Ein Krügerl Bier und eine Speckjause auf einer Steinplatte.
Mühlviertler Jause und Hofstetten Biobier. Foto: www.hofstetten.at

Zwischen Donau und Böhmerwald

Jürgen Schmücking schwärmt aus und besucht das ‚Hoamatland’ seiner frühen Kindheit.

Ich bin in Linz aufgewachsen. Nur ein paar Kilometer südlich der Donau. Meine Eltern und Großeltern ebenfalls, nur haben letztere irgendwann in den Siebzigern zwischen Alberndorf und Spattendorf einen Grund gekauft und ein Wochenendhaus gebaut. Wenn ich an meine Kindheit denke, kommen mir als erstes die Baumhütten am Mühlbach, die (stets erfolglosen) stundenlangen Jagdausflüge mit Pfeil und Bogen und die stundenlangen Kartenspiele mit den Großeltern in den Sinn. Zu sagen, ich wäre im ‚Mühviadl’ verwurzelt ist zuviel des Guten. Aber es ist ein Teil von mir, und dass sich dort gerade eine veritable Bio-Szene mit richtig spannenden Highlights entwickelt, gefällt mir außerordentlich. Hier ein paar aktuelle Tipps aus einer meiner frühen Heimaten.

Mann kostet Bier aus einem Glas mit längerem Stiel.
Die Brauerei Hofstetten hat sich zu einer der spannendsten Bio-Brauereien des Landes entwickelt. Foto: Michael Reidinger

Spannende Biobiere im Mühlviertel

Beginnen wir mit dem Bier. Das liegt irgendwie auf der Hand, denn vor nicht allzu langer Zeit haben sich vier Mühlviertler Brauereien zusammengetan und die Initiative ‚Bierviertel’ ins Leben gerufen. Mitglieder sind die Braucommune in Freistadt, die Stiftsbrauerei Schlägl, der Biergasthof Schiffner und die Brauerei Hofstetten. Letztere hat sich in den letzten Jahren zu einer der spannendsten Bio-Brauereien des Landes (und damit meine ich nicht nur das Mühlviertel) gemausert. Kennengelernt habe ich die Hofstettner Biere vor einigen Jahren, als die Bio-Hotels im Best of BIO Beer-Award nach den besten Bio-Bieren suchten. Einer der Gewinner war das damals recht junge naturgebraute Bio-Hochland-Honigbier. Ein frühes Craft Bier mit hohem Anspruch an die Regionalität seiner Zutaten. Den Honig (zur Kostnotiz komme ich gleich) liefern die Hochland-Imker aus dem Böhmerwald, es wird Mühlviertler Hopfen und Hofstettner Gerste und Malz verwendet, das Wasser kommt wieder aus den Granitquellen des Mühlviertler Hochlands. Das Bier selbst ist eine Wucht. Es ist komplex, weil es sowohl fruchtig-frisch, aber auch nach rustikalem Waldhonig riecht. Anders als einfache Pils- oder Lager-Biere verändert sich das Honigbier, je länger es im Glas ist und auch die Temperatur sollte nicht zu niedrig sein. Eine Spur wärmer als die kalten, schnellen Durstlöscher entfaltet es ein zauberhaftes Bouquet und macht auch am Gaumen viel Freude. Jedenfalls war es das Bier, mit dem ich Hofstetten kennengelernt habe. Und es hat mich neugierig gemacht.

Die Brauerei Hofstetten liegt – mehr oder weniger – an der Straße nach Rohrbach, genauer gesagt in St. Martin im Mühlkreis. Die Geschichte des Landbrauhauses reicht weit zurück. Die erste urkundliche Erwähnung lässt sich heute auf das Jahr 1229 datieren. Das fällt (ungefähr) mit den letzten Zügen der Babenberger und der Regentschaft des Böhmenkönigs Ottokar II. zusammen. Historisch gesehen ist 1229 schon ein ziemliches Machtwort. Heute wird modernisiert. Das alte Sudhaus wurde im Krisenjahr 1929 gebaut. 2015 begannen die Arbeiten am neuen Sudhaus. Man kann die Brauerei im Moment zwar besuchen (und natürlich auch die sensationellen Biere kosten und kaufen), Brauereiführungen sind aber erst wieder 2018 möglich. Hofstetten ist übrigens die Hölle für Leute, die sich nicht entscheiden können. Über 20 Biere stehen zu Auswahl, jedes eine Zierde seiner Art. Meine persönliche Empfehlungen: das Mühlviertler Bio-Bier (ein helles, würziges Bier mit hohem Trinkspaßfaktor), der Bio-Bock (wenn es einmal etwas kräftiger sein soll/muss) und das ‚1. Sud-G’frorene’ (ein Unikat und eine Rarität für außergewöhnliche Anlässe). Zur Brauerei>>>

