Zwei Kanus gleiten durch einen Wasserweg im Wald
Foto: Anet Hoppe

Uckermarkt - sanft übers Wasser gleiten

Die Uckermark im Nordosten Brandenburgs ist ein Paradies für alle, die gerne „im Fluss“ sind. Über 500 Seen und unzählige Wasserwege laden zu kurzen Touren oder mehrtägigen Ausflügen ein.

Es muss nicht gleich der Sprung ins kalte Wasser sein – für den Anfang erlaubt eine geführte Tagestour, sich mit dem „Gleiten“ vertraut zu machen. Zum Beispiel eine Rundtour mit Picknick in den Altarmen der Oder vor Mescherin. Für die zwölf Kilometer sind gemütliche sechs Stunden veranschlagt. Begleitet werden wir von Frauke Bennett, zertifizierte Kanu-, Natur- und Landschaftsführerin im Nationalpark Unteres Odertal und Inhaberin von „flusslandschaft reisen“.

Die Tour "Auf den Spuren des Bibers" startet beim Park-Restaurant in Mescherin. Frauke fährt mit einem voll mit bunten Kanus beladenen Anhänger vor. Paarweise tragen die Teilnehmer*innen die Kanus ans Ufer, Paddel werden verteilt, bei Bedarf gibt es Schwimmwesten und wasserdichte Packtonnen. Zuvor zeigt uns Frauke im Schatten eines Baumes die wichtigsten Paddelschläge und gibt uns die relevantesten Verhaltensregeln im Schutzgebiet mit. Apropos Schatten: Wer den ganzen Tag am Wasser ist, ist auch die meiste Zeit in der Sonne. Also werden Nasen nochmals eingecremt, Sonnencreme, Sonnenbrille, Kopfbedeckung und viel Trinkwasser kommen mit ins Boot.

Dann geht es los – durch den locker geöffneten Schilfgürtel Richtung offene West-Oder. Wir kommen an zwei Schiffswracks vorbei, die im Krieg manövrierunfähig auf Grund gelaufen sind. Heute dienen sie als Nistplätze und Rückzugsorte für Vögel. In Höhe des Mescheriner Hafens biegen wir durch ein im satten Grün verstecktes Fluttor, dessen schmale Öffnung unsere eben erst erlernten Fertigkeiten fordert. Der breite Flussarm liegt hinter uns, wir tauchen in einen schmalen Graben ein. Hier empfängt uns Stille. Auf den kommenden Kilometern sehen wir nur noch Wasser, Seerosen, blauen Himmel und vor allem Schilf, das sich stellenweise bis zu vier Metern hoch über unseren Köpfen wiegt.

2 Meter hoher Haufen an Ästen.
Es sind imposante Gebäude, die die Biber in der Wasserlandschaft der Oder-Altarme vor Mescherin errichten. Foto: Madlen Wetzel

Auf den Spuren des Bibers

Nach kurzer Fahrt entdecken wir im Dickicht eine stattliche Biberburg – und es soll nicht die einzige sein. Frauke erzählt uns von unterirdischen Vorratsstuben und der Rolle des Nagers als Architekt, Maurer und Gärtner. Weiter geht es durch bunt blühende Wasserlandschaften. Wasserlinsen, Wasserminze, Pfeilkraut, Kalmus, Krebsschere, Schwanenblume und Schwimmfarne ziehen links und rechts unserer Kanus entlang. In den etwas breiteren Wasserarmen erstrahlen hunderte weiße Seerosen und gelbe Teichrosen. Wir passieren alte Holzpfähle, die als Pfeiler für eine Brücke dienten, bevor die Oder Anfang des 19. Jahrhunderts begradigt wurde. Der Wasserarm, auf dem wir unterwegs sind, wird zum Schluss immer enger. Die Wasserschneisen sind stellenweise nur so breit wie unsere Boote. Üppige Wasserpflanzen schleifen an unserem Kanu und unsere Paddel müssen nach geeigneten Einstichstellen suchen. Die nächste halbe Stunde vergessen wir beinahe Zeit und Raum, so eindrucksvoll schön und wild ist es hier.

