DTeg in der Nothklamm
Leichter Fußmarsch durch die wilde Klamm. Foto: Roswitha Reisinger

Wilde Wasser und eine einsame Höhle

Kennen Sie Gams? Wenn nicht, geht es Ihnen so wie mir. Bisher verstand ich darunter nur eine beneidenswert wendige Kletterin.  Dabei hat es der Ort "Gams" sogar zum österreichischen Geodorf gebracht.

Gams bei Hieflau - in einem Seitental der Enns gelegen - bringt es auf nicht ganz 600 Einwohner und nennt sich stolz das „österreichische Geodorf“. Unter wissenschaftlicher Anleitung wird hier die geologische Geschichte der Region erforscht und für die BesucherInnen zugänglich gemacht. Schon 1881 hat es einen gewissen Herrn Franz Kraus hierher verschlagen, dessen Leidenschaft es war, Höhlen zu erforschen und für die Menschen zugänglich zu machen. In Gams ist er fündig geworden – und wie! Die nach ihm benannte „Kraushöhle“ ist eine von nur drei Gipshöhlen auf diesem Planeten, die anderen beiden befinden sich in Frankreich (Savoyen) und in Nordamerika (Kentucky).

Das alleine ist schon eine Sensation, für Kraus aber noch nicht genug. Der Steve Jobs unter den Pionieren der Elektrizität schaffte es doch tatsächlich nach nicht einmal zwei Jahren, die Höhle für Besucher zugänglich zu machen und zu elektrifizieren – und das Jahre bevor in Wien die ersten Glühbirnen zu leuchten begannen.

130 Jahre technologischen Fortschritts später schaut alles ganz anders aus. Aus dem Geo-Disneyland mit Besucherströmen aus aller Welt ist nichts geworden. Am Parkplatz zum Eingang in die Nothklamm, die über einen gesicherten Steg faszinierende Einblicke in die Schlucht bietet, parken gerade einmal zwei Autos. Ein paar mehr, und er wäre überlastet. „Wenn Sie eine Führung durch die Höhle wünschen, rufen Sie bitte untenstehende Telefonnummer“ ist auf einem A4 Zettel in einer Klarsichthülle zu lesen.

Gruppe im Inneren der Kraushöhle
Die Kraushöhle ist eine von nur drei Gipshöhlen auf der Welt. Foto: www.kraushoehle.at

Ich rufe zur Mittagszeit an und habe Herrn Mitterbäck an der Leitung. Wie sich später herausstellt ist er Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Gams, die so gut es geht einen touristischen Betrieb aufrecht hält. „In 15 Minuten bin ich bei der Höhle.“ Da wir nicht wollen, dass der nette Herr wegen uns vom Mittagstisch aufspringen muss, vereinbaren wir einen Termin um 14.00 Uhr und wandern vorerst auf der 700 Meter langen Steiganlage durch die Nothklamm. Unmittelbar unter uns tosen die Wassermassen durch die schmale Schlucht – bequemer kann man die Gewalten der Natur kaum erwandern.

Als wir pünktlich bei der Höhle eintreffen, wartet Herr Mitterbäck schon auf uns. Nach einer Einführung in die Geschichte drückt er uns LED-Spotlampen in die Hand und hängt sich selbst zwei Karbitlampen um. Lange vorbei sind die Tage der elektrischen Beleuchtung, vereinzelt zeugen alte Fassungen an den Höhlenwänden vom technischen Vorsprung vergangener Jahrhunderte.

Da sich keine weiteren Besucher einfinden brechen wir zu einer einstündigen Privatführung in die Tiefe des Berges auf. „Nächste Führung 15.15 Uhr“ schreibt Herr Mitterbäck noch schnell mit Kreide auf eine Tafel vor der Höhle, vielleicht kommt ja heute noch jemand.

Vom Eingang führt ein schmaler Gang in den Berg. Wände, Decken und Boden sind mit Kalkkarbonat, teils aus kristallinem Tropfstein, teils aus weißer Kalkmilch übersät. Bizarre Gebilde aus Gipskristall, Tropfstein und Bergmilch haben sich im Laufe der Jahrtausende gebildet, der Schatten der Lampe wirft die Umrisse an die Wand. Kreisrunde Ausschwemmungen an den Wänden und an der Decke muten wie ein Gang durch ein Museum moderner Kunst.

Nach etwa 100 Metern tut sich vor uns eine riesige Halle, gleich einem Festsaal auf. Tatsächlich sollte hier 1914 ein großes Fest stattfinden, das nach Ausbruch des ersten Weltkrieges jedoch abgesagt werden musste. Die Bretter des bereits fertiggestellten Tanzbodens sind stumme Zeugen für das Ende einer ausgelassenen Epoche. Zu dieser Zeit endete auch das öffentliche Interesse an der Höhle, was Plünderer als Einladung verstanden haben dürften, sich an den zum Teil meterhohen Stalagmiten zu bedienen. Herrn Mitterbäck tut das für seine Höhle besonders weh: „Die Natur braucht 100 Jahre, um einen halben Millimeter zu bilden. Was sind das für Menschen, die so etwas mutwillig zerstören.“

Mit der Hohle und dem Geopfad durch die Nothklamm hat es sich die Freiwillige Feuerwehr Gams zur Aufgabe gemacht, das geologische Erbe zu sichern sowie wissenschaftlich und touristisch aufzubereiten. Ganz nach ihrem großen Vorbild Franz Kraus.

Infos:

www.kraushoehle.at

www.geoline.at

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zuletzt geändert am 25.01.2017

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