3 Personen stapfen mit Schneeschuhen ausgelassen durch den Schnee.
Foto: Bernd Ritschel, maro&partner

Wintersport auf neuen Wegen

Laut Prognose der Naturfreunde wird das Skitourengehen in diesem Winter einen absoluten Boom erleben. Auch Skilanglaufen und Schneeschuhwandern liegen voll im Trend.

Während sich in der öffentlichen Diskussion alles darum dreht, wann die Seilbahnen und Schilifte wieder aufsperren dürfen, gehen viele Wintersportler bereits neue Wege. Sie schnallen sich Schneeschuhe, Langlauf- oder Tourenskier an und genießen es, in aller Ruhe durch die winterliche Landschaft zu laufen. Die Tourismusverbände in ganz Österreich überschlagen sich geradezu mit Angeboten für den coronasicheren Wintersport. Aktuell ist das Schneevergnügen allerdings nur für Einheimische zu genießen. Ohne Hotels und Gasthäuser wird’s für die Flachländer*innen abseits der alpinen Winter-Wonderländer ziemlich zach.

Bewegung in der Natur macht fit und glücklich

Die Naturfreunde freuen sich über den Trend, sind diese Formen des Wintersports nicht nur sehr umweltfreundlich sondern vor allem gesund. Durch moderate regelmäßige Bewegung an der frischen Luft wird der Stoffwechsel angekurbelt, die Muskulatur gestärkt und der Körperfettanteil reduziert. Die Gefahren, an sogenannten Wohlstandskrankheiten wie Fettleibigkeit, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Wirbelsäulenbeschwerden, Diabetes mellitus und Bluthochdruck zu erkranken, werden sukzessive reduziert. Während man sich bewegt, vertieft sich auch die Atmung, was sehr beruhigend wirkt.

Neben der Bewegung ist auch das Licht wichtig für unser Wohlbefinden. Licht regt die Ausschüttung des „Glückshormones“ Serotonin an, das für gute Laune verantwortlich ist. Wenn wir unsere Haut – dosiert – der Sonne aussetzen, produziert unser Körper Vitamin D. Damit kann Kalzium aus der Nahrung aufgenommen werden – das macht die Knochen hart und die Zähne stark. Vitamin D brauchen wir auch für ein gut funktionierendes Immunsystem. Und Licht weitet die Blutgefäße. Das senkt den Blutdruck und verringert das Risiko eines Schlaganfalls oder Herzinfarkts.

3 Schneeschuhwanderer beim Aufstieg zu einer Hütte
Bewegung und Licht - die besten Zutaten für Ihre Gesundheit. Foto: Schöttl

Nicht nur der Körper, auch die Seele ist hungrig nach Licht. Viele Menschen leiden im Herbst und Winter unter einer saisonal abhängigen Depression (SAD). Sie fühlen sich niedergeschlagen, antriebslos und klagen über ein schlechtes Selbstwertgefühl, häufig auch über extreme Müdigkeit und Heißhunger. Die Therapie ist einfach: biologisch aktives Licht. Also raus in die Natur! Auch wenn bei Ihnen zu Hause (noch) kein Schnee liegt.

Einsam durch den Schnee

Es soll ja laut Hörensagen in Österreich Regionen geben, die reichlich mit Schnee „gesegnet“ sind. Dort ist ein winterlicher Spaziergang natürlich etwas Besonderes. Wer es nicht allzu sportlich angehen will, sollte es mit Schneeschuhwandern versuchen. Durch gemächliches Stapfen über Tiefschneefelder oder im Wald wird das Herz-Kreislauf-System moderat beansprucht. Bei dieser Sportart steht neben der körperlichen Belastung vor allem die Förderung des Wohlbefindens im Vordergrund. Schneeschuhwandern eignet sich daher auch sehr gut für Personen fortgeschrittenen Alters.

