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Reisen zur eigenen Schaffenskraft

Bei Kreativreisen wird gemeinsam etwas geschaffen. Do-it-yourself (DIY) - Fans lernen dabei Land und Leute kennen.

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Links, rechts. Grauer Faden, weißer Faden. Mit jeder Masche gewinnt die Socke an Form, darauf achtet Stricklehrerin Ragga. Seit ein paar Tagen ist sie mit einer Gruppe wollbegeisterter Frauen durch West­island unterwegs. Am Programm stehen mindestens zweiein­halb Stunden Handarbeiten pro Tag, Spinnen und Färben von Wolle mit islän­dischen Pflanzen sowie Ausflüge, um die Kultur des Landes besser kennen­zulernen – und stricken gehört dazu. Bereits im 16. Jahrhundert strickten Frauen, Männer und Kinder auf der Insel jede freie Minute. Die islän­dische Wolle, Lopi genannt, wird wenig bearbeitet, dadurch bleibt sie weich und warm. Fast wie Angora. Das berühmte Lopapeysa-­Muster von den Pullovern wird mit bis zu vier Naturfarben hergestellt. Die langen Haare der Wolle machen ihn wasser­dicht. Männer, die sich nicht fürs Stricken interessieren, machen derweil ein Alternativ­programm. So kann im Urlaub jeder das tun, was ihm Spaß macht.

Immer öfter werden bestimmte Hobbys in Reisen eingebaut – und manche reisen sogar wegen ihres Hobbys. DIY spielt damit auch im Urlaub eine große Rolle. Elena Paschinger aus Krems hat sich in Neuseeland mit dem Kreativreise-Virus infiziert. Für ihr Buch tingelte sie durch die Welt und probierte verschiedenste DIY-Angebote aus. Ihr Resümee: „Die besten Reiseerlebnisse kommen dann zustande, wenn beide Seiten offen und bereit sind, herzlich auf etwas Neues zuzugehen – sei es beim Samba-Workshop in Brasilien, beim Kochkurs in Thailand oder beim Schnitzkurs in Tirol.“

Aufbrechen, anpacken, ausprobieren

Erschöpft und schlaflos? Gletscherschliff belebt den Körper. Aber um an den Millionen Jahre alten Sand zu kommen, muss zuerst zur Pasterze am Großglockner gewandert werden. Hier trägt jeder seinen Gletscherschliff selbst ab, mit dem er dann später von Gesundheits- und Schönheitsexperten im Wanderhotel Glocknerhof verwöhnt wird. Sogar bei Wellness und Kulinarik steht das selber Ausprobieren im Vordergrund. Ein Ort kann dadurch mit allen Sinnen erlebt werden. Selbst bei einem kurzen Städtetrip lassen sich DIY-Aktivitäten einplanen: Kochen mit Einheimischen, eine Tanzstunde, ein Fotowalk oder eine Mal-Session gehen sich immer aus. Kreative Hochburgen in dieser Hinsicht sind Wien, Paris, Barcelona und New York. In der Ferne hilft DIY gut gegen Einsamkeit und Heimweh. Denn gerade bei Hobby-Treffs lassen sich schnell Freundschaften schließen. Die gemeinsamen Interessen verbinden.

Alles nur Ausreden!

Alleine reisen, fremde Sprachen, kreativ sein – das kann ich nicht! Bullshit würden die Amerikaner antworten. Alles geht, wenn man will. Wer sich allein nicht zu einem Workshop oder auf Reisen traut, schließt sich einfach einer organisierten Gruppe an. Das hat den Vorteil, dass man sich um nichts kümmern muss und sich vorab auf das Programm einstellen kann. Allerdings ist man dadurch nicht so flexibel und spontan.

Grundsätzlich sollte bei der Buchung von kreativen Angeboten auf Seriosität und Zuverlässigkeit des Ansprechpartners geachtet werden. Wie sieht es in Sachen Termingarantie aus? Welches Renommee genießt der Kursleiter oder gibt es bereits positive Erfahrungen mit bisherigen Gästen? Kann über ein bewährtes Hotel oder einen Reiseveranstalter gebucht werden? All diese Fragen sollten sich Kreativreisende zusätzlich zum Reisezeitraum und zur Reisedestination stellen, rät Paschinger. Wer ein bisschen Geld sparen möchte, verlegt seinen Urlaub in die Nebensaison. Die Angst vor Sprachen ist unbegründet. Mit ein paar Brocken Englisch schlägt man sich gut durch, außerdem ist bei DIY sowieso vieles selbsterklärend oder kann mit Händen gezeigt werden.

Erleben, erfahren, erinnern

Foto: Weinviertel Tourismus
Wie, ein eigener Weinberg ist nicht drin? Dann eben im Weinviertel ein paar Rebstöcke mieten und mithilfe von Winzern im Weingarten arbeiten. Vom Rebschnitt über Laubarbeit bis hin zum Ernten und Keltern der Trauben wird alles selbst gemacht. Am Ende kommt der eigene Wein in Flaschen, versehen mit einem persönlichen Etikett. „Das Besondere an DIY liegt darin begründet, dass die Menschen in relativ kurzer Zeit große Erfolgserlebnisse verbuchen und wirklich etwa schaffen können“, erklärt Paschinger. Vielen Schreibtischtätern fehlen die unmittelbaren glücklichen Hochgefühle, die nahezu kindliche Freude, welche beim Selbermachen aufkommt.

Der Urlaub biete wie keine andere Zeit des Jahres die Möglichkeit sich fallen zu lassen, Grenzen zu überwinden und Raum für das Persönliche zu nehmen. „Das Urteil durch andere fällt weg. Man ist freier und ungebundener, traut sich wieder einmal was“, erzählt Paschinger. Das Ergebnis muss dabei nicht perfekt sein, vielmehr zählen das Erlebnis, die neue Erfahrung und die Erinnerung. Um den Zauber des Moments zu Hause noch lange aufrechtzuerhalten, empfiehlt Paschinger eine kreative Ecke in den eigenen vier Wänden zu schaffen. Vielleicht mit einer Collage aus Andenken oder einem schicken Regal, das den eigenen Wein richtig in Szene setzt? Wer etwas selbst erschafft, darf ruhig ein wenig stolz darauf sein.


Wie jedes DIY-Abenteuer einfach noch schöner wird – egal, ob nah oder fern
Tipps von Elena Paschinger, Kreativreisen-Bloggerin und Buchautorin

  • Vertrauen haben zu sich selbst, den Menschen und der Welt.
  • Die eigene Schaffensfreude fördern.
  • Glücksgefühle kultivieren.
  • Alte Hobbys wieder aufleben lassen.
  • Urlaub mit Gleichgesinnten feiern.
  • Neues entdecken.
  • Neugierig bleiben auf die eigenen Fähigkeiten und die Mitmenschen.

Autorin: Anita Arneitz

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zuletzt geändert am 16.08.2017

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