München - Wo ein Kobold Schabernack treibt
Nicht jede Metropole drängt sich in den Vordergrund. München zeigt, dass eine Großstadt auch grün, überschaubar und einladend sein kann – und Großstadtleben und Gelassenheit, Tradition und Weltoffenheit perfekt verbindet. Sandra Bernhofer zeichnet ein Stadtportrait auf den Spuren des berühmt-berüchtigten Kobolds Pumuckl.
Ob man es wirklich einem Lauser wie dem Pumuckl überlassen sollte, den Straßenverkehr zu regeln? Im Münchner Viertel Lehel, wo der freche Kobold einst am Leim kleben blieb und so für den Meister Eder sichtbar wurde, funktioniert das zumindest tadellos. Seit etwas mehr als einem Jahr übernimmt er an den Fußgängerkreuzungen Liebig-, Trift- und Wagmüllerstraße, Robert-Koch- und Sternstraße sowie Stern- und Widenmayerstraße das Kommando. Die Berliner*innen haben ihr Ampelmännchen, die Münchner*innen ihren Ampelkobold.
Vom Arbeiterquartier zum Touristenklassiker
Für den Pumuckl ist es quasi eine Rückkehr an den Schauplatz seiner Faxen: Schon im Vorspann zur kultigen TV-Serie aus den 1980er-Jahren hopsen wir mit dem wohl berühmtesten Klabautermann im bayerischen Raum über die Dächer des Lehels. Denn die Schreinerwerkstatt von Meister Eder (verkörpert von Gustl Bayrhammer) befand sich in einem Hinterhof in der Widenmayerstraße, die sich nur wenige hundert Meter von den Pumuckl-Ampeln entfernt an der Isar entlang zieht. Das Hinterhaus wurde zwar nach Ende der Dreharbeiten abgerissen, doch das markante Eingangstor zum Hof existiert noch. Eine weitere bekannte Fassade aus der Serie taucht nach einem kurzen Spaziergang über die Maximiliansbrücke Richtung Wiener Platz auf: die inzwischen aufgelassene Wirtschaft „Zum Huterer“, das Stammlokal von Meister Eder. Für die Innenaufnahmen hielt das Gasthaus Kandler in Oberbiberg her: eine urige Wirtsstube mit Einrichtung von 1923, historischer Kegelbahn von 1905 und zünftiger bayerischer Küche.
Die Erfinderin des Pumuckl, Ellis Kaut, die die Geschichten 1962 ursprünglich als Hörspiele für den Bayerischen Rundfunk geschrieben hat, macht in den Abenteuern des Kobolds Münchner Lebensgefühl erlebbar – aber keines, das man mit der Schickeria verbinden würde. Pumuckl und sein Meister Eder bewegen sich vielmehr in den ehemaligen Arbeiter-Vorstädten, die in den 1980er-Jahren noch als Quartier der „einfacheren Leute“ galten. Die Stadt mit ihren verwinkelten Gassen und dem unaufgeregten Lebensgefühl ist dabei mehr als Kulisse: Sie gibt Pumuckls Abenteuern ihren ganz eigenen Charme. Inzwischen hat sich das Lehel gemausert. Die Maximilianstraße und die Museumsmeile entlang der Prinzregentenstraße sind fixe Programmpunkte in jedem Reiseführer – hier findet sich das Haus der Kunst, das Bayerische Nationalmuseum und die Archäologische Staatssammlung.
Wo sich Familien treiben lassen können
Was München auszeichnet – und zu einer Reisedestination macht, die für Familien besonders gut funktioniert –, ist das Nebeneinander: von Großstadtleben und Gelassenheit, Tradition und Weltoffenheit. Alleine zum Oktoberfest kommen jedes Jahr mehr als 6,5 Millionen Gäste aus der ganzen Welt in die Stadt an der Isar. Wie vielfältig München ist, kann man auch selbst erspüren, zum Beispiel am Viktualienmarkt: vor über 200 Jahren ein Bauernmarkt, heute ein Ort für alles, was frisch und g‘schmackig ist. Zwischen Obstkisten, Käselaiben und Gewürzständen streift man umher – wer besonders tief in den Markt und seine Aromen eintauchen will, schließt sich am besten einer geführten Tour an und kostet sich für rund 40 Euro durch das reichhaltige Angebot (z. B. via Munich Walk Tours).
