Wasserdampf über Thermalbad.
Warmes Thermalwasser an kühlen Herbsttagen. Foto: Herzog

Wo Mandelöl und Honig fließen

Geht’s Ihnen auch so? Kaum ziehen die Novembernebel ins Land, düstere, kalte Tage im Gepäck, erzählen alle von Wellnesswochenenden, die sie gerade verbracht oder geplant haben.

Vor allem junge Leute nutzen ein paar freie Tage, um sich vom Stress in Job und Familie zu erholen. SPAS und Thermalbäder kommen diesem Wunsch entgegen und entwickeln Angebote, die zur schnellen Regeneration von Körper und Seele beitragen sollen. Wir haben im Rogner Bad Blumau getestet, was so ein Kurzurlaub für Erholungssuchende bieten kann.

Über dem warmen Wasser des Freibeckens wabern Dunstschwaden. Wie eine schützende Decke legen sie sich über die Badenden und tauchen die kräftigen Farben der Hundertwasser-Architektur in geheimnisvolles Licht. Gedämpft klingt das Geräusch sprudelnden Wassers durch den frühen Morgen. Noch ist es ruhig im Rogner Bad Blumau. Die Spätaufsteher genießen das ausgiebige Frühstück während am Rande des Beckens bereits die ersten Aqua Fitness Teilnehmer ihre Gliedmaßen strecken. Noch einmal drehen wir eine Runde im 36 Grad warmen Wasser der Melchior Heilquelle, die in 970 Metern Tiefe entspringt, und vergessen dabei fast, dass wir nicht zum Vergnügen da sind. Schließlich wollen wir herausfinden, worauf es bei Wellnessanwendungen ankommt, damit sie die ersehnte Entspannung bringen und dem Körper neue Kräfte verleihen.

Wir schlüpfen in die weißen Bademäntel und wandern auf verschlungenen Wegen - die einiges an Orientierungssinn verlangen - durch die weitläufige Anlage, dem SPA entgegen. Der Begriff SPA leitet sich übrigens nicht vom lateinischen Sanus Per Aquam (Gesundheit durch Wasser)ab sondern geht auf den belgischen Badeort Spa zurück. Heute steht er für Wellness-Oasen und den Badebereich von Hotels.

Frau wird am Rücken massiert
Angenehme Entspannung bei einer Massage. Foto: Rogner Bad Blumau ©Hundertwasser Architekturprojekt

Die freundliche Atmosphäre in der Rezeption Gesundheit & Schönheit wirkt einladend. Der Blick fällt in einen halboffenen, runden Raum mit einem Brunnen im Mittelpunkt. „Ich bin bereit und freu mich wie ein Kind“ steht da auf der gekrümmten Wand, an der sich eine beheizte Bank entlang zieht. Darauf behaglich sitzend oder liegend kann man fein die goldene Spirale bewundern, die sich über die Decke windet. Oder mit ihr meditieren und sich ganz der Geborgenheit hingeben. So muss es im Mutterleib gewesen sein! „Wärmebank“ wird dieser magische Raum schlicht genannt und macht noch neugieriger auf den Hamam, der nun auf dem Programm steht.

Hamam

Hamam, das klingt orientalisch und lässt üppige Pracht erwarten. Nicht so in Bad Blumau. Thomas – der Hamam-Meister – führt uns in einen kleinen, schlichten Raum: helle Wände, ein beheizter Stein in der Mitte, als Liegestatt für den Badenden, daneben ein niedriger Tisch aus tief gefurchtem Holz, auf dem die Utensilien bereit stehen: ein Schaff mit Wasser, ein Krug, Seife, gefrorenes Kokosöl, Seifenlappen und Peelinghandschuh. „Beim Bad Blumauer Hamam steht die Behandlung im Mittelpunkt, nicht das Ambiente“, erzählt Thomas. Mit jugendlichem Schwung beginnt der ausgebildete Masseur warmes Wasser zu schöpfen und in raschen Güssen über den Körper meines Begleiters zu schütten. „Kurze Güsse entlang der Meridiane erzielen eine Art Klopfmassage“, erklärt er. Danach greift Thomas zum Peelinghandschuh und führt ihn mit kraftvollen Bewegungen über den Körper.

Etwas sanfter ist der nächste Schritt: ein eingeseifter Baumwollsack wird durch Schwenken mit Luft gefüllt und verschlossen, sodass Berge von Schaum durch das Gewebe auf den Körper gestreift werden können. Schließlich folgt gefrorenes Kokosfettöl und eine Ganzkörpermassage mit sanftem Druck. Und immer wieder Güsse, etwas intensiver über den unteren Rücken - „warme Güsse im Bereich der unteren Wirbelsäule wärmen den ganzen Körper“ weiß Thomas – und sanft im Nacken- und Kopfbereich. Auch sei nach dem letzten kalten Guss der warme Abschluss wichtig, „sonst hat man den ganzen Tag kalte Füße.“

Fazit: Mit Schmutz und abgestorbenen Hautschüppchen haben sich auch Seelenballast und Hektik verabschiedet. Angenehme, entspannte Müdigkeit breitet sich aus. Deshalb empfiehlt sich diese Behandlung eher am Abend, wenn der Raum in stimmungsvolles Licht getaucht ist und weniger kahl wirkt.

