Barrierefreier Baumwipfelweg im Naturpark Geschriebenstein.
Auch für RollstuhlfahrerInnen erreichbar: Der Baumwipfelweg im Naturpark Geschriebenstein. Foto: Naturpark Markt Neuhodis.

Barrierefreier Baumwipfelweg im Naturpark Geschriebenstein

Vom barrierefreien Reisen zum Tourismus für alle: Im Naturpark Geschriebenstein sind luftige Höhen auch für Menschen mit Handicap erreichbar.

Ein weiter Blick über Wälder, Hügel und Sonnenblumenfelder – bei klarem Wetter kann man von hier im Mittelburgenland bis nach Kärnten sehen. Wer nicht sehen kann, genießt die vielen Vogelstimmen und die gute Luft inmitten des Buchenmischwalds, der seit 2010 den barrierefreien Baumwipfelweg von Althodis im Naturpark Geschriebenstein beherbergt. Mit höchstens sechs Prozent Steigung ist der knapp einen halben Kilometer lange Baumwipfelweg auch für RollstuhlfahrerInnen ohne fremde Hilfe zugänglich – ebenso wie der Weg durch den Wald, der zum Baumwipfelweg führt.

Der Baumwipfelweg kann im Rollstuhl befahren werden.
Der Baumwipfelweg kann im Rollstuhl befahren werden. Foto: Artner.

Hubert Reschl hat an alles gedacht. Der Obmann des Naturparks Geschriebenstein ist selbst im Rollstuhl unterwegs und hatte vor einigen Jahren beim Besuch von Integrationsklassen bemerkt, dass Kinder im Rollstuhl oder Blinde die herrliche  Umgebung nur wenig genießen und begreifen konnten. Es gab einfach zu wenige Angebote und Informationsmaterialien für sie. „So ist die Idee entstanden, einen Baumwipfelweg barrierefrei anzulegen“, erzählt Reschl. Auch der Weg zum Baumwipfelweg wurde neu gestaltet; ein Umgebungsplan zum Ertasten und Infotafeln in Brailleschrift machen es auch blinden BesucherInnen möglich, einen besonders schönen Teil des Naturparks Geschriebenstein selbstständig zu erkunden. „Betroffene müssen bei Planungen eingebunden werden. Sie wissen sofort, worauf es ankommt“, so Hubert Reschl.

Der Weg spannt sich in schwindelnder Höhe durch die Baumkronen.
Der Weg spannt sich in schwindelnder Höhe durch die Baumkronen. Foto: Naturparkverein Markt Neuhodis

Mehr als eine Milliarde Menschen gelten laut einer 2011 veröffentlichen Studie der Weltgesundheitsorganisation und der Weltbank als behindert. Knapp 50 Millionen sind es in der EU. Laut dem Bericht der Bundesregierung über die Lage der Menschen mit Behinderungen in Österreich aus dem Jahr 2016 leben 18,4 % der österreichischen Wohnbevölkerung mit einer Behinderung, das sind hochgerechnet 1,3 Millionen Personen. Denkt man an Menschen mit vorübergehenden Beeinträchtigungen - zum Beispiel nach einem Unfall oder einer Operation - oder Eltern mit Kinderwagen, wird schnell deutlich, dass fast jede/r Reisende auf Hindernisse stoßen kann. Außerdem wird die Bevölkerung der EU durchschnittlich immer älter. Wir alle also. Unsere Reiselust und Neugier auf die Welt werden deshalb nicht geringer, aber das Reisen wird mühsamer. Die Zahl der Reisenden mit Einschränkungen steigt. Die Schaffung von Barrierefreiheit auch im touristischen Bereich ist also eine wichtige gesellschaftspolitische und wirtschaftliche Aufgabe.

Autorin: Karin Chladek

Infos:
www.naturpark-geschriebenstein.at
www.baumwipfelweg-althodis.at
www.barrierefrei-reisen.at

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zuletzt geändert am 14.04.2019

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