Ein besonderer Ort für einen kleinen Snack zwischendurch ist für Kinder und erwachsene Tierliebhaber*innen der Katzentempel in der Maxvorstadt: Ein Duft von Kaffee und warmem Toast zieht durch das Lokal, während aus dem Tierschutz vermittelte Katzen zwischen den Tischen dösen oder herumstreifen. Auch wenn der Pumuckl einst seine liebe Not mit den „Schmeichelviechern” hatte, wäre sein Essen hier vor ihnen sicher – denn vom Katerfrühstück bis zum Banh Miau Sandwich sind alle Speisen vegan. Charmantes Detail: getoastete Pfotenabdrücke im Brot. Apropos tierische Begegnungen: Der Tierpark Hellabrunn lässt sich ebenfalls auf Pumuckls Spuren erkunden.
München grün erleben
München gehört zu den grünsten Städten Europas. Mehr als ein Fünftel des Stadtgebiets besteht aus Grünflächen. Vom Altstadtring bis in den Nordosten erstreckt sich ein Park, der sogar größer als der New Yorker Central Park ist: der 375 Hektar große Englische Garten. Zwischen Isarauen und Wiesen haben Kinder hier viel Gelegenheit zum Sausen und Staunen, die Erwachsenen zum Durchschnaufen und für das eine oder andere Kaltgetränk in einem der vier Biergärten. Neben griechischen Tempeln, japanischen Teehäusern und einer chinesischen Pagode kann man hier auch zu Boote den Kleinhesseloher See erkunden – oder den Surfer*innen auf der Eisbachwelle zuschauen, falls diese sich in Zukunft wieder verlässlich aufbaut.*
Auch der Olympiapark im Norden zeigt, wie Stadt und Freiraum zusammengehen können. Das Gelände der Spiele von 1972 wird bis heute genutzt. Wer möchte, spielt hier Tennis oder Minigolf. Die Abenteuerlustigeren gönnen sich einen Flying-Fox-Flug über die Arena oder seilen sich ins 40 Meter tiefer gelegene Stadion ab. Auch finden dort regelmäßig Konzerte und Ausstellungen statt.
Wer sich unabhängig von Öffis auf den Weg zum Olympiapark machen möchte, kann die Stadt mit dem Fahrrad erkunden. In 22 Minuten gelangt man von der Widenmayerstraße zum Olympiapark – und ist so tatsächlich 15 Minuten schneller als Straßen- und U-Bahn. Für Städteurlauber*innen stehen im gesamten Stadtgebiet Mieträder zur Verfügung (z. B. von Call a Bike oder Bolt). Das Münchner Radnetz gehört zu den bestausgebauten in Deutschland und führt überwiegend abseits der Hauptverkehrsstraßen durch Tempo-30-Zonen, verkehrsberuhigte Straßen, Parks und Grünanlagen. 2023 legten die Münchnerinnen und Münchner 21 Prozent aller Wege mit dem Fahrrad zurück, deutlich mehr als zum Beispiel die Wiener*innen (10 Prozent).
Kulinarische Pausen am Wegesrand
Auf dem Weg zum Olympiapark bieten sich zwei Abstecher an: In der Türkenstraße 53 wartet bei Bartu Bio-Eis in formschönen Edelstahltöpfen darauf, probiert zu werden. Nach italienischer Manier wird das Eis in den Becher gespachtelt. So kommen die Geschmäcker – von Schokolade bis Karamell mit Salzbutter – erst richtig zur Geltung!
Der zweite Abstecher führt in den Luitpoldpark nahe der Brunnenstraße. Zwischen alten Bäumen steht hier im westlichen Teil ein Pumuckl, der nicht herumspukt, sondern spuckt: Die Bronzefigur schießt in unregelmäßigen Abständen einen kräftigen Wasserstrahl in die Gegend – ein Erlebnis besonders an warmen Tagen. Apropos Wasser: Auf einem Städtetrip ist es wichtig, hydriert zu bleiben. Auf Einwegflaschen kann man in München getrost verzichten. Rund 90 öffentliche Brunnen liefern frisches, kühles Trinkwasser, mit dem man seine leere Flasche jederzeit ganz einfach auffüllen kann.
Wer nach einem langen Tag voller Entdeckungen nun Magenknurren verspürt, orientiert sich am besten am Pumuckl: Der ist nämlich kein Kostverächter. Und Meister Eder drückt bei einem kleinen Schluck Bier zur Brotzeit schon einmal das Auge zu. Erste Adresse für ein zünftiges Essvergnügen ist das Hofbräuhaus, das man inzwischen in vielen Städten der Welt findet. Das Original steht in München – und zwar seit 1589! Das historische Gebäude, Kellner*innen in Tracht, Klassiker wie Haxe oder Schweinsbraten und dazu ein frisch gezapftes Bier: viel mehr München geht kaum.
Sandra Bernhofer
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zuletzt geändert am 13.02.2026