Mit Langlaufskiern unter den Füßen kann man natürlich auch ganz gemächlich durch die verschneite Landschaft gleiten. Als „Sport“ betrieben sind die schmalen Brettln dann doch eine Herausforderung. „Schilanglaufen ist eine Ganzkörpersportart, bei der sehr viele Muskelgruppen beansprucht werden und auch die Auswirkungen auf die mentalen und psychischen Komponenten nicht zu unterschätzen sind“, sagt Herbert Schöttl, Naturfreunde Bundesreferent für den Skilanglauf. Man sollte daher zu Beginn seiner Schilanglauf-Karriere die Belastung an den Trainingszustand anpassen und es langsam angehen, vielleicht sogar einen Einsteiger*innenkurs machen und sich Tipps und Tricks von den fachlich kompetenten Ausbildner*innen holen.

Mit Übung und etwas Kondition ist der Gesamtwert dieser gelenkschonenden Bewegungsform auf unsere Gesundheit und Fitness höher als bei vielen anderen Sportarten. 95 Prozent der Skelettmuskulatur viele kleine, tiefliegende Muskelgruppen und –schlingen werden aktiviert und das ist gut für die Stabilität des Körpers.

Tourengeher im Hochgebirge
Foto: Kottersteger

Die Skitour – Königsdisziplin des sanften Wintersports

Laut Meldungen aus dem Bergsporthandel werden aktuell mehr Skitourenausrüstung den je verkauft. Viele Alpinskifahrer sehen in diesem Pandemie-Winter eine ideale Möglichkeit, ihrem Lieblingssport mit dem nötigen Abstand nachzugehen. Für Günter Abraham, Bundesgeschäftsführer der Naturfreunde Österreich ist es ein begrüßenswertes Gegenmodell zu dichtgedrängten Menschenansammlungen vor den Liftanlagen oder in überfüllten Apré-Ski-Bars.

Gleichzeitig warnen die Naturfreunde vor unüberlegten Alleingängen. Neueinsteiger*innen sollten langsam und kontrolliert beginnen. „Das Gelände, in dem man sich bewegt, ist gerade im Winter sehr anspruchsvoll. Je alpiner, desto mehr Erfahrung und Wissen über die möglichen Gefahren benötigt man“, sagt Martin Edlinger, Berg und Schiführer und Leiter der Abteilung Skitouren der Naturfreunde Österreich.

Bevor all die Neo-Tourengeher die Berge stürmen sei es ganz besonders wichtig, den von alpinen Vereinen organisierten Skitourensport in Kleingruppen möglichst bald wieder zu ermöglichen, vor allem im Bereich von Aus- und Fortbildungen. Denn dort lernt man eine für sich angemessene Tour zu erkennen und zu planen, den Lawinenlagebericht zu verstehen, sich im ungesicherten Skigelände bewegen zu können und den Umgang mit der Notfallausrüstung.

Fair-Play-Regeln für Pistentourengeher*innen

Viele Einsteiger*innen nutzen die Skipisten als ideale Möglichkeit, sicher in diese neue Sportart einzusteigen. Dabei kommt es immer wieder zu Konflikten mit Skifahrer*innen und letztlich auch mit den Pisten- und Seilbahnbetreiber*innen. Daher wurden folgende Fair-Play-Regeln für Pistentourengeher*innen ausgearbeitet:

  • Warnhinweise sowie lokale Regelungen beachten.
  • Der Sperre einer Piste oder eines Pistenteils Folge leisten.
  • Nur am Pistenrand und hintereinander aufsteigen.
  • Die Piste nur an übersichtlichen Stellen und mit genügend Abstand zueinander queren.
  • Frisch präparierte Pisten nur im Randbereich befahren.
  • Bis 22:30 Uhr oder einer anderen vom Seilbahnunternehmen festgelegten Uhrzeit die Pisten verlassen.
  • Sichtbar machen.
  • Bei besonders für Pistentouren gewidmeten Aufstiegsrouten/Pisten nur diese benützen.
  • Hunde nicht auf Pisten mitnehmen.
  • Ausgewiesene Parkplätze benützen und allfällige Parkgebühren entrichten.

Fair zur Umwelt

Wer dann doch ins freie Gelände geht, sollte nicht nur an die eigenen Sicherheit denken sondern mit allen Bewohner*innen und Nutzer*innen dieses Lebensraumes respektvoll umgehen. Dazu gehört, dass die Wildtiere im Wald nicht unnötig gestört werden, damit sie vor allem vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang die nötige Ruhe finden und dass Aufforstungs- und Jungwuchsflächen nicht befahren werden.

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zuletzt geändert am 13.12.2020

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