechaniker“, erklärt Nicolette. Die Burschen bekommen hier eine Grundausbildung, die alte Schrottkarre neben der Laube dient zum Üben. Das Zentrum selbst ist ein umfunktioniertes Einfamilienhaus.

Im größten Raum sitzen junge Frauen hinter einfachen alten Nähmaschinen. Aus bunten Stoffen fertigen sie Kleider, Computertaschen und Stofftiere. „Die Frauen lernen hier bei uns das Schneidern, durch den Verkauf der Produkte leisten wir selbst auch einen kleinen Beitrag zur Finanzierung unseres Projektes.“ Hauptsponsor ist eine britische Stiftung.

Frau an einer alten Nähmaschine näht eine Tasche.
Der Verkauf von selbstgenähten Kleidern und Taschen bringt etwas Geld in die Kasse des Zentrums. Foto: R. Reisinger

Gegründet wurde das Centre Marembo, um Straßenkindern eine Dusche und eine warme Mahlzeit anzubieten, dazu Unterricht und bei Bedarf auch einen Arzt. „Wir wollen die Kinder wieder zurück in die Gesellschaft bringen und ihnen dafür ein Rüstzeug mit auf den Weg geben, damit sie es auch schaffen“, erklärt Nicolette eines der Projektziele. Aus ihrer Sicht ist schulische und berufliche Ausbildung jedoch zu wenig. „Wir haben von Anfang an das Thema Familienplanung und Sexualität in unseren Schulungen aufgenommen, ein gesellschaftliches Tabuthema, über das in Ruanda nirgendwo gesprochen wird. Damit wollen wir vor allem die Frauen stärken und ihnen helfen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.“

Jeden Sonntag kommen 50 bis 70 Jugendliche ins Zentrum. „Wir reden mit Ihnen über ganz simple Dinge, wie Körperpflege, diskutieren über die ruandische Kultur, über Werte wie Respekt und sagen ihnen, was bei der Kindererziehung wichtig ist. Besonders interessant wird es, wenn wir ihnen Methoden der Familienplanung vorstellen und auf Geschlechtskrankheiten eingehen, vor allem auf das Thema AIDS.“

Beim Thema Familienplanung fand das Centre Marembo mit der „Aktion Regen“ einen Partner in Österreich. Die Wiener Gynekologin Dr. Maria Hengstberger hat den Verein 1989 gegründet und setzt sich für Gesundheits- und Frauenprojekte ein. Damit auch Analphabeten ihre fruchtbaren und unfruchtbaren Tage kennen lernen, hat sie die Geburtenkontrollkette entwickelt. Die Halskette mit 30 unterschiedlich eingefärbten Perlen zeigt den aktuellen Stand der Fruchtbarkeit im Monatszyklus an. Produziert werden die Ketten Im Centre Marembo aus Papierstreifen, die zu Kegeln geformt und bemalt werden.

Nicolette Nsabimana und ihr Centre Marembo zeigen, dass lokale Initiativen engagierter Menschen einfache Konzepte zur Lösung ihrer Probleme finden und diese mit relativ geringen finanziellen Mitteln auch in die Tat umsetzen können. Bevor wir das Zentrum verlassen, zeigt uns noch eine Gruppe junger Mädchen und Buben einen Tanz, den sie gerade einstudiert haben. Sie haben dank dieser Einrichtung eine große Chance auf ein gutes Leben.

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zuletzt geändert am 03.09.2017

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