Nacken-Schultermassage

Große Glaskrüge mit Blüten in Öl eingelegt.
Selbstgemachte natürliche Öle für die Massage. Foto: Rogner Bad Blumau ©Hundertwasser Architekturprojekt

Damaszener Rosen in kaltgepresstem Mandelöl, Ringelblumen in Sonnenblumenöl – diese Öle möchte ich gerne auf der Haut spüren. Mehrere Wochen lang reiften sie in Glasballons heran, standen in der Sonne und tankten ihre Kraft. Anstelle von synthetischen Duftstoffen oder Paraffinen tragen sie die volle Energie des Sommers in sich.

Obwohl: Eigentlich stehe ich nicht auf Massagen und kann das Rubbeln linkischer Hände auf meinem Körper gar nicht leiden. Da scheint mir die Anti Stress Kopf-, Schulter- und Nackenmassage mit Honig als kürzeste Form noch am angenehmsten. Schließlich hinterlässt die Bildschirmarbeit ihre Spuren: verspannte Schultern, steifer Nacken und verkrampfte Seele könnten etwas Lockerung durchaus gebrauchen.

Thomas – der vorher im Hamam schon sein Können unter Beweis gestellt hat – nimmt sich auch meines Rückens an. Er verteilt Honig auf Schultern und Nacken. „Der Honig ermöglicht eine sehr gute Hautverschiebung, ohne dass ich schmerzhaft in die Tiefe gehen muss“, erklärt er und massiert die gequälten Muskeln. Zu kurz, wie ich finde, denn schon nach wenigen Minuten legt er einen heißen Umschlag auf, welcher die Muskulatur angenehm entspannt. Nun greift Thomas zum begehrten Öl - Damaszener Rose, unwiderstehlich duftend – und setzt seine Massage mit sanftem Druck fort. Seine Hände scheinen nicht nur die Haut zu berühren, sie passen sich den Konturen des Rückens an, streifen entlang der Energiebahnen und setzen Impulse, die tief in den Körper dringen. Woher hat dieser junge Mann nur das Gespür? „Ich habe schon als Siebenjähriger viel von meinem Onkel gelernt, der sich mit Tai Chi beschäftigt hat“, erzählt Thomas, und dass er sich vorstelle, seine Hände würden zu Wasser, das sich ganz dem Körper anschmiegt. Von solch gekonnten Massagen hätte ich gerne mehr.

Fazit: Traumhafte Massage, die mit speziellen Grifftechniken, Honig und natürlichen Ölen den gesamten Schulter- und Nackenbereich entspannt. Und der Seele gut tut.

Räuchern

Räuchermeister Hans.
Räuchermeister Hans. Foto: Herzog
Alle zwei Stunden erklingt der Gong in der Innentherme. Dann wird das Räucherwerk aus dem Holzschrein geholt und das Räuchergut - Indische Baumrinde, Rosenweihrauch, Weißer Salbei oder Kampfer – entzündet. „Das Räuchern ist ein altes Ritual, um negative Energien zu verbrennen“, erklärt Räuchermeister Hans. Würdevoll, in eine schwarze Kurta gekleidet, schreitet er mit dem rauchenden Gefäß durch die Anlage. Den Umkleideräumen schenkt er besondere Aufmerksamkeit, denn „hier tragen die Menschen mit ihren Kleidern auch jede Menge negative Energien herein“. Auch Hans hat zum Räuchern schon eine lange Beziehung: „In den Raunächten, zu Weihnachten, Silvester und Dreikönig, hat mein Vater unser Haus und den Stall mit Kräutern geräuchert.“ Gelernt hat er das Handwerk vom indischen Meister Anand, der jedes Jahr für fünf Monate ins Rogner Bad Blumau kommt.

„Vor dem Räuchern laden wir dazu ein, Unstimmigkeiten los zu lassen und zur Ruhe zu kommen. So trägt jeder Einzelne schon etwas zur positiven Energie und zum Gelingen des Rituals bei.“ Dieses Räucherritual wird im Rogner Bad Blumau übrigens nicht nur den Gästen zuteil, auch die Mitarbeiter kommen von Zeit zu Zeit in den Genuss. Vielleicht ist dies mit ein Grund für die positive Stimmung und ihre Motivation?

Fazit: Lässt man sich auf das Räuchern ein, wirkt es in jedem Fall entspannend. Wie weit eine Reinigung erlebt wird, hängt vom persönlichen Zugang ab.

Gütezeichen für Gesundheitstourismus

Das Rogner Bad Blumau ist mit dem Österreichischen Gütezeichen für Gesundheitstourismus Best Health Austria ausgezeichnet. Das Gütezeichen steht für die Erfüllung strenger Qualitätskriterien und zeichnet die besten Beherbergungsbetriebe, Thermen und Kuranstalten aus.

www.blumau.com

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zuletzt geändert am 27.02.2019

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