Foto: Kaunertal Tourismus

Barrierefreies Schneevergnügen

In Tirol hat man erkannt, dass der barrierefreie Wintersport nicht nur für einige Spitzensportler interessant ist, die bei Wettkämpfen wie den Paralympics teilnehmen. Barrieren werden auch für den Breitensport abgebaut.

1987 passierte der Motorradunfall, seit dem ist Oliver Anthofer querschnittgelähmt. Ein Jahr später, 1988, besuchte er die Paralympics und erlebte, wie sich die Athleten vorwärts bewegten: mit Doppelstockschüben in einem Schlitten mit darauf montierten Langlaufskiern. „Ich habe es dann selbst ausprobiert. Irgendwie ist dann der Ehrgeiz und Wille zum Training gekommen und ich habe hart gearbeitet.“ Das Resultat waren acht Weltmeistertitel im Schlittenlanglauf, der zweifache Sieg des Gesamtweltcups und neun Paralympische Medaillen.

Mit dem Langlaufschlitten auf der Loipe

Seit der Wintersaison 2008/2009 arbeitet Oliver Anthofer gemeinsam mit der Tirol Werbung daran, das Angebot der barrierefreien Loipen in Tirol zu verbessern. Skischulen haben Langlaufschlitten angeschafft, die man im Voraus reservieren kann. Anthofer: „Von allein wäre das aber wohl nicht passiert, erst durch unsere Tests sind die Loipenbetreiber auf das Thema Barrierefreiheit aufmerksam geworden.“ In den Tiroler Regionen Seefeld, Achensee und dem Tiroler Oberland finden sowohl Anfänger als auch Fortgeschrittene und Profis qualitätsgeprüfte, barrierefreie Loipen.

Foto: Tirol Werbung/Klaus Kranebitter

Freie Pisten

Tirols Skiregionen öffnen im Winter täglich ihre Drehkreuze und Pisten nicht nur für Skifahrer und Snowboarder, sondern auch für Rollstuhlfahrer, die auf sogenannten Monoski durch den Schnee gleiten. Robert Troppacher weiß, dass das nicht immer so selbstverständlich war, denn auch er ist seit einem Motorradunfall querschnittgelähmt und fährt seit 1988 Monoski. Damals kannte das Liftpersonal den Monioski noch nicht. „Was das für ein Gerät sei, haben sie mich gefragt“, so Robert Troppacher, „und dann sagten sie, sie würden keine Gewährleistung übernehmen, wenn am Lift etwas passiert!“ Die Benützung von Skiliften wurde Monoskifahrern damals schlicht und einfach verweigert. „Das gibt’s heute gar nicht mehr“, sagt Troppacher. Der gebürtige Steirer arbeitet seit 2002 als Monoskilehrer in Tirol und testet Skigebiete auf ihre Barrierefreiheit. Dabei kontrolliert er, ob genügend Parkmöglichkeiten für Rolli-Fahrer vorhanden sind, ob Ziehwege nicht zu flach oder Skilifte und Restaurants barrierefrei sind. Zusätzlich spielt auch das Service-Personal bei den Skiliften eine wichtige Rolle für die Barrierefreiheit eines Skigebiets. Zehn Tiroler Skigebiete erfüllen die Kriterien und sind als Monoskigebiete für Rollstuhlfahrer zertifiziert.

Skilauf lernen – barrierefrei

Mittlerweile hat sich in Tirol auch eine Schneesportlehrer-Ausbildung etabliert, die auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung eingeht. „Skilauf nordisch für Menschen im Rollstuhl“ – so heißt beispielsweise eine Ausbildungsunterlage, die Bettina Mössenböck für den Tiroler Skilehrerverband entwickelt hat. Die gebürtige Oberösterreicherin hat in Innsbruck Sportwissenschaft studiert und ist selbst hörbehindert. Heute ist sie Referentin für Aus – und Fortbildung im Österreichischen Behindertensportverband und hat die Ausbildung zum so genannten „Instruktor für Behindertenskilauf“ mit ins Leben gerufen: „Wir waren die ersten in Österreich, die das gemacht haben. Ich habe da in der Bundessportakademie sehr gute Fürsprecher gefunden. Seit dem Jahr 2000 läuft alle zwei bis drei Jahre ein neuer Kurs. Es sind immer zwischen 20 und 40 Leute dabei. Das Tolle an dem Kurs ist, dass auch Menschen mit Behinderung teilnehmen können, wenn sie Skifahren können und die Aufnahmekriterien erfüllen.“

Behindertengerechte Sportgeräte

Eine weitere Barriere im Skilauf für Menschen mit Behinderung ist die Anschaffung behindertengerechter Sportgeräte wie Langlaufschlitten und Monoski. Diese sind sehr teuer. So kostet ein neuer Langlaufschlitten etwa 2.000 Euro, ein Monoski für Rollstuhlfahrer gar 5.000 Euro. Daher ist es wichtig, diese Geräte zum Verleih anzubieten. Alois Praschberger, seit einem Motorradunfall 1978 querschnittgelähmt, begann bereits in den 80er Jahren mit dem Entwickeln von ersten Langlaufschlitten und auch Monoskiern. Seine Firma mit Sitz in Ebbs bei Kufstein vertreibt heute weltweit Sportgeräte für Rollstuhlfahrer und bietet die Geräte auch in Zusammenarbeit mit mehreren Regionen sowie Skischulen zum Verleih an.

Infos:

Loipen, Schigebiete und barrierefreie Hotelangebote:
www.tirol.at/barrierefrei
www.tirol.at/mono-skigebiete
www.tirol.at/unterkuenfte-rollstuhlfahrer

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zuletzt geändert am 01.03.2019

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