Blick vom Kościuszko-Hügel, einem der vier künstlichen Hügeln in Krakau.
Blick vom Kościuszko-Hügel, einem der vier künstlichen Hügeln in Krakau. Foto: Fotopolska/Kopiec

Krakau – die unterschätzte Schönheit

Farbenfrohe Fassaden umringt von einem grünen Gürtel, Chopin-Musik im Park und Prunk aus Salz: Die alte Königsstadt Krakau überrascht Besucher mit einer einzigartigen Mischung aus Geschichte, Tradition und jugendlicher Leichtigkeit. Ein Städtetrip nach Polen.

Unter dem Sonnenschirm einen Eiskaffee schlürfen und dem fröhlichen Treiben auf dem mittelalterlichen Platz zusehen. Danach ein wenig durch die Arkaden der Tuchhallen bummeln und die Adelspaläste bestaunen. Das ist Dolce Vita von seiner schönsten Seite. Doch der Schein trügt. Es fühlt sich zwar an wie Italien, ist aber Polen. „So geht es allen, die das erste Mal in Krakau sind. Die Stadt wird einfach unterschätzt“, sagt Jolanta Koziol, die in Krakau lebt und Besuchern die vielfältigen Ecken der Stadt zeigt.

Bella Italia mitten in Polen

Der Marktplatz namens Rynek Glówny erinnert an den Markusplatz in Venedig und ist fast so groß wie vier Fußballfelder. „Wir bezeichnen den Marktplatz gerne als ‚dinning room‘ der Stadt“, erzählt Jolanta. Restaurants, Clubs oder Architekturschätze, wie die Marienkirche mit ihrem Turmbläser, oder was immer jemand sucht, vom Marktplatz aus ist es leicht zu finden. Dennoch reicht ein Tag für Krakau nicht aus. Zu viel gibt es zu entdecken in der Altstadt, die zum Unesco-Weltkulturerbe zählt und die von einem vier Kilometer langen Grüngürtel, der Planty, umgeben ist. An warmen Tagen bevölkern die Studenten die Wiesen und wuseln abends durch die Gassen. Trotz ihres Alters ist Krakau jung geblieben. In ihrem Herzen pulsiert das Leben – und das hat sie mitunter den Universitäten zu verdanken.

KrakauerTuchhallen bei Nacht.
KrakauerTuchhallen bei Nacht. Foto: Fotopolska

Nebel über den Dächern

Grün ist im Kommen. Zumindest für die junge Generation. Sie kaufen am liebsten regional, vor allem auf den Märkten oder gleich direkt von den Bauern. Bioverbände oder Zertifikate haben nicht den Stellenwert wie in Österreich. Für Touristen ist es daher manchmal schwierig nachhaltige Angebote zu lokalisieren. Aber es gibt sie. In Form von Fahrrädern zum Beispiel. Günstig können diese für eine Stadtrundfahrt bei 34 Citybike-Stationen ausgeborgt werden. Nur im Winter ist das nicht so sehr zu empfehlen. Nicht wegen der Kälte. Gegen die gibt es warme Kleidung. Allerdings gegen den Smog gibt es noch keine Lösung. Zumindest in Krakau. Die Emissionen stammen überwiegend aus Privathaushalten. Viele Häuser werden nach wie vor mit alten Kohleöfen geheizt. Alternativen sind für die Bewohner oft nicht leistbar.

Ausblicke und Rückblicke

Wenn die Luft klar ist, dann geht’s zum Kościuszko-Hügel. Der Hügel wurde zu Ehren eines polnischen Nationalhelden aufgeschüttet, die Festung am Fuße geht auf die Habsburger zurück. Heute sind darin ein Radiosender und ein kleines Wachsmuseum untergebracht. Das Hochspazieren wird mit einem fantastischen Ausblick über die Stadt belohnt und manchmal ist sogar das Tatragebirge zu sehen, das immerhin hundert Kilometer entfernt im Süden liegt.„Ein weiteres Muss ist der Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers Ausschwitz, um der Opfer zu gedenken“, findet Jolanta. Ein trauriger Teil der Geschichte. Genauso wie Schindlers Fabrik im Krakauer Viertel Podgorze. Die frühere Emaillewarenfabrik ist inzwischen ein Museum. Im jüdischen Viertel Kazimierz erinnern weitere Ecken an die bedrückende Vergangenheit, andere hingegen blühen durch das Engagement kreativer Menschen wieder auf.

Festival der jüdischen Kultur im Stadtteil Kazimierz.
Festival der jüdischen Kultur im Stadtteil Kazimierz. Foto: Fotopolska

Hippes Kontrastprogramm

Kazimierz ist trendig geworden. Bei den Streifzügen durch das Viertel begegnen Entdecker in ausgedienten Tabakfabriken Künstlern und historische Geschäfte entpuppen sich als Retrocafé. Jolanta zieht es auf den Platz „Plac Nowy“ zum Flohmarkt. Je nach Wochentag wechseln die Produkte. Sonntags gibt es Secondhand-Kleidung und Antikes. „Und es war schon seit jeher ein Platz, wo die Einheimischen Essen kauften oder sich einen Snack gönnten“, verrät Jolanta. Eine sichere Anlaufstelle bei Hungergegrummel ist das ehemalige Geflügelschlachthaus in der Mitte des Platzes. Jolanta empfiehlt die polnische Pizza, besser bekannt als „zapiekanka“. Das ist ein Baguette belegt mit Fleisch, Käse und Gemüse. Gestärkt geht es weiter auf dem Königsweg hinauf auf den Wawel-Hügel zum Schloss. In den Gemäuern wurden Könige gekrönt, Intrigen geschnürt und das Schicksal des Landes bestimmt. Zum Abschluss hat Jolanta noch eine Überraschung: Sie führt zur Salzmine vor den Toren der Stadt. In ihrem Inneren wartet eine märchenhafte Welt aus Salzkristallen.

Autorin: ANITA ARNEITZ
 

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zuletzt geändert am 22.02.2017

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