Aussenansicht Mauracherhof
Die Bio-Hofbäckerei Mauracherhof, eingebettet in die typische Mühlviertler Hügellandschaft. Foto: Mauracherhof

Brotzeit im Mauracherhof

Weiter nach Sarleinsbach. Das ist eine knappe halbe Autostunde weiter in Richtung Rohrbach. Menschen mit regem Interesse an Kultur und Kulinarik haben zu ‚Mauracher’ in der Regel drei Assoziationen. Eine Alternative Rock Band aus dem Zillertal, ein Restaurant in Traunstein und die Bio-Bäckerei im Mühlviertel. Man sollte schon einmal hin und den Hof besuchen. Immerhin gehören Elisabeth und Josef Eder zu den Pionieren der oberösterreichischen Biolandwirtschaft. Und davon (und natürlich vom Hof uns seinen Produkten) erzählen sie gerne in Führungen und interessanten Brotverkostungen. Zur Philosophie der Bio-Hofbäckerei gehört, dass ausschließlich sortenreines Getreide verwendet wird, das für das Mühlviertel typisch ist. Neben Weizen und Gerste also auch Dinkel, Hafer, Roggen und Einkorn. Aus diesen sechs Getreidesorten wurde ein Sortiment erarbeitet, das sich sehen lassen kann. Sauerteigbrote, Semmeln, Baguettes und noch vieles mehr. Am besten einfach vorbeischauen und gustieren. Zum Maurecherhof>>>
 

Johannes Steinmayr und Anneliese Maringer hocken im Heu.
Johannes Steinmayr und Anneliese Maringer, Jausenstation am Hansberg. Foto: Steinmayr

Auf a Jausn am Hansberg

Man wird zwar sowohl in Hofstetten, wie auch beim Mauracher ausreichend gestärkt, lässt man sich aber von den Hügeln und Waldwanderwegen verleiten, einen ausgiebigen Spaziergang zu machen, kann auch eine ordentliche Mahlzeit nötig sein. Und nichts ist da besser als die von Anneliese Maringer und Johannes Steinmayr (vom Biohof Steinmayr) geführte Jausenstation am Hansberg. Die Speisekarte – hier ‚Jausnkarte’ liest sich rustikal, mühlviertlerisch und macht Lust aufs Bestellen. Ganz grandios unter der Kategorie ‚Jause’ sind das saure Rindfleisch (mit Essig, Kernöl und frischem Zwiebel) und ‚a fette Gschicht’, kokett auch ‚Mühlviertler Fitnessteller’ genannt: eine deftige Trilogie mit Verhackertem, Grammelschmalz und Bratlfett. Alles vom hofeigenen Bio-Schwein. Alibihalber sind auch ein paar Zwiebelringe dabei. Wer Glück hat (oder plant), kommt an einem Donnerstag zur Jausenstation und kann aus einem Angebot hochfeiner Bio-Burger wählen. Auch hier gibt es einen klaren Favoriten: ‚Be my Honey’ mit saftigem Rindfleischpatty, warmen Schafkäse und honigsüßer Erdnussmayonnaise. Der Rest ist Salat. Für die, die ganz regional und traditionell unterwegs sein wollen: Leinölerdäpfel. Gekochte Kartoffeln, Leinöl. Punkt. Und trotzdem einer der Hauptbestandteile der kulinarischen DNA der Region. Zur Jausenstation>>> und Zum Bio-Bauernhof>>>

In meiner Kindheit war das Mühlviertel (oder zumindest der Teil, den ich kennengelernt habe) kulinarisches Niemandsland. In jedem Dorf ein Wirtshaus, das Bier kam von Zipfer oder Gösser. Das wars. Heute ist das anders, und die Veränderung ist höchst erfreulich. Man hört dieser Tage auch deutlich weniger Mühlviertlerwitze. Aber die waren in meiner Familie sowieso tabu.

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zuletzt geändert am 18.10.2017

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