Seerosen im Naturpark Uckermaerkische Seen.
Seerosen im Naturpark Uckermaerkische Seen. Foto: Anja Warning

Sanft unterwegs in der Uckermark

Jetzt sind wir so richtig auf den Geschmack gekommen und wollen uns gleich an einer mehrtägigen Kanutour versuchen. Anet Hoppe, Geschäftsführerin von Tourismus Marketing Uckermark, bremst unsere Ambition und rät uns, es zuerst mit einigen Tagesausflügen zu versuchen: „Eine Tagestour am Lychener Seengebiet ist ideal für Anfänger*innen. Die idyllische Seenkette ist teilweise Naturschutzgebiet und daher für Motorboote gesperrt. Hier findet man viel Ruhe und Natur pur.“ Die komplette Ausrüstung und Tourentipps gibt es bei der Agentur Treibholz oder der Kolbatzer Mühle in Lychen. Die Ufer der Seen sind zum Großteil nicht verbaut, man kommt an Fressplätzen der Fischotter vorbei und kann, wenn man Glück hat, Fischadler und Eisvögel beobachten. Am Weg liegen auch einige Naturbadestellen und Ausflugslokale. Und natürlich das Städtchen Lychen, das man sich nicht entgehen lassen sollte, mit seinem Flößereimuseum, der Bootspassage Lychen an der Alten Mühle, wo heute Restaurant und Café „Mühlenwirtschaft & Kaffeemühle“ untergebracht sind oder einem Besuch im Cafe GaTho direkt am See.

Bootskanal führt unter einem großen Backsteinhaus durch.
Bootspassage Lychen. Foto: Anet Hoppe

Gleich ums Eck liegt Templin, ein beliebter Ausgangspunkt von Tagestouren auf dem Templiner Seenkreuz. Highlights sind die Selbstbedienungsschleuse, die historische Altstadt und das Multikulturelle Centrum. Auch hier gibt es natürlich Möglichkeiten, Kanus zu mieten.

Und wenn wir dann bereit sind für die „große Reise“, empfiehlt uns Anet die Fahrt von den Uckerseen bis zum Stettiner Haff – 85 Kilometer von Süd nach Nord mit Start in Suckow durch Prenzlau bis nach Ueckermünde. Ausstattung, Kanuvermietung und Shuttle-Service gibt es im Adventure Camp Solaris in Prenzlau. Begleitet wird die Reise von viel Natur, schönen Badeplätzen, mehreren Wehren, um die man das Boot herumtragen muss, idyllischen Ortschaften und gutem Essen. Fisch ist dabei natürlich besonders angesagt. „Und nehmt euch ein paar Tage Zeit in Prenzlau“, empfiehlt Anet.

Viele der Seen und Kanäle in der Uckermark kann man auch ohne Muskelkraft befahren, zum Beispiel mit einem Hausboot, die es aber leider nur mit Verbrennungsmotor gibt. Im Camp Solaris in Prenzlau oder im Naturhafen Lübbesee in Templin sind wir auf Boote mit E-Motoren gestoßen, aber ohne Haus drauf. Abseits der Wasserwege gibt es auch jede Menge Radrouten – und auch mit einem Planwagen kann man die Landschaft auf natürliche Weise erleben.

Nachhaltigkeit

Klarwasserseen, Waldmoore, unberührte Flussauen sowie seltene Tier- und Pflanzenarten – in der Uckermark nehmen Natur- und Landschaftsschutzgebiete mehr als die Hälfte der Fläche ein. Seit 2018 ist die Uckermark von TourCert als nachhaltiges Reiseziel zertifiziert. „Wir wollen unseren Gästen bleibende Natur- und Kulturerlebnisse ermöglichen. Wir setzen uns vor allem dafür ein, auch im ländlichen Raum nachhaltige Mobilitätslösungen zu entwickeln“, sagt Anet Hoppe. Die Gäste sind eingeladen, diesen Weg zu unterstützen – noch ein Grund mehr, mit dem Kanu unterwegs zu sein.

Anreise

Mit dem Zug nach Berlin und dann weiter mit der Bahn ach Prenzlau und Templin. Nach Lychen steigt man in Fürstenberg in den Bus um.
 

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zuletzt geändert am 22.03